Ein fa­ta­les Si­gnal

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Wolf­gang Mul­ke

Der Woh­nungs­markt ist in vie­len Städ­ten der­art an­ge­spannt, dass es kein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zwi­schen An­ge­bot und Nach­fra­ge ge­ben kann. Die Angst der Mie­ter vor ei­ner Über­for­de­rung hat al­so ei­nen rea­len Hin­ter­grund.

Ein BGH-Ur­teil ver­stärkt die­se Sor­ge. Die obers­ten Rich­ter ge­stat­ten Un­ter­neh­men in Form von Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten Ei­gen­be­darfs­kün­di­gun­gen, wenn ei­ne Woh­nung für en­ge An­ge­hö­ri­ge ei­nes Ge­sell­schaf­ters be­nö­tigt wird. Die Ent­schei­dung ist als Gleich­stel­lung et­wa zu Er­ben­ge­mein­schaf­ten nach­voll­zieh­bar, doch in der Le­bens­wirk­lich­keit des Im­mo­bi­li­en­booms ein fa­ta­les Si­gnal. In die­ser Bran­che geht es rau zu. Wenn sich mit ei­nem vor­ge­gau­kel­ten Ei­gen­be­darf ein paar Hun­der­tau­send Eu­ro ver­die­nen las­sen, ist das für schwar­ze Scha­fe un­ter den In­ves­to­ren ein star­ker An­reiz für ein Fehl­ver­hal­ten.

Klar, dass ein pri­va­ter Woh­nungs­käu­fer auch ein An­recht dar­auf hat, in den ei­ge­nen vier Wän­den zu le­ben. Aber wo Im­mo­bi­li­en ge­werb­lich er­wor­ben wer­den, soll­te ein an­de­rer Maß­stab gel­ten. Die Bun­des­re­gie­rung hät­te die­se Lü­cke mit den letz­ten Miet­rechts­re­fo­men schlie­ßen kön­nen, hat dies aber un­ter­las­sen. Es ist höchs­te Zeit, die­ses Ver­säum­nis nach­zu­ho­len. wirt­schaft@schwa­ebi­sche.de

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