Ein klei­ner Schritt mit gro­ßer Wir­kung

Was die An­he­bung des Leit­zin­ses in den USA für die glo­ba­le Kon­junk­tur be­deu­tet

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Micha­el Don­hau­ser

WA­SHING­TON (dpa) - Wer Do­nald Trump im Wahl­kampf zu­ge­hört hat, mag zu der An­sicht ge­kom­men sein, der wirt­schaft­li­che Zu­stand der Ver­ei­nig­ten Staa­ten sei de­sas­trös. Das Ge­gen­teil ist der Fall. Die größ­te Volks­wirt­schaft der Welt läuft weit­ge­hend rund, die Ar­beits­lo­sig­keit ist mit ei­ner Quo­te von 4,6 Pro­zent im Griff, die In­fla­ti­on zieht wie­der an. Die No­ten­bank Fe­deral Re­ser­ve hat wie er­war­tet den Leit­zins um 0,25 Pro­zent­punk­te leicht er­höht. Er liegt da­mit nun zwi­schen 0,5 und 0,75 Pro­zent. Doch wie geht es wei­ter? Die Ent­schei­dung ist ein klei­ner Schritt für die Zen­tral­ban­ker mit gro­ßer Wir­kung welt­weit.

War­um ist die Zins­er­hö­hung über­haupt not­wen­dig oder sinn­voll? Wenn die Fi­nanz­märk­te mit bil­li­gem Geld über­schwemmt wer­den, kann es zur Bil­dung ge­fähr­li­cher Bla­sen kom­men – et­wa auf dem Im­mo­bi­li­en­markt. Plat­zen die­se Bla­sen, hat das zu­meist ka­ta­stro­pha­le Aus­wir­kun­gen auf die ge­sam­te Wirt­schaft. Das will die No­ten­bank ver­hin­dern. Sie muss aber auch im­mer ver­su­pa­ni­schen chen, den rich­ti­gen Mo­ment zu er­wi­schen. Zieht die In­fla­ti­on zu stark an, be­vor die Zins­schrau­be wei­ter fest­ge­dreht wird, kann es zu spät sein. Ein zu frü­hes Ein­grei­fen kann aber die sich er­ho­len­de Wirt­schaft ab­wür­gen.

Hat die Zen­tral­bank so viel Macht, dass ei­ne klei­ne Stell­schrau­be ei­ne rie­si­ge Volks­wirt­schaft wie die der USA be­ein­flusst? Dar­über strei­ten sich die Ex­per­ten. Jer­ry Jor­dan, frü­her Chef der Zen­tral­bank des US-Bun­des­staa­tes Ohio in Cleve­land, be­strei­tet das. Die Er­hö­hung des Leit­zin­ses wer­de kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Re­al­wirt­schaft ha­ben. „Sie stellt le­dig­lich ei­nen Trans­fer von Steu­er­gel­dern hin zu Ban­ken und Groß­in­ves­to­ren dar“, sagt Jor­dan. Tat­säch­lich be­deu­tet die Zins­er­hö­hung, dass der Staat mehr Zin­sen auf das Geld zah­len muss, das An­le­ger wie Ban­ken oder Fonds bei ihm ge­la­gert ha­ben.

Wel­che Aus­wir­kun­gen sind nach der Zins­an­he­bung kon­kret zu er­war­ten? Der oh­ne­hin schon star­ke Dol­lar könn­te noch stär­ker wer­den – et­wa im Ver­gleich zum Eu­ro oder zum ja- Yen. Das ver­teu­ert das Ein­kau­fen in den USA. Das gilt so­wohl für pri­va­te Weih­nachts­tou­ris­ten in New York oder Ur­lau­ber in Flo­ri­da als auch für Fir­men, die Pro­duk­te ame­ri­ka­ni­scher Fir­men or­dern – von den Flug­zeu­gen des Her­stel­lers Bo­eing bis zum Whis­key aus Ken­tu­cky. An­de­rer­seits er­laubt es den Fir­men in den USA, im Aus­land bil­li­ger ein­zu­kau­fen, so­fern die Ge­schäf­te nicht in Dol­lar ab­ge­wi­ckelt wer­den. Das gilt auch für Ein­käu­fe bei deut­schen Zu­lie­fe­rern.

Was be­deu­tet es für das Aus­land? Vor al­lem Ent­wick­lungs­län­der, in de­nen Staats­haus­hal­te und Pri­vat­un­ter­neh­men ho­he Schul­den­ber­ge in US-Dol­lar hal­ten, könn­ten Pro­ble­me be­kom­men. Die­se Schul­den wer­den – um­ge­rech­net in die je­wei­li­ge Lan­des­wäh­rung – durch ei­nen stär­ker wer­den­den Dol­lar plötz­lich noch grö­ßer. Al­ler­dings hat­ten die­se Län­der auch sehr viel Zeit, sich auf die Si­tua­ti­on vor­zu­be­rei­ten. Die jüngs­te Zins­er­hö­hung in den USA liegt be­reits ein Jahr zu­rück.

Wird Eu­ro­pa nach­zie­hen? Eu­ro­pa und die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank sind noch nicht so weit. An­ders als in den USA sind die Vor­aus­set­zun­gen – näm­lich ein sta­bi­ler Ar­beits­markt und ei­ne an­zie­hen­de In­fla­ti­on – noch nicht über­all in der Eu­ro­zo­ne ge­ge­ben. Die EZB hat vo­ri­ge Wo­che den Geld­hahn noch ein­mal kräf­tig auf­ge­dreht und wei­te­re mil­li­ar­den­schwe­re An­lei­he­käu­fe an­ge­kün­digt. Das be­deu­tet, dass die ul­tra­ni­ed­ri­gen Zin­sen in der Eu­ro­zo­ne noch ei­ne Zeit lang an­hal­ten wer­den. Al­ler­dings gab es auch aus Frank­furt ers­te Si­gna­le, dass ein Rich­tungs­wech­sel ir­gend­wann fäl­lig sein wird.

Wird die US-No­ten­bank die Zin­sen bald noch wei­ter er­hö­hen? Die Fed fass­te drei wei­te­re Zins­er­hö­hungs­schrit­te für 2017 ins Au­ge. Das ist auch ein Po­li­ti­kum. Do­nald Trump hat in die neue US-Re­gie­rung ei­ne Rei­he von Groß­in­ves­to­ren und In­vest­ment­ban­kern be­ru­fen – die dürf­ten ei­ne star­ke Stim­me für wei­te­re Zins­er­hö­hun­gen er­he­ben. Die Füh­rung der No­ten­bank um Che­fin Ja­net Yel­len ist von den De­mo­kra­ten Ba­rack Oba­mas be­ru­fen. For­mell ist die Fe­deral Re­ser­ve vom Wei­ßen Haus un­ab­hän­gig. Al­ler­dings kann Trump mit Hil­fe der Re­pu­bli­ka­nerMehr­heit in bei­den Par­la­ments­kam­mern per­so­nell steu­ern.

FO­TO: DPA

In ge­spann­ter Er­war­tung: Ein Händ­ler auf dem Par­kett in der Börse in New York. Rechts auf dem Bild­schirm US-No­ten­bank-Che­fin Ja­net Yel­len.

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