Sieg­fried Lan­ges Woh­nung gleicht ei­ner Aus­stel­lung

Der ge­bür­ti­ge Chem­nit­zer schnitzt fi­li­gra­ne Fi­gu­ren, Py­ra­mi­den und Schwipp­bö­gen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Ar­no Möhl

KRAUCHENWIES - Seit Jah­ren leuch­tet in der Ad­vents­zeit von ei­nem Bal­kon an der Hau­se­ner Stra­ße ein rie­si­ger, wei­ßer Schwipp­bo­gen. Mit sei­nen fi­li­gra­nen Schnit­ze­rei­en und Ker­zen ist er ein ech­ter Hin­gu­cker. Im Ober­ge­schoss des Hau­ses mit der Num­mer 16 wohnt seit 2010 das Ehe­paar Lan­ge. Be­tritt man das Wohn­zim­mer der Woh­nung, ist man nach ein paar Schrit­ten um­ge­ben von Hun­der­ten ge­schnitz­ter Fi­gu­ren, die ein­zeln oder in Grup­pen, in Na­tur­holz oder be­malt, sich in Ka­rus­sel­len un­ter der Wär­me von Ker­zen dre­hen. Fast ist es, als be­fin­de man sich in ei­ner Aus­stel­lung oder in ei­nem Mu­se­um.

Der 72-jäh­ri­ge Sieg­fried Lan­ge und sei­ne Frau stam­men aus Chem­nitz, das nur et­wa 15 Ki­lo­me­ter vom Erz­ge­bir­ge, der Wie­ge der Holz­spiel­zeug­ma­cher, ent­fernt ist. „Vom hand­werk­lich be­gab­ten Va­ter ha­be ich mir als Jun­ge schon viel ab­ge­guckt und be­reits da­mals Häu­ser für Mo­dell­ei­sen­bah­nen ge­baut“, sagt Lan­ge. „Bei häu­fi­gen Be­su­chen im Erz­ge­bir­ge ha­be ich dann Blut ge­leckt.“Er ha­be noch zu DDR-Zei­ten mit ei­ner selbst­ge­bau­ten Drech­sel­bank be­gon­nen, be­rich­tet er. „Mein Wunsch, das Holz­schnit­zer­hand­werk als Hob­by aus­zu­füh­ren, war da­mals gar nicht so ein­fach zu rea­li­sie­ren“. Das lag dar­an, dass es die not­wen­di­gen Schnitz­mes­ser und Werk­zeug nur in Schnitz­grup­pen gab. „Der Staat woll­te das so“, sagt Lan­ge. „Ich ha­be da­mals bei Schnitz­aus­stel­lun­gen im­mer nei­disch auf die Spe­zi­al­werk­zeu­ge ge­schaut.“

Ihm blieb nichts an­de­res üb­rig, als sich ei­ner Grup­pe mit dem schö­nen Na­men „Son­ni­ge Hö­he“an­zu­schlie­ßen. Jetzt konn­te er end­lich los­le­gen. „Der An­fang war sehr schwer. Die Pro­por­tio­nen von Tie­ren rich­tig hin­zu­be­kom­men, dau­er­te sei­ne Zeit. Aber wir ha­ben uns ge­gen­sei­tig ge­hol­fen.“

Be­vor er an drei­di­men­sio­na­le Fi­gu­ren ge­hen konn­te, schnitz­te er un­zäh­li­ge Bäu­me. Schließ­lich war auch er so­weit, Räu­cher­männ­chen, Py­ra­mi­den je­der Grö­ße, Span­bäu­me, Nuss­kna­cker und die be­rühm­ten Schwipp­bö­gen zu bau­en. Die­se seg­men­t­ar­ti­gen Fi­gu­ren stel­len das Mund­loch dar – den Ein­gang zum Berg­werk. „Jah­res­end­licht­bo­gen“hie­ßen die Tei­le zu DDR-Zei­ten. Weih­nachts­krip­pen stan­den in der DDR nicht so hoch im Kurs.

Et­was an­ders sucht man in den Schnit­ze­rei­en des Erz­ge­bir­ges und bei Sieg­fried Lan­ge hin­ge­gen ver­geb­lich: vor­ge­fräs­te Fi­gu­ren. „Das In­ter­net ist vol­ler Roh­lin­ge, aber das leh­ne ich ab.“Als Lan­ges 2010 nach Krauchenwies zo­gen, war sei­ne gan­ze Werk­statt im Um­zugs­gut. Hier trat er den „Freun­den der Schnitz­kunst“bei.

FO­TO: AR­NO MÖHL

Sieg­fried Lan­ge hat ei­ne Lei­den­schaft: das Schnit­zen. Sei­ne Woh­nung ist voll mit Nuss­kna­ckern, Py­ra­mi­den, Bö­gen und wei­te­ren fi­li­gra­nen Kunst­wer­ken aus Holz.

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