Die Ka­ra­wa­ne zieht nicht wei­ter

Seit ei­ni­gen Mo­na­ten ste­hen meh­re­re Wohn­wa­gen auf dem ehe­ma­li­gen Pen­ny-Ge­län­de

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Co­rin­na Wol­ber

KRAUCHENWIES - Was ei­gent­lich nur ein paar Wo­chen dau­ern soll­te, zieht sich nun schon mo­na­te­lang hin: Auf dem Ge­län­de des frü­he­ren Pen­ny-Mark­tes in Krauchenwies le­ben seit ei­ni­ger Zeit An­ge­hö­ri­ge des so­ge­nann­ten „fah­ren­den Vol­kes“in Wohn­wa­gen. Dar­über ist der Ei­gen­tü­mer des Grund­stücks, der an­onym blei­ben möch­te, nicht ge­ra­de glück­lich. Er be­rich­tet, dass er von an­de­ren Vor­zei­chen aus­ge­gan­gen ist, als er sein Ge­län­de ver­mie­tet hat. „Ei­gent­lich woll­ten die Leu­te nur ein paar Last­wa­gen ab­stel­len“, sagt er. „Aus den Last­wa­gen wur­den dann Wohn­wa­gen, und aus zwei Leu­ten wur­den sechs.“Weil dar­un­ter auch ein klei­nes Kind sei, tue er sich schwer da­mit, al­le Rechts­mit­tel aus­zu­nut­zen. „Ich ha­be ei­ne so­zia­le Ader, und sie kom­men ja auch nicht oh­ne Wei­te­res wo­an­ders un­ter“, sagt er. „Au­ßer­dem ma­chen sie ja nichts ka­putt.“ Es tru­deln Be­schwer­den ein Trotz­dem hat er sich mit dem un­ge­wöhn­li­chen Miet­ver­hält­nis auch Är­ger ein­ge­han­delt. Zwar geht die Mie­te re­gel­mä­ßig auf sei­nem Kon­to ein, weil sie vom Job­cen­ter be­zahlt wird. Al­ler­dings bleibt er auf den ent­ste­hen­den Strom­kos­ten sit­zen. Dar­über hin­aus stell­ten sei­ne Mie­ter auf ei­nem an­de­ren Grund­stück, das er in Krauchenwies be­sitzt, ei­nen Lk­wAuf­lie­ger ab. „Ich ha­be das der Po­li­zei ge­mel­det, die hat mich an die Ge­mein­de ver­wie­sen.“Letzt­lich kön­ne er den Auf­lie­ger nur auf ei­ge­ne Kos­ten ab­schlep­pen las­sen und ir­gend­wo de­po­nie­ren. „Aber auf de­nen blei­be ich dann ja auch wie­der sit­zen.“Der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer spielt ge­wis­ser­ma­ßen auf Zeit: „Im Früh­jahr zie­hen sie so­wie­so wei­ter“, sagt er. „Dann sind sie ja wie­der mit ih­ren Shows un­ter­wegs.“

Im Rat­haus ist auch nie­mand glück­lich über die Si­tua­ti­on; dort ge­hen im­mer mal wie­der Be­schwer­den von Bür­gern ein. Bür­ger­meis­ter Jo­chen Spieß be­rich­tet, dass es da­bei meis­tens um Lärm geht, „teil­wei­se auch um Ver­schmut­zun­gen“. Ei­ne Hand­ha­be hat er al­ler­dings nicht: „Das ist ja ein pri­va­tes Miet­ver­hält­nis.“Bei der Po­li­zei sind al­ler­dings kei­ne Ru­he­stö­run­gen oder der­glei­chen an­ge­zeigt wor­den: „Bei uns ist nichts auf­ge­schla­gen“, sagt Fritz Be­zik­o­fer, Spre­cher des Po­li­zei­prä­si­di­ums in Kon­stanz.

Jo­chen Spieß hat sich noch nicht per­sön­lich mit der Sa­che aus­ein­an­der­ge­setzt. „Ich kann mich nicht auch noch um Pri­vat­an­ge­le­gen­hei­ten küm­mern“, sagt er. „Wir ha­ben als Ge­mein­de ge­nug an­de­re Din­ge ab­zu­ar­bei­ten.“Er hofft aber, dass sich die Si­tua­ti­on bald in Wohl­ge­fal­len auf­löst, denn „wir sind nicht be­geis­tert. Viel­leicht muss man sich künf­tig vor­her über­le­gen, an wen man ver­mie­tet“. Das ist in­des auch dem Ver­mie­ter klar: „Ich ha­be mir das selbst ein­ge­brockt, nun tra­ge ich auch die Kon­se­quen­zen.“

Es ist nicht das ers­te Mal, dass sich „fah­ren­des Volk“län­ger als ge­plant in Krauchenwies nie­der­lässt. „Das gab es schon mal, aber auf ei­nem an­de­ren Grund­stück“, sagt Spieß. Auch dem Ge­mein­de­tag von Ba­den-Würt­tem­berg ist die Pro­ble­ma­tik be­kannt. „Uns wird das im­mer wie­der von den Kom­mu­nen ge­schil­dert“, sagt Pres­se­spre­che­rin Kris­ti­na Fa­bi­jan­cic-Mül­ler. „Es kommt vor, aber nicht über­mä­ßig häu­fig.“Die Ge­mein­den blie­ben nur dann auf den Kos­ten sit­zen, wenn sie ih­re ei­ge­nen Grund­stü­cke ver­mie­te­ten.

FO­TO: CO­RIN­NA WOL­BER

Seit ei­ni­gen Mo­na­ten le­ben An­ge­hö­ri­ge des „fah­ren­den Vol­kes“auf dem Ge­län­de des frü­he­ren Pen­ny-Mark­tes in Krauchenwies.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.