Rück­tritt der Sport­kreis­prä­si­den­tin ge­for­dert

Auch aus Men­gen kommt Kri­tik an Sport­ler­wahl – Sport­kreis-Vor­stand steht trotz Feh­lern hin­ter Ei­se­mann

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MENGEN/GÖGE/SCHEER - Von An­na-Le­na Buch­mai­er

SIG­MA­RIN­GEN - Im Nach­gang ent­puppt sich die Sport­ler­wahl des Krei­ses im­mer mehr als pan­nen­rei­che Ver­an­stal­tung. Nach­dem der Va­ter des Kick­bo­xers Tim Groo­ther­der, Ro­land Groo­ther­der, auf die SZ zu­ge­kom­men war, weil sämt­li­che Ti­tel sei­nes Soh­nes aus dem Jahr 2016 nicht an­ge­rech­net wor­den wa­ren, be­rich­ten nun auch an­de­re Be­tei­lig­te von „hand­werk­li­chen Feh­lern“von Sei­ten des Sport­krei­ses. Ste­fan Bubeck, Men­gens Bür­ger­meis­ter und Sport­kreis-Vi­ze, gibt zu, dass bei der Sport­ler­wahl Feh­ler un­ter­lau­fen sind, die „kein zwei­tes Mal pas­sie­ren dür­fen“. Uwe Mühl­bau­er, Ge­schäfts­füh­rer des TSV Gam­mer­tin­gen, for­dert gar den Rück­tritt von Sport­kreis­prä­si­den­tin Sven­ja Ei­se­mann. Für den Sport­kreis-Vor­stand steht die­ser je­doch nicht zur De­bat­te.

Wolf­gang Ger­lach aus Men­gen hat sich nun eben­falls an die SZ ge­wandt, weil vie­le Er­fol­ge sei­nes En­kels, dem Mo­dell­flug-Sport­ler Nils Fin­ke, bei der Prä­sen­ta­ti­on der Sport­ler­wahl nicht ge­nannt wor­den sei­en. Zum Teil sei­en die Dis­zi­pli­nen Ma­gnet- und Se­gel­flug ver­wech­selt wor­den und auch die Ver­eins­zu­ge­hö­rig­keit wur­de an­geb­lich falsch de­kla­riert. Er kri­ti­siert zu­dem, dass die sport­li­chen Er­fol­ge nicht vom Sport­kreis selbst beim Ver­ein an­ge­for­dert, son­dern oh­ne Zu­tun des Ver­eins von der Stadt Men­gen wei­ter­ge­lei­tet wor­den sei­en. Die Stadt Men­gen hat im Ok­to­ber ih­re ei­ge­ne Sport­ler­wahl ver­an­stal­tet, bei der aber nur Er­fol­ge aus dem Jahr 2015 be­rück­sich­tigt wur­den. Die­se – für Zwe­cke des Sport­krei­ses un­voll­stän­di­ge – Lis­te wur­de für die Kreis­sport­ler­eh­rung ver­wen­det. Ger­lach wirft dem Sport­kreis des­we­gen ei­ne un­glei­che Beur­tei­lung der Sport­ler vor.

Ger­da Wie­de­mann-Kraus, Mit­ar­bei­te­rin im Se­kre­ta­ri­at von Men­gens Bür­ger­meis­ter Ste­fan Bubeck, be­stä­tigt, dass die Stadt Men­gen Ti­tel für die städ­ti­sche Sport­ler­wahl bei den Ver­ei­nen an­ge­fragt und an den Sport­kreis wei­ter­ge­lei­tet ha­be. Sie fin­det, dass es Pflicht des Sport­krei­ses ist, die Zah­len vom Ver­ein über­prü­fen zu las­sen. Dem stimmt auch ein SZ-In­for­mant zu, der nicht ge­nannt wer­den möch­te. „Der Stadt Men­gen kann man kei­nen Vor­wurf ma­chen“, so der Mann. Er kri­ti­siert „hand­werk­li­che Feh­ler des Sport­krei­ses“, dar­un­ter den Zeit­punkt der Ver­an­stal­tung: „Es ist üb­lich, dass Sport­ler­eh­run­gen erst im neu­en Jahr statt­fin­den. Der Sport­kreis for­der­te die Ver­ei­ne schon im Ju­li auf, die Er­geb­nis­se für 2016 ein­zu­rei­chen.“Da­durch sei­en, je nach Sport­art, die Leis­tun­gen un­voll­stän­dig: „Für ei­nen Ski­sprin­ger be­ginnt die Sai­son bei­spiels­wei­se erst im Ok­to­ber.“

