Kreis klagt nicht ge­gen das Land

Land fi­nan­ziert dem Kreis Sig­ma­rin­gen ei­ne Stel­le – Kreis­rä­te sind sich zu­nächst un­eins

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von An­na-Le­na Buch­mai­er

SIG­MA­RIN­GEN - Ei­ne mög­li­che Kla­ge des Krei­ses ge­gen das Land we­gen der Fi­nan­zie­rung ei­ner Na­tu­ra-2000Stel­le konn­te ab­ge­wen­det wer­den: Die Kreis­rä­te hat­ten im Früh­jahr die Schaf­fung ei­ner sol­chen Stel­le in der Na­tur­schutz­be­hör­de be­schlos­sen, aber mo­niert, dass die Fi­nan­zie­rung der Stel­le dem Kreis ob­lie­ge, ob­wohl sie auch Auf­ga­ben des Lan­des vor­se­he. Mit der Schaf­fung ei­nes Land­schafts­er­hal­tungs­ver­ban­des hät­te der Kreis drei sol­cher Stel­len vom Land be­zahlt be­kom­men.

Die Kreis­rä­te hat­ten dies je­doch zu­vor ab­ge­lehnt. In der Sit­zung im Früh­jahr be­auf­trag­ten die Rä­te des­halb die Ver­wal­tung, dar­auf zu be­ste­hen, dass das Land für die Fi­nan­zie­rung der Stel­le, die staat­li­che Auf­ga­ben be­inhal­tet, auf­kom­men soll. Soll­te dies nicht ge­sche­hen, woll­te man sich mit dem Zol­ler­nalb­kreis zu­sam­men tun und ei­ne Kla­ge ge­gen das Land ein­rei­chen. Bei­de Land­krei­se se­hen nun von ei­ner Kla­ge ab: Man konn­te sich au­ßer­ge­richt­lich ei­ni­gen. In ei­nem Ge­spräch mit Mi­nis­te­ri­al­di­rek­tor Helm­fried Mei­nel vom Um­welt­mi­nis­te­ri­um im Ju­li konn­te Land­rä­tin Ste­fa­nie Bürk­le ei­nen Kom­pro­miss aus­han­deln: Für den Land­kreis Sig­ma­rin­gen gibt es ei­ne zu­sätz­li­che, un­be­fris­te­te Na­tu­ra-2000-Stel­le, die das Land kom­plett fi­nan­zie­ren wird. Die zu­erst an­de­re Na­tu­ra-Stel­le wird bei­be­hal­ten und vom Kreis fi­nan­ziert.

2019 soll der Kreis er­neut und er­geb­nis­of­fen über den Bei­tritt ei­nes Land­schaf­ter­hal­tungs­ver­bands (LEV) ab­stim­men. Ei­ne Zu­sa­ge der Kos­ten­er­stat­tung sei aus­drück­lich nicht an die Be­din­gung ei­ner Schaf­fung ei­nes LEV ge­kop­pelt, wie Land­rä­tin Ste­fa­nie Bürk­le be­ton­te. Grü­nen-Kreis­rat Jo­han­nes Kret­sch­mann wür­dig­te zu­vor in sei­ner Haus­halts­re­de den Er­folg der Land­rä­tin in die­ser An­ge­le­gen­heit.

Die Ab­stim­mung der Kreis­rä­te fiel zwar mit ei­ner Ge­gen­stim­me und ei­ner Ent­hal­tung re­la­tiv ein­deu­tig aus, zu­nächst sah es aber so aus, als ob die Kreis­rä­te den Kom­pro­miss mit dem Land nicht ein­ge­hen woll­ten. Ei­ni­ge Kreis­rä­te der CDU-Frak­ti­on sa­hen im „Ge­schenk“des Lan­des ei­ne in­di­rek­te Ver­pflich­tung für den Kreis, ei­nen LEV grün­den zu müs­sen, ei­ne Ver­schwen­dung von Steu­er­gel­dern oder gar ei­ne Be­dro­hung für die Land­wirt­schaft. Land­wir­te er­hal­ten für die Schaf­fung von Aus­gleichs­flä­chen für den Na­tur­schutz För­der­gel­der. Für de­ren Ak­qui­rie­rung ist die Stel­le mit­un­ter ge­dacht. Die ge­nann­ten An­sich­ten stie­ßen bei an­de­ren Kreis­rä­ten auf Un­ver­ständ­nis: „Ich ver­ste­he die Si­tua­ti­on nicht: Es wer­den not­wen­di­ge Aus­ga­ben be­zahlt und jetzt wird dis­ku­tiert, ob wir das an­neh­men?“, frag­te Grü­nen-Kreis­rä­tin Su­san­ne Scham das Gre­mi­um. Auch Eri­ka Rim­me­le-Laux (Grü­ne) war von der Not­wen­dig­keit der Stel­le über­zeugt: „In der Land­wirt­schaft wird im­mer in­ten­si­ver ge­wirt­schaf­tet, das hat Aus­wir­kun­gen aufs Was­ser und die Le­bens­grund­la­ge. Aus­gleichs­flä­chen sind nö­tig.“Kreis­rä­tin Do­ris Schrö­ter (Freie Wäh­ler) pflich­te­te bei: „Wir ha­ben doch er­reicht, was wir woll­ten.“

Zu den Be­den­ken, das Land könn­te die Stel­le bald be­fris­ten, sag­te Bürk­le: „Es gibt hier kei­ner­lei An­zei­chen, dass es sich nur um ei­ne An­schuck-Fi­nan­zie­rung han­delt.“Der Zol­ler­nalb­kreis ha­be be­reits nach­wei­sen kön­nen, dass auf­grund der Na­tu­ra-2000-Stel­le zu­sätz­li­che För­der­mit­tel in den Kreis ge­flos­sen sind. „Die Hoff­nung be­steht hier auch“, so Bürk­le. Na­tu­ra 2000 ist ein zu­sam­men­hän­gen­des Netz von Schutz­ge­bie­ten in­ner­halb der EU, das seit 1992 nach den Maß­ga­ben der Fau­na-Flo­ra-Ha­bi­tat-Richt­li­nie (FFH) er­rich­tet wird. Sein Zweck ist der län­der­über­grei­fen­de Schutz ge­fähr­de­ter wild­le­ben­der hei­mi­scher Pflan­zen- und Tier­ar­ten und ih­rer na­tür­li­chen Le­bens­räu­me. Im Kreis Sig­ma­rin­gen gibt es zwölf FFH-Ge­bie­te, die zwi­schen 29 und 2566 Hekt­ar groß sind.

FO­TO: DA­VID EBENER/DPA

Der Kreis­tag hat der Schaf­fung ei­ner zwei­ten Na­tu­ra-2000-Stel­le, die vom Land fi­nan­ziert wird, zu­ge­stimmt.

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