SPD will mehr Ärz­te aus­bil­den las­sen

Ge­sund­heits­fach­mann Karl Lau­ter­bach kri­ti­siert ge­plan­te Lan­d­arzt­quo­te – Den Pri­vat­kas­sen lau­fen Mit­glie­der da­von

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Sa­bi­ne Lenn­artz

BER­LIN - Der SPD-Ge­sund­heits­ex­per­te Karl Lau­ter­bach emp­fiehlt der Bun­des­re­gie­rung, die Zahl der Stu­di­en­plät­ze für Me­di­zin­stu­den­ten zu er­hö­hen, um mehr Land­ärz­te zu ge­win­nen. Von dem Plan, zehn Pro­zent der Plät­ze an Unis für an­ge­hen­de Land­ärz­te zu re­ser­vie­ren, wie es der Mas­ter­plan Me­di­zin­stu­di­um der Bun­des­re­gie­rung vor­sieht, hält er in­des nichts – sonst wür­den wei­ter­hin zu vie­le im Aus­land stu­die­ren.

Lang­fris­tig ge­be es ei­nen er­heb­li­chen Mehr­be­darf an Ärz­ten, der sonst nicht ab­zu­de­cken sei. „Das Auss­ter­ben vie­ler Dör­fer ba­siert dar­auf, dass Leu­te weg­ge­hen, wenn sie kei­nen Arzt mehr ha­ben“, warnt Lau­ter­bach. Die SPD sperrt sich ge­gen das von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) an­ge­streb­te Ver­bot des Ver­sand­han­dels von Me­di­ka­men­ten. „Ein Kom­plett­ver­bot passt nicht in die Zeit“, so Lau­ter­bach, zu­mal es auch Re­gio­nen ge­ben wer­de, in de­nen sich kei­ne Apo­the­ke mehr loh­ne, weil es kei­nen Arzt mehr ge­be. Lau­ter­bach kri­ti­siert, dass die Be­ra­tung der Apo­the­ker nicht aus­rei­chend ho­no­riert wer­de. Dass Apo­the­ker sich da­für ei­nen ei­ge­nen Raum ein­rich­ten, pas­sie­re viel zu sel­ten, weil es nicht ver­gü­tet wer­de. „Dass wir die gu­te Qua­li­fi­ka­ti­on der Apo­the­ker nicht nut­zen, ist ei­ne der am meis­ten ver­schwen­de­ten Res­sour­cen im Ge­sund­heits­we­sen.“Als Bei­spiel nennt Lau­ter­bach Stu­di­en, die zei­gen, dass Pa­ti­en­ten, die re­gel­mä­ßig Me­di­ka­men­te zur Re­gu­lie­rung der Ma­gen­säu­re (Pro­to­nen­pum­pen­hem­mer) neh­men, ihr De­menz­ri­si­ko er­hö­hen. „Vie­le Pa­ti­en­ten wis­sen das nicht, die Be­ra­tung durch den Apo­the­ker wä­re gut.“

Auf ei­ne An­fra­ge der Lin­ken hin er­klär­te das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um jüngst, dass seit 2012 den Pri­vat­kas­sen un­ter dem Strich 190 000 Mit­glie­der ab­han­den ge­kom­men sei­en. Für die Lin­ken und Karl Lau­ter­bach ist das der Be­weis für die Not­wen­dig­keit ei­ner Bür­ger­ver­si­che­rung. Die Pri­vat­kas­se wer­de zu­neh­mend ein Ri­si­ko im Alter, bis zu 1200 Eu­ro im Mo­nat sei­en kei­ne Sel­ten­heit, so Lau­ter­bach. Die Pri­vat­ver­si­che­rung wer­de ir­gend­wann nur noch für Be­am­te zahl­bar sein, denn bei den Pri­va­ten Kas­sen herr­sche ein „dop­pel­tes De­mo­gra­fie­pro­blem“. Die Le­bens­er­war­tung von Pri­vat­pa­ti­en­ten lie­ge im Schnitt zehn Jah­re über dem der ge­setz­lich Ver­si­cher­ten, gleich­zei­tig kom­me we­ni­ger Nach­wuchs in die Pri­vat­kas­sen. Mit der Bür­ger­ver­si­che­rung wür­de man Mög­lich­kei­ten zum Wech­sel ge­ben, um nicht „Lang­frist­ge­fan­ge­ne“der pri­va­ten Kas­sen zu ha­ben. Heu­te sei es ja ein­fa­cher, ei­ne Ehe zu schei­den, als aus der PKV zu kom­men, und manch­mal auch bil­li­ger.

FO­TO: DPA

Karl Lau­ter­bach (SPD).

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