Mal Sor­gen­kind, mal Son­nen­schein

Tier­schutz­bund rät von der Auf­nah­me von Stra­ßen­hun­den ab und rät zur Hil­fe vor Ort

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - TIERE - Von Sa­bi­ne Mau­rer

BONN (dpa) - Gi­na ist ein sehr freund­li­ches Tier. Sie lässt sich ger­ne strei­cheln, mag an­de­re Hun­de, je­dem Är­ger geht sie aus dem Weg. Die wei­ße Hün­din mit den schwar­zen Tup­fen im Fell hat in ih­rem Le­ben ver­mut­lich schon ei­ni­ges mit­ge­macht. Sie stammt aus Spa­ni­en und wur­de von Tier­schüt­zern nach Deutsch­land zu ei­ner Pfle­ge­stel­le ge­bracht. „Sie sah nicht so dol­le aus“, er­in­nert sich ihr jet­zi­ges Frau­chen Chris­ti­na Ham­mann aus Nord­rheinWest­fa­len an die ers­te Be­geg­nung vor fünf Jah­ren. Gi­na war sehr dünn, sie hat­te Wun­den. Ho­he Fol­ge­kos­ten 350 Eu­ro hat sie an die Tier­schüt­zer für Gi­na be­zahlt. Nach Aus­kunft des Deut­schen Tier­schutz­bun­des in Bonn lie­gen die Prei­se für ei­nen Hund aus dem Aus­land meist zwi­schen 150 und 400 Eu­ro. Deut­lich mehr Geld hat Ham­mann mitt­ler­wei­le an den Tier­arzt ge­zahlt. Die Hün­din hat Leish­ma­nio­se, neigt da­her zu Durch­fall und Oh­ren­ent­zün­dun­gen. We­gen Dys­pla­sie muss­te ih­re Hüf­te ope­riert wer­den. Be­reut hat ihr Frau­chen es je­doch nicht, Gi­na bei sich auf­ge­nom­men zu ha­ben. Mitt­ler­wei­le be­sitzt sie noch ei­nen zwei­ten Tier­schutz­hund aus dem Aus­land. „Mir tun die­se Tie­re ein­fach leid.“

Nach an­fäng­li­chen Schwie­rig­kei­ten – bei­de Hun­de wa­ren sehr ängst­lich – ist Chris­ti­na Ham­mann nun glück­lich. Doch ge­ne­rell ist bei der Auf­nah­me von sol­chen Hun­den aus Süd- oder Ost­eu­ro­pa Vor­sicht ge­bo­ten. Das Ri­si­ko, dass et­was schief geht, ist nicht zu un­ter­schät­zen. „Die­se Tie­re sind oft­mals ängst­lich und ab­weh­rend. Sie ha­ben kein In­ter­es­se an en­gem Kon­takt und füh­len sich in Woh­nun­gen un­wohl“, sagt die Ver­hal­tens­bio­lo­gin und Hun­de­trai­ne­rin Ariane Ul­rich vom Be­rufs­ver­band der Hun­de­er­zie­her und Ver­hal­tens­be­ra­ter. Die­se Tie­re kön­nen zum Streu­nen nei­gen, auch ein aus­ge­präg­tes Jagd­ver­hal­ten ist nicht un­ge­wöhn­lich.

Schließ­lich stam­men die Tie­re aus ei­nem ganz an­de­ren Um­feld als hier­zu­lan­de. Sie le­ben oft als Stra­ßen­hun­de. Ihr Fut­ter müs­sen sie sich su­chen oder ja­gen, an­sons­ten wür­den sie ver­hun­gern. Ei­ni­ge le­ben in Ru­deln zu­sam­men, vie­le sind als Ein­zel­kämp­fer un­ter­wegs. Je nach­dem, wel­che Er­fah­run­gen sie ge­macht ha­ben, tun sie sich schwer, Men­schen zu ver­trau­en.

Der Tier­schutz­bund ist oh­ne­hin kein Freund da­von, Hun­de aus Süd­oder Ost­eu­ro­pa nach Deutsch­land zu ho­len. Dies sei der fal­sche An­satz, sagt Pres­se­spre­cher Ma­ri­us Tün­te. Den Stra­ßen­hun­den wer­de da­mit nicht un­be­dingt ein Ge­fal­len ge­tan, denn oft hät­ten sie sich an die Be­din­gun­gen ge­wöhnt. Viel bes­ser sei Hil­fe vor Ort.

Ein gu­tes Zei­chen ist es, wenn der Hund beim Ken­nen­ler­nen neu­gie­rig und ver­trau­ens­voll auf den Men­schen zu­geht. Er soll­te sich pro­blem­los an­fas­sen las­sen. Je ängst­li­cher und scheu­er ein Hund ist, des­to grö­ßer sind nach­her die Pro­ble­me, wenn man das Tier ins Haus holt. Bei ei­nem Pro­be­spa­zier­gang lässt sich tes­ten, wie der Hund auf sei­ne Um­ge­bung re­agiert. Ist die Ent­schei­dung für den Hund ge­fal­len, soll­te ihm viel Zeit für die Ein­ge­wöh­nung ge­ge­ben wer­den. Er soll­te zu­nächst nur an der Lei­ne blei­ben, da­mit er nicht da­von­läuft und viel­leicht nie wie­der kommt. Emp­feh­lens­wert ist es bei pro­ble­ma­ti­schen Tie­ren, sich den Rat ei­nes Hun­de­trai­ners zu ho­len. Wie ein Über­ra­schungs­ei Es gibt auch Or­ga­ni­sa­tio­nen, die Tie­re wie in ei­nem Ka­ta­log ver­mit­teln. Die In­ter­es­sen­ten schau­en sich die Bil­der und die Be­schrei­bung an, da­nach ent­schei­den sie sich für ein Tier. Die­ses wird dann nach Deutsch­land ge­bracht. „Sol­che Hun­de sind Über­ra­schungs­ei­er, man kann kaum wis­sen, was ei­nen er­war­tet“, meint Ariane Ul­rich. Zu­min­dest für un­er­fah­re­ne Hun­de­hal­ter sei dies nicht der rich­ti­ge Weg.

FO­TO: CHRIS­TI­NA HAM­MANN

Chris­ti­na Ham­mann hat zwei Hun­de aus dem Aus­land bei sich auf­ge­nom­men: Gi­na (li.) und Han­nes.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.