„Bis­her lief es im­mer gut. Die­ses Jahr gab es ein paar gro­be Schnit­zer, was zu ei­nem Eklat führ­te“, sagt Ste­fan Bubeck, Sport­kreis-Vi­ze­prä­si­dent.

Ka­te­go­ri­en nicht klar Haupt­kri­tik­punkt sei je­doch die Tat­sa­che, dass die Ka­te­go­ri­en der Eh­rung nicht de­fi­niert wä­ren: Für die Ka­te­go­ri­en Ju­gend­sport­ler und Sport­ler sind vom Sport­kreis kei­ne Al­ters­gren­zen fest­ge­legt. Je nach Sport­art va­ri­iert die Al­ters­gren­ze, ab wann man als Ju­ni­or und als Ak­ti­ver gilt. So sei es da­zu ge­kom­men, dass Gleich­alt­ri­ge in un­ter­schied­li­chen Ka­te­go­ri­en no­mi­niert wur­den. Au­ßer­dem sei die No­mi­nie­rung ei­ner Sport­le­rin we­gen der fal­schen Ka­te­go­rie­zu­ge­hö­rig­keit wie­der auf­ge­ho­ben wor­den. Ste­fan Bubeck be­stä­tigt die Schil­de­run­gen: „Die Bi­ath­le­tin An­ja Fi­scher aus Men­gen war als Ju­gend­sport­le­rin no­mi­niert“, so Bubeck. Sport­kreis­prä­si­den­tin Sven­ja Ei­se­mann ha­be die No­mi­nie­rung auf­ge­ho­ben, als ihr auf­fiel, dass die Sport­le­rin schon 19 Jah­re alt ist und des­we­gen nicht bei den Ju­gend­sport­lern an­tre­ten kön­ne. Im Bi­ath­lon je­doch gel­te sie tat­säch­lich noch als Ju­nio­rin. In der Er­wach­se­nen-Ka­te­go­rie sei­en zu die­sem Zeit­punkt be­reits al­le No­mi­nie­run­gen der an­de­ren Sport­ler er­folgt. An­ja Fi­scher sei des­halb vom Sport­kreis in­for­miert wor­den, dass sie nicht an der Wahl teil­neh­men kön­ne.

In ei­nem Brief ha­be Ei­se­mann das Pro­blem auf ei­nen Mel­de­feh­ler der Stadt Men­gen ge­scho­ben, den Bubeck von sich weist. „Wir ha­ben das ge­klärt und Frau Ei­se­mann hat es ein­ge­se­hen“, so der Bür­ger­meis­ter. An­ja Fi­scher, zwei­fa­che Welt­cup­sie­ge­rin, woll­te sich zu den Vor­fäl­len nicht äu­ßern. Laut Bubeck ha­be es ähn­li­che Pro­ble­me mit ei­nem wei­te­ren Sport­ler ge­ge­ben. „Die un­ter­schied­li­chen Stich­ta­ge bei den Sport­ar­ten kön­nen we­der Kom­mu­nen noch Ver­ei­ne oder der Sport­kreis ge­nau wis­sen“, so Bubeck. Per­so­nel­le Wech­sel Bubeck sagt, dass der Sport­kreis die Sport­ler­wahl bis­lang zu lo­cker ge­hand­habt hät­te. Gleich­zei­tig weist er dar­auf hin, dass die Ver­an­stal­tung, die haupt­säch­lich von Eh­ren­amt­li­chen ge­stemmt wer­de, als rei­ne Frei­wil­lig­keits­leis­tung oh­ne Rechts­an­spruch zu se­hen sei, zu­mal es ei­ni­ge per­so­nel­le Wech­sel ge­ge­ben ha­be. „Man woll­te nie­man­den be­vor­zu­gen oder be­nach­tei­li­gen“, so Bubeck. „Bis­her lief es im­mer gut. Die­ses Jahr gab es ein paar gro­be Schnit­zer, was zu ei­nem Eklat führ­te.“Aber: „Schuld­zu­wei­sun­gen brin­gen nichts.“Er ste­he wei­ter­hin hin­ter Prä­si­den­tin Sven­ja Ei­se­mann.

