Ein­sei­ti­ge Fakten füh­ren in die Ir­re

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEINUNG & DIALOG -

Si­cher zu recht wur­de die­ses Wort als ty­pisch für die Er­eig­nis­se in 2016 als Wort des Jah­res ge­kürt. Fakten wer­den und wur­den der Stim­mung un­ter­ge­ord­net, mit der Dem­ago­gen sich Mehr­hei­ten ver­schafft ha­ben oder min­des­tens ei­nen gro­ßen Schritt dort­hin schaff­ten. Das aus­ge­hen­de 20. Jahr­hun­dert war ge­prägt von nüch­ter­nem Fak­tenglau­ben. Die­ser hat auch den Neo-Wirt­schafts­li­be­ra­lis­mus nach vor­ne ge­bracht, der nun Fol­gen zei­tigt, de­ren die Men­schen zu­neh­mend über­drüs­sig wer­den.

Wenn der Steu­er­mann nach Bauch­ge­fühl und blind für har­te Fakten steu­ert, dann fährt das Schiff frü­her oder spä­ter auf ein Riff, ei­nen Eis­berg oder in das Herz ei­nes Tor­na­dos. Der Steu­er­mann geht dann nicht al­lei­ne un­ter – nein, er nimmt vie­le mit. Die Leh­re: Ein­sei­ti­ge Fak­ten­ori­en­tie­rung führt in die Ir­re, wenn zu sehr ver­ein­facht wird und Fak­ten­ori­en­tie­rung al­lei­ne hilft nicht wei­ter, wenn Fakten nur aus Zah­len be­ste­hen (Brut­to­so­zi­al­pro­dukt, Um­satz­stei­ge­rung, Ge­winn­mar­ge, PISARan­king, Ak­ti­en­in­dex und so wei­ter). Wenn zum Bei­spiel die Ge­fühlsund Stim­mungs­la­ge der Men­schen jen­seits der Po­lit-Ba­ro­me­ter nicht gleich­wer­tig als Fak­tum wahr­ge­nom­men, er­fasst und be­rück­sich­tigt wer­den, ist die Fak­ten­ori­en­tie­rung auf we­nig trag­fä­hi­gem Grund. Die Welt ist nun mal kom­plex – das aus­zu­blen­den rächt sich, wie man sieht. Und die­se Ra­che kann fürch­ter­lich wer­den, wenn der „turn ar­round“nicht ge­lingt. Til­mann Wolf, Schei­degg Irr­sinn rüt­telt wach Wel­ches tref­fen­de Kunst­wort für un­se­re Zeit! Der zu­neh­men­de Irr­sinn, dass Emo­tio­nen und Gier statt Fakten das Le­ben be­stim­men, könn­te nicht bes­ser be­nannt wer­den und zu­gleich wach­rüt­teln, wer sich ei­nen kla­ren Kopf und Ver­stand be­hal­ten hat – von den Gro­ßen und Ent­schei­dungs­trä­gern oben, so­wie von den Bür­gern. Post­fak­tisch als Dia­gno­se un­se­rer Zeit, in der wir nicht nur vor ei­ner Jah­res­wen­de son­dern im­mer spür­ba­rer vor ei­ner Zei­ten­wen­de der Be­wohn­bar­keit un­se­rer Er­de ste­hen, for­dert da­her je­den zum Be­den­ken und Han­deln her­aus, dem „Über­le­ben ei­ne Chan­ce“(Al­bert Ein­stein schon vor cir­ca 50 Jah­ren) zu ge­ben. Andre­as Cha­lu­par, Wan­gen Gro­ße Ge­fahr für De­mo­kra­tie Zu den Ar­ti­keln „Rüf­fel aus Brüs­sel“und „Op­po­si­ti­on wirft Do­brindt Kun­ge­lei vor“(9. und 10.12.) Gro­ße Au­to­mo­bil­fir­men ha­ben jah­re­lang bei Ab­gas- und Benz­in­ver­brauchs­wer­ten die Fakten ma­ni­pu­liert. Dies ge­schah be­wusst zur ei­ge­nen Ge­winn­ma­xi­mie­rung und auf Kos­ten der ge­täusch­ten Kun­den, der Steu­er­ein­nah­men für die All­ge­mein­heit und der Ge­sund­heit der Men­schen. Er­mög­licht wur­de dies bei uns, so die EU, weil die Bun­des­re­gie­rung die vor­ge­leg­ten Fakten nicht aus­rei­chend über­prüf­te. Zu­dem hat das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um, so füh­ren­de deut­sche Me­di­en, die Fak­ten­la­ge auch noch ge­schönt. Be­zeich­nen­der­wei­se hört man we­der vom Ver­kehrs­mi­nis­ter, noch vom Fi­nanz­mi­nis­ter, dem da­durch Mil­li­ar­den ent­zo­gen wur­den, Kri­tik an den Ma­ni­pu­lie­rern. Wenn aber die Po­li­tik von der Groß­in­dus­trie be­stimmt wird, die­se sich nicht an Re­geln hal­ten muss oder sie selbst be­stimmt, ist das ei­ne gro­ße Ge­fahr für un­se­re De­mo­kra­tie. Die­se De­mo­kra­tie­ge­fähr­dung wird von der Re­gie­rungs­po­li­tik und vie­len Me­di­en ver­gleichs­wei­se we­nig pro­ble­ma­ti­siert. Hel­mut Frei, Fried­richs­ha­fen Lie­be Le­se­rin­nen, lie­be Le­ser, wir freu­en uns über Ih­re Brie­fe. Bit­te ha­ben Sie aber Ver­ständ­nis da­für, dass wir für die Ver­öf­fent­li­chung ei­ne Aus­wahl tref­fen und uns auch Kür­zun­gen vor­be­hal­ten müs­sen. Le­ser­zu­schrif­ten stel­len kei­ne re­dak­tio­nel­len Bei­trä­ge dar. An­ony­me Zu­schrif­ten kön­nen wir nicht ver­öf­fent­li­chen. Schwä­bi­sche Zei­tung Karl­stra­ße 16 88212 Ra­vens­burg Fax-Nr. 0751 / 295599-1499 Le­ser­brie­fe@schwa­ebi­sche­zei­tung.de

Samsung Ga­la­xy No­te 7 war ges­tern Zum Ar­ti­kel „Wenn Stim­mun­gen und Ge­füh­le Fakten ver­drän­gen – ,Post­fak­tisch’ ist das Wort des Jah­res“(10.12.):

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