Bit­te­re Er­kennt­nis­se

Grü­ne le­gen Be­richt zu Pä­do­phi­len-Vor­fäl­len vor

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN (AFP) - Gut drei Jah­re nach Be­kannt­wer­den frü­he­rer Pä­do­phi­len-Ak­ti­vi­tä­ten bei den Grü­nen hat die Par­tei ih­ren Ab­schluss­be­richt vor­ge­legt. „Zu den bit­ters­ten Er­kennt­nis­sen ge­hört, dass es un­ter den pä­do­phi­len Ak­ti­vis­ten auch Tä­ter mit grü­nem Par­tei­buch gab“, heißt es in dem über 300 Sei­ten um­fas­sen­den Text, den die Par­tei am Mitt­woch ver­öf­fent­lich­te.

Die Par­tei wer­de sich der Fra­ge, „in­wie­weit in­di­vi­du­el­le Ta­ten durch in­sti­tu­tio­nel­les Ver­sa­gen der grü­nen Par­tei er­mög­licht wur­den, wei­ter in je­dem Ein­zel­fall stel­len“. An die nach Be­kannt­wer­den der Vor­wür­fe ein­ge­setz­te Ar­beits­grup­pe hät­ten sich 30 Men­schen ge­wandt, dar­un­ter zwölf Be­trof­fe­ne se­xu­el­len Kin­des­miss­brauchs. Sechs die­ser Fäl­le be­tra­fen den An­ga­ben zu­fol­ge Über­grif­fe in der ei­ge­nen Fa­mi­lie oder in Ein­rich­tun­gen, bei de­nen kein di­rek­ter Zu­sam­men­hang zu den Grü­nen er­sicht­lich ge­we­sen sei.

In drei Fäl­len, in de­nen ei­ne „in­sti­tu­tio­nel­le Mit­ver­ant­wor­tung“der Grü­nen nicht aus­zu­schlie­ßen sei, sei den Be­trof­fe­nen auf Emp­feh­lung des An­hö­rungs­bei­rats ei­ne Zah­lung in An­er­ken­nung des von ih­nen er­lit­te­nen Lei­des ge­währt wor­den. Es han­del­te sich dem­nach um Fäl­le lang­jäh­ri­gen se­xu­el­len Miss­brauchs An­fang der 1980er-Jah­re in der christ­li­chen Emm­aus-Ge­mein­schaft auf dem Dachs­berg in Kamp-Lint­fort.

In zwei Fäl­len konn­te es den An­ga­ben zu­fol­ge bis­her nicht zu ei­ner Prü­fung des Sach­ver­halts kom­men. Ein wei­te­rer Fall be­fin­de sich der­zeit im Ver­fah­ren beim An­hö­rungs­bei­rat, an den sich Be­trof­fe­ne wei­ter wen­den könn­ten.

„Die in den An­fangs­jah­ren der grü­nen Par­tei ge­führ­te De­bat­te über die Straf­frei­heit pä­do­se­xu­el­ler Hand­lun­gen bleibt ein be­drü­cken­des Ka­pi­tel un­se­rer Par­tei­ge­schich­te“, er­klär­te Grü­nen-Che­fin Si­mo­ne Pe­ter. Nach­dem sich die Grü­nen En­de der 1980er-Jah­re von den For­de­run­gen der Pä­do­phi­len dis­tan­ziert hät­ten, „ha­ben wir als Par­tei die­sen Ab­schnitt als po­li­tisch ab­ge­schlos­sen be­trach­tet und viel zu spät mit der Au­f­ar­bei­tung be­gon­nen“.

Im Vor­feld der Bun­des­tags­wahl 2013 war be­kannt ge­wor­den, dass sich frü­her Ak­ti­vis­ten der Pä­do­phi­len bei den Grü­nen or­ga­ni­siert hat­ten und de­ren For­de­run­gen von Par­tei­glie­de­run­gen in Ein­zel­fäl­len über­nom­men wor­den wa­ren.

FO­TO: DPA

Bun­des­vor­sit­zen­de Si­mo­ne Pe­ter: „ein be­drü­cken­des Ka­pi­tel der Par­tei­ge­schich­te.“

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