Char­ter­flug Rich­tung Af­gha­nis­tan

Ab­schie­bun­gen ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber ge­star­tet – Im Ja­nu­ar sol­len wei­te­re fol­gen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Andre­as Her­holz

FRANK­FURT/BER­LIN - Die Sam­mel­ab­schie­bun­gen von ab­ge­lehn­ten Asyl­be­wer­bern aus Af­gha­nis­tan ha­ben am Mitt­woch be­gon­nen. Am Abend sei die ers­te Char­ter­ma­schi­ne mit 34 Be­trof­fe­nen von Frank­furt aus nach Ka­bul ge­star­tet, hieß es am Abend aus dem bay­ri­schen In­nen­mi­nis­te­ri­um. An­fang Ja­nu­ar soll er­neut ei­ne Ma­schi­ne in Rich­tung Hin­du­kusch star­ten.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat­te un­mit­tel­bar vor dem Ab­flug die ge­plan­te Ab­schie­bung ei­nes der be­trof­fe­nen Af­gha­nen aus­ge­setzt. Die Karls­ru­her Rich­ter hat­ten dem An­trag auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen An­ord­nung ei­nes 29-Jäh­ri­gen statt­ge­ge­ben, die Ab­schie­bung zu un­ter­sa­gen und dies mit „be­son­de­ren Um­stän­den des Ein­zel­falls“be­grün­det. Die Fra­ge, ob an­ge­sichts der ak­tu­el­len Si­cher­heits­la­ge in Af­gha­nis­tan Ab­schie­bun­gen der­zeit über­haupt ver­fas­sungs­recht­lich ver­tret­bar sei­en, ha­be das Ge­richt aus­drück­lich of­fen­ge­las­sen, hieß es. Rück­füh­rungs­ab­kom­men läuft Ber­lin hat­te mit der af­gha­ni­schen Re­gie­rung über ein Rück­füh­rungs­ab­kom­men ver­han­delt. Schließ­lich hat­te sich die Füh­rung in Ka­bul be­reit er­klärt, ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber wie­der in ih­rer Hei­mat in si­che­ren Pro­vin­zen auf­zu­neh­men. Flücht­lin­ge, die frei­wil­lig zu­rück­keh­ren, er­hal­ten ei­ne fi­nan­zi­el­le Prä­mie. Deutsch­land be­tei­ligt sich zu­dem an den im Ok­to­ber auf der in­ter­na­tio­na­len Ge­ber­kon­fe­renz ver­ein­bar­ten Hil­fen für Af­gha­nis­tan in Hö­he von 13,6 Mil­li­ar­den Eu­ro mit 1,7 Mil­li­ar­den Eu­ro für die nächs­ten vier Jah­re. Ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen den Fi­nanz­lei­tun­gen und den Rück­füh­rungs­ab­kom­men wies die EU zu­rück.

In der Ver­gan­gen­heit wa­ren Flücht­lin­ge vom Hin­du­kusch nach Ab­leh­nung ih­res Asyl­ge­su­ches in der Re­gel ge­dul­det wor­den, weil die Si­cher­heits­la­ge in­sta­bil war und es in vie­len Re­gio­nen bis heu­te ist. Flücht­lings­or­ga­ni­sa­tio­nen und die Op­po­si­ti­on im Bun­des­tag üben da­her auch Kri­tik und pro­tes­tie­ren ge­gen die Ab­schie­bungs­plä­ne, ver­wei­sen auf die Ge­fah­ren et­wa durch An­schlä­ge. Die Bun­des­re­gie­rung da­ge­gen stuft Tei­le des Lan­des, vor al­lem die Groß­städ­te, als si­cher ein und hält Ab­schie­bun­gen da­her für ver­tret­bar, un­ter­stützt zu­dem Wie­der­ein­glie­de­rung und Aus­bil­dungs­pro­jek­te.

Laut In­nen­mi­nis­te­ri­um sind 12 000 der rund 48 000 af­gha­ni­schen Flücht­lin­ge in Deutsch­land zur Aus­rei­se auf­ge­for­dert wor­den. Im ers­ten Halb­jahr wur­den 18 ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber aus Af­gha­nis­tan wie­der in ih­re Hei­mat ab­ge­scho­ben. Das Si­gnal aus Ber­lin ist klar: Der Druck auf ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber soll er­höht wer­den.

Die Bun­des­län­der or­ga­ni­sie­ren die Rück­füh­rung, er­klärt CDU-In­nen­ex­per­te Wolf­gang Bos­bach. Auch der Ent­zug der Auf­ent­halts­er­laub­nis sei Kom­pe­tenz der Län­der und kom­mu­na­len Aus­län­der­be­hör­den. Bos­bach for­dert Kon­se­quen­zen für die Bun­des­län­der, die bei Ab­schie­bun­gen nicht mit­zie­hen. „Wenn es in ei­ni­gen Län­dern an dem po­li­ti­schen Wil­len fehlt, die Aus­rei­se­pflicht durch­zu­set­zen, kann der Bund kei­ne Er­satz­vor­nah­me star­ten. Er soll­te al­ler­dings kon­se­quent durch­set­zen, dass in die­sen Fäl­len al­le Kos­ten fort­an von den Län­dern zu tra­gen sind“, er­klär­te Bos­bach.

FO­TO: DPA

34 Men­schen sind in die­ser Ma­schi­ne in ih­re Hei­mat Af­gha­nis­tan ab­ge­scho­ben wor­den.

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