Bau­herr ver­steht die Welt nicht mehr

Be­hör­de stuft Feld­hau­ser Wie­se an­ders ein als die Stadt – Be­bau­en wird doch mög­lich ge­macht

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ALB/LAUCHERT - Von Ignaz Stös­ser

FELDHAUSEN - Da ge­hört ei­nem ei­ne grö­ße­re Wie­se, in­ner­halb ei­ner Sied­lung, um­ge­ben von an­de­ren Wohn­häu­sern, und plötz­lich heißt es, die­se Wie­se ist Au­ßen­be­reich und darf nicht so oh­ne Wei­te­res be­baut wer­den. So er­geht es der­zeit ei­nem Grund­stücks­ei­gen­tü­mer in Feldhausen. Der Mann ver­steht die Welt nicht mehr. Nun ha­ben Stadt und Land­rats­amt ei­ne Lö­sung ge­fun­den, aber das Häu­schen, das die Fa­mi­lie bau­en will, wird teu­rer als ge­dacht. Sie muss ei­nen na­tur­schutz­recht­li­chen Aus­gleich schaf­fen.

Der Ver­wal­tungs­aus­schuss der Stadt Gam­mer­tin­gen hat dem Bau­ge­such zu­nächst sei­nen Se­gen er­teilt. Die Fa­mi­lie will in der nord­öst­li­chen Ecke des Grund­stücks am Mai­en­gäs­s­le ein Ein­fa­mi­li­en­haus er­stel­len. Die Teil­flä­che hat ei­ne Grö­ße von 963 Qua­drat­me­ter. Auf der ge­gen­über lie­gen­den Sei­te der Stra­ße hat die Stadt in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten auf ei­ner ähn­lich gro­ßen Flä­che sechs Bau­grund­stü­cke aus­ge­wie­sen. Dar­um war die Stadt froh, dass nun auch auf der zwei­ten Flä­che ein ers­tes Haus ge­baut wer­den soll. „Wir freu­en uns, wenn jun­ge Fa­mi­li­en sich ent­schlie­ßen, in un­se­rer Stadt zu bau­en. Das ist ei­ne gu­te Ent­wick­lung“, sagt der Feld­hau­ser Ge­mein­de­rat Ger­hard Jau­das.

Doch dann kam das Land­rats­amt und sag­te: „Das po­ten­zi­el­le Bau­grund­stück und die rest­li­che Wie­se von et­wa 5000 Qua­drat­me­ter ge­hö­ren pla­nungs­recht­lich zum Au­ßen­be­reich im In­nen­be­reich.“Und da­mit wür­den an­de­re Re­geln gel­ten, vor al­lem kön­ne es kei­ne Bau­ge­neh­mi­gung ge­ben. Ein­schät­zung des Land­rats­amts Auf An­fra­ge der SZ er­läu­tert Pres­se­spre­che­rin Sa­bi­ne Stark die Ein­schät­zung des Land­rats­am­tes: „In den so­ge­nann­ten Au­ßen­be­reich fal­len al­le Grund­stü­cke, die nicht im Gel­tungs­be­reich ei­nes Be­bau­ungs­plans lie­gen und auch nicht zu ei­nem im Zu­sam­men­hang be­bau­ten Orts­teil ge­hö­ren. Auch grö­ße­re Frei­flä­chen, die von Be­bau­ung um­ge­ben sind, kön­nen als so­ge­nann­ter Au­ßen­be­reich im In­nen­be­reich den Be­bau­ungs­zu­sam­men­hang stö­ren. Sol­che Frei­flä­chen sind nicht als be­bau­ba­re Bau­lü­cken, son­dern als Au­ßen­be­reich zu se­hen.“Das Land­rats­amt weist dar­auf hin, dass ein Be­bau­ungs­plan sol­che Si­tua­tio­nen bes­ser klä­ren könn­te. Doch für die­sen Be­reich hat die Stadt noch kei­nen er­stellt.

Um dem Feld­hau­ser Bau­her­ren die Mög­lich­keit zu ge­ben, trotz­dem mög­lichst schnell mit dem Bau­en be­gin­nen zu kön­nen, hat die Stadt das Über­lin­ger Bü­ro 360 Grad ein­ge­schal­tet, um ei­ne Er­gän­zungs­sat­zung zu er­stel­len. „Da­mit könn­te die auch kom­mu­nal­po­li­tisch ge­wünsch­te Nach­ver­dich­tung der Be­bau­ung im be­schleu­nig­ten Ver­fah­ren um­ge­setzt wer­den“, so die Ver­wal­tung. Sprin­gen­der Punkt: Da­mit der Au­ßen­be­reich auch of­fi­zi­ell zum In­nen­be­reich wer­den kann, muss der Bau­herr ei­nen na­tur­schutz­recht­li­chen Aus­gleich schaf­fen, so das Land­rats­amt. Da­für muss er ei­ne ge­nü­gend gro­ße Flä­che be­reit­stel­len und sie ent­spre­chend be­pflan­zen. Der Ei­gen­tü­mer ist be­reit, in den sau­ren Ap­fel zu bei­ßen, und hofft, dass man da­mit im Früh­jahr mit dem Bau des Häus­les be­gin­nen kann. Die Be­hör­de kommt ihm in­so­weit ent­ge­gen, dass er nur für die jetzt be­bau­te Flä­che ei­nen Aus­gleich schaf­fen muss. Für die rest­li­che Flä­che wird der Aus­gleich erst fäl­lig, wenn sie eben­falls be­baut wer­den soll­te. Vor­erst gibt es je­doch kei­ne Plä­ne da­für.

FO­TO: STADT­VER­WAL­TUNG

Auf der Frei­flä­che in der Bild­mit­te will ei­ne jun­ge Fa­mi­lie ein Ein­fa­mi­li­en­haus bau­en. Es soll in der Ecke oben/ rechts ent­ste­hen. Auf dem Bild oben rechts ist das Neu­bau­ge­biet ein­ge­zeich­net, das die Stadt in die­sem Jahr aus­ge­wie­sen hat.

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