Ein Haus­tier ist kein Weih­nachts­ge­schenk

Tier­schutz­ver­ein Bad Saul­gau ver­mit­telt Hund und Kat­ze erst wie­der im neu­en Jahr

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Dirk Thann­hei­mer

BAD SAUL­GAU - Tie­ri­sche Freu­de zur Be­sche­rung? Lie­ber nicht. Der Tier­schutz­ver­ein Bad Saul­gau ver­mit­telt wäh­rend der Weih­nachts­zeit kei­ne Haus­tie­re als Ge­schenk. „Das ist eher un­ge­eig­net“, sagt Mar­tin Gril­len­ber­ger, Vor­sit­zen­der des Tier­schutz­ver­eins Bad Saul­gau. Das gilt so­wohl für Ti­er­nest­le in Bad Saul­gau als auch für das Tier­heim in Sig­ma­rin­gen.

Ein Hund, ei­ne Kat­ze, ein Hams­ter – Haus­tie­re sind für vie­le Kin­der ein Her­zens­wunsch. Weih­nach­ten ist für vie­le El­tern der rich­ti­ge An­lass, die­sen Wunsch zu er­fül­len. Doch Weih­nach­ten ist ein schlech­ter Zeit­punkt, das Haus­tier will­kom­men zu hei­ßen. Ein Um­ge­bungs­wech­sel be­deu­te im­mer Stress für ein Tier, sagt Mar­tin Gril­len­ber­ger, der bei Ti­er­nest­le in Bad Saul­gau seit zehn Jah­ren dar­auf ver­zich­tet, Haus­tie­re zu ver­mit­teln – mit Be­ginn des Weih­nachts­dor­fes bis nach Drei­kö­nig, in Sig­ma­rin­gen vom 23. De­zem­ber bis 2. Ja­nu­ar. „Bei ei­ner Ver­mitt­lung zur Weih­nachts- und Sil­ves­ter­zeit lässt es sich kaum ver­mei­den, dass das Tier zu­sätz­li­chen Stress­fak­to­ren wie dem Be­such der Fa­mi­lie oder den Feu­er­werks­kör­pern zum Jah­res­wech­sel aus­ge­setzt wird“, er­gänzt Gril­len­ber­ger. Die Ge­fahr sei zu groß, dass das Tier er­kran­ke oder in Pa­nik weg­lau­fe. Che­mie stimmt nicht Mar­tin Gril­len­ber­ger, seit 2006 Vor­sit­zen­der des Tier­schutz­ver­eins Bad Saul­gau, nennt Zah­len, die ein­deu­tig be­le­gen, wel­che Fol­gen es ha­ben kann, wenn es kei­ne mehr­wö­chi­ge Un­ter­bre­chung der Ver­mitt­lung gibt. 300 000 Tie­re wer­den jähr­lich in Deutsch­lands Tier­hei­men auf­ge­nom­men. Zehn Pro­zent wer­den zu Be­ginn des neu­en Jah­res ab­ge­ge­ben. „Da­von wa­ren die meis­ten Haus­tie­re als Weih­nachts­ge­schenk ge­dacht“, so Gril­len­ber­ger. Aber weil es zwi­schen Mensch und Tier nicht pas­se, wür­den sich die We­ge wie­der schnell tren­nen. Ge­gen­sei­ti­ge Sym­pa­thie Erst kürz­lich woll­te ei­ne Frau mitt­le­ren Al­ters ih­rem Bru­der als Weih­nachts­ge­schenk ei­nen Hund kau­fen. Mar­tin Gril­len­ber­ger konn­te der Frau die­sen Wunsch je­doch nicht er­fül­len, auch wenn es das Ziel der Tier­hei­me ist, mög­lichst vie­le Haus­tie­re an neue Be­sit­zer zu ver­mit­teln. Für Gril­len­ber­ger war nicht nur der Zeit­punkt der Ver­mitt­lung un­güns­tig – er hat ge­ne­rell ein Pro­blem da­mit, wenn der Mensch, der das Tier be­kom­men soll, bei der Ver­mitt­lung nicht mit da­bei ist. „Um ei­nen neu­en und ge­eig­ne­ten Men­schen für ein Haus­tier zu fin­den, ist es zwin­gend er­for­der­lich, dass ei­ne ge­gen­sei­ti­ge Sym­pa­thie zwi­schen Tier und Mensch be­steht.“Da­für sei ein per­sön­li­ches Ken­nen­ler­nen bei Ti­er­nest­le oder im Tier­heim Sig­ma­rin­gen un­er­läss­lich, er­gänzt Gril­len­ber­ger. Es sei im­mer von Vor­teil, wenn der neue Be­sit­zer vor Ort sei.

Der per­sön­li­che Be­such sei auch die pas­sen­de Ge­le­gen­heit zur Be­ra­tung. Oft sei­en es Kin­der, die un­be­dingt ein Haus­tier ha­ben wol­len, aber gar nicht wis­sen, wel­che Auf­ga­ben da­mit ver­bun­den sei­en. Denn Haus­tie­re kos­ten Geld, Zeit, Raum und Mü­he. Pfle­ge und Be­treu­ung brau­chen sie al­le – egal ob Hund, Ka­nin­chen oder Gold­fisch. „Fa­mi­li­en soll­ten die Fei­er­ta­ge nut­zen, um die An­schaf­fung ei­nes Haus­tiers gründ­lich zu über­den­ken und dar­über zu spre­chen“, so Gril­len­ber­ger. Bis auf we­ni­ge Aus­nah­men wür­den die Leu­te Ver­ständ­nis da­für zei­gen, dass wäh­rend der Weih­nachts­zeit kei­ne Haus­tie­re ver­mit­telt wer­den. Aber klar freut sich der Tier­schutz­ver­ein Bad Saul­gau wie­der dar­auf, wenn ganz oh­ne Stress die Tie­re wie­der ver­mit­telt wer­den.

FO­TO: OLE SPATA/DPA

Ei­ne Kat­ze als Weih­nachts­ge­schenk ge­hört nicht un­ter den Christ­baum. Der Tier­schutz­ver­ein Bad Saul­gau ver­mit­telt wäh­rend der Weih­nachts­zeit kei­ne Haus­tie­re.

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