Es­sig­gur­ken am Weih­nachts­baum

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN -

Beim Weih­nachts­baum­schmü­cken er­lau­be ich mir ei­nen Spaß: Ne­ben all den bun­ten Ku­geln und Lich­tern wer­den drei Es­sig­gur­ken aus Por­zel­lan da­zu ge­hängt. Seit knapp zehn Jah­ren ist das Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on. Im Bau­markt ent­deckt, für schreck­lich kit­schig aber ori­gi­nell be­fun­den (sie wa­ren oben­drein noch teu­er da hand­ge­fer­tigt) und ge­kauft – seit­dem be­rei­ten sie mir die­bi­sche Freu­de. Bis­lang sind sie noch kei­nem Gast auf­ge­fal­len, auch nicht beim Christ­baum­lo­ben. Das Gur­ken­grün ver­schmilzt ein­fach per­fekt mit der Far­be der Tan­nen­na­deln und ich er­freue mich an der blo­ßen Exis­tenz die­ser drei frag­wür­di­gen Zier­ob­jek­te. Sie wer­den ge­hü­tet wie an­dern­orts Hum­mel­fi­gu­ren. Für den Fall, dass je­mand fragt, wie­so an un­se­rem Baum ei­gent­lich zer­brech­li­che Es­sig­gur­ken hän­gen, ha­be ich mir schon al­ler­hand Er­klä­run­gen zu­recht ge­legt: Sie könn­ten bei­spiels­wei­se als re­li­gi­ons­kri­ti­sche Me­ta­pher für die Hei­li­ge Fa­mi­lie ste­hen. Oder als Stör­mo­ment in der hei­len Weih­nachts­welt fun­gie­ren. Oder: ein­fach nur ein Si­gnal stil­ler Re­bel­li­on sein – ge­gen was auch im­mer. Fest steht: Wenn je­mand fragt, be­kommt er ei­nen Schnaps – oder ei­nen Gin mit Gur­ke. An­na-Le­na Buch­mai­er

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