Lai­ze­rin setzt sich für Wai­sen­kin­der ein

Die Lieb­frau­en­schu­le un­ter­stützt die Or­ga­ni­sa­ti­on „Jia­mi­ni“, die Kin­dern in Ke­nia hilft

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN/RUND UM SIGMARINGEN -

SIG­MA­RIN­GEN (sz) - Seit die­sem Schul­jahr un­ter­stützt die Lieb­frau­en­schu­le als Part­ner­schu­le zwei Pro­jek­te in Ke­nia. Die­se ha­ben es sich zur Auf­ga­be ge­macht, Wai­sen- und Sl­um­kin­dern zu hel­fen; ei­ne der un­ter­stütz­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ist „Jia­mi­ni”. Ge­grün­det wur­de sie 2014 von der da­mals 21-jäh­ri­gen Lai­ze­rin Sin­ja Stötz­ner, die nach ih­rem Stu­di­um ein hal­bes Jahr in der Stadt Thi­ka, ei­nem Vo­r­ort von Nai­ro­bi, in Ke­nia ver­brach­te und von den Le­bens­um­stän­den der Stra­ßen­kin­der dort so er­schüt­tert war, dass sie spon­tan los­zog, um ih­nen Es­sen zu kau­fen und Un­ter­richt auf der Stra­ße zu ge­ben. „Um Kin­dern wirk­lich hel­fen zu kön­nen, reicht es nicht, sie mit Nah­rung zu ver­sor­gen. Kin­der brau­chen je­man­den, der sich um sie küm­mert, der ih­nen ein Zu­hau­se gibt“, sagt Sin­ja Stötz­ner. Al­so grün­de­te sie kur­zer­hand ge­mein­sam mit der Ke­nia­ne­rin Jo­se­phi­ne Mwan­gi die Or­ga­ni­sa­ti­on „Jia­mi­ni”, zu deutsch „Glau­be an dich selbst”.

Stötz­ner ist fest da­von über­zeugt, dass die Stra­ßen­kin­der ih­re Zie­le und Träu­me im Le­ben er­rei­chen kön­nen, wenn sie an­fan­gen, an sich selbst zu glau­ben. Schon drei Mo­na­te nach ih­rer An­kunft in Ke­nia er­öff­ne­te das Wai­sen­haus, in dem Kin­der wie in ei­ner Fa­mi­lie auf­wach­sen und ver­sorgt wer­den soll­ten. Doch nur zwei Jah­re nach sei­ner Er­öff­nung wur­de das Wai­sen­haus im April 2016 un­ter fa­den­schei­ni­gen Ar­gu­men­ten der Be­hör­den ge­schlos­sen, und die Mit­ar­bei­ter muss­ten sich von heu­te auf mor­gen auf die Su­che nach ei­ner neu­en Un­ter­kunft für „ih­re” Kin­der ma­chen. Das schreibt die Lieb­frau­en­schu­le in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung. Um sie in der Zwi­schen­zeit nicht al­lei­ne oder auf die Stra­ße zu­rück­keh­ren zu las­sen, muss­te die Be­treu­ungs­form ge­än­dert wer­den: Es wur­den mo­ti­vier­te Er­satz­müt­ter ein­ge­stellt, die nun mit je­weils drei bis fünf Kin­dern des Wai­sen­hau­ses in ei­ner ge­mie­te­ten Woh­nung zu­sam­men­le­ben. Da­bei sorgt „Jia­mi­ni“nicht nur für die fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung die­ser Fa­mi­li­en, son­dern auch für die päd­ago­gi­schen Grund­la­gen in der Er­zie­hung der Kin­der.

An­de­re Kin­der, die bei Ver­wand­ten un­ter­kom­men konn­ten, wer­den fi­nan­zi­ell un­ter­stützt, um die Fa­mi­li­en zu ent­las­ten und ei­nen Schul­be­such zu er­mög­li­chen. Sie wer­den zu Hau­se in den Sl­ums re­gel­mä­ßig durch So­zi­al­ar­bei­ter von Jia­mi­ni be­sucht. Im Sep­tem­ber 2016 wur­de ein zwei­tes Pro­jekt in ei­nem wei­te­ren Slum ge­star­tet: Für neun wei­te­re Wai­sen­kin­der wur­de ein Ta­ges­zen­trum ein­ge­rich­tet, wo sich die Kin­der nach dem Schul­be­such und am Wo­che­n­en­de auf­hal­ten kön­nen, wo sie Es­sen und Haus­auf­ga­ben­be­treu­ung er­hal­ten und wo ver­schie­de­ne Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten wie Fuß­ball, Zeich­nen, Sin­gen oder Akro­ba­tik an­ge­bo­ten wer­den.

Die bei­den Stu­den­ten Yan­nis Fürst, ehe­ma­li­ger Schü­ler der Lieb­frau­en­schu­le, so­wie Fran­zis­ka Dem­brc­zyk, die mo­men­tan für neun Wo­chen als Vol­un­te­ers vor Ort in Ke­nia mit­ar­bei­ten, sind von dem Pro­gramm „Jia­mi­ni“so­wie sei­nen en­ga­gier­ten Mit­ar­bei­tern über­zeugt: „Die Or­ga­ni­sa­ti­on ist sehr lo­bens­wert, und man hat das Ge­fühl, dass al­les Geld best­mög­lich ge­nutzt wird.“

Sin­ja Stötz­ner selbst hat ih­re Le­bens­auf­ga­be in „Jia­mi­ni“ge­fun­den: „Mei­ne Zu­kunft se­he ich bei Jia­mi­ni. Mein Traum ist es, ei­nes Ta­ges ein Wai­sen­haus mit ei­ner Schu­le zu grün­den, in der be­dürf­ti­gen Kin­dern die Chan­ce auf Bil­dung ge­währt wird.”

FO­TO: PRI­VAT

Die Jia­mi­ni-Kin­der mit den So­zi­al­ar­bei­tern Eu­nice und Ant­ho­ny (vor­ne) so­wie dem Sig­ma­rin­ger Vol­un­te­er Yan­nis Fürst (hin­ten rechts).

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