Aus den Pan­nen will der Sport­kreis laut Bubeck Kon­se­quen­zen zie­hen: Man wol­le sich Eh­rungs­richt­li­ni­en über­le­gen und Struk­tur in die Or­ga­ni­sa­ti­on brin­gen, den Zeit­punkt der Wahl über­den­ken, die Kri­te­ri­en zur Eh­rung bes­ser de­fi­nie­ren und auch die Zu­sam­men­set­zung der Ju­ry über­pla­nen. Künf­tig sol­len die Ver­ei­ne mehr Ver­ant­wor­tung tra­gen, was die Mel­dung der Er­fol­ge an­geht. Bald wol­le sich der Aus­schuss zu­sam­men­set­zen und das wei­te­re Vor­ge­hen be­spre­chen. „Klä­rungs­be­darf ist da“, so Bubeck. Die Feh­ler dürf­ten kein zwei­tes Mal pas­sie­ren. Uwe Mühl­bau­er, Ge­schäfts­füh­rer des TSV Gam­mer­tin­gen, for­dert Ei­se­manns Rück­tritt. „Ich hof­fe, dass sie die Reiß­lei­ne zieht und sich ver­ab­schie­det.“

Was sich zu­ge­tra­gen ha­be, sei schä­big und un­durch­sich­tig. Auch er be­rich­tet von Pan­nen: Der TSV sei vom Sport­kreis nicht auf­ge­for­dert wor­den, ei­nen Sport­ler zu nen­nen, er ha­be von der Wahl zu­fäl­lig er­fah­ren und sei auf den Sport­kreis zu­ge­gan­gen. Auf der Home­page des Sport­krei­ses sei zu­dem die No­mi­nie­rung ei­nes Men­ge­ner Sport­lers ver­ges­sen wor­den: „Al­le wa­ren am Abend der Wahl über­rascht, dass er über­haupt no­mi­niert war“, so Mühl­bau­er.

Er kri­ti­siert, dass die Wer­tun­gen nicht kom­pe­tent ge­nug vor­ge­nom­men wor­den sei­en. Zu­dem wä­ren wich­ti­ge Sport­ler, wie der Hoch­sprin­ger Da­vid Nop­per aus Meß­kirch, ver­ges­sen wor­den. „War­um er­folgt die Wahl nicht übers In­ter­net oder über die Zei­tung wie in an­de­ren Krei­sen?“, fragt Mühl­bau­er. Soll­te Sven­ja Ei­se­mann nicht zu­rück­tre­ten, wer­de er sich da­für ein­set­zen, dass sie nächs­tes Jahr nicht mehr ge­wählt wer­de.

FO­TO: BERND THIS­SEN/DPA

Leis­tun­gen der Sport­ler aus der Re­gi­on wür­di­gen – das ist das Ziel der Kreis­sport­ler­wahl. Nach und nach kom­men im­mer mehr Feh­ler ans Licht, die dem Sport­kreis un­ter­lau­fen sind. Auch Ru­fe nach dem Rück­tritt der Sport­kreis­prä­si­den­tin wer­den laut.

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