Kar­p­fen ist in Ord­nung, Lachs eher nicht

Um­welt­schüt­zer ra­ten von ei­ni­gen Fi­sch­ar­ten grund­sätz­lich ab

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - JOURNAL -

BER­LIN (AFP) - Wer sich zu Weih­nach­ten ei­nen Kar­p­fen auf den Tel­ler le­gen will, muss kein schlech­tes Ge­wis­sen ha­ben: Die Um­welt­or­ga­ni­sa­tio­nen Gre­en­peace und WWF hal­ten den Kauf für un­be­denk­lich. Doch bei vie­len an­de­ren Fi­sch­ar­ten mel­den die Um­welt­schüt­zer Be­den­ken an.

Wel­chen Fisch kann ich oh­ne Be­den­ken kau­fen? Als „gu­te Wahl“emp­fiehlt der WWF He­ring und Sprot­te, Kar­p­fen und Bio-Fo­rel­len aus Aqua­kul­tu­ren. Gre­en­peace ist stren­ger: Für un­ein­ge­schränkt emp­feh­lens­wert hält die Or­ga­ni­sa­ti­on nur den Kar­p­fen, für „über­wie­gend ver­tret­bar“He­ring und Wels. Bei bei­den Ar­ten gel­ten dem­nach aber Aus­nah­men für Fi­sche, die in be­stimm­ten Re­gio­nen ge­fan­gen wur­den und bes­ser nicht auf den Tisch kom­men soll­ten. Noch kom­pli­zier­ter wird es bei be­lieb­ten Ar­ten wie Lachs und Thun­fisch: Von bei­den Ar­ten ra­ten Um­welt­schüt­zer grund­sätz­lich ab, al­ler­dings gibt es Aus­nah­men: Wenn Lachs oder Thun­fisch aus be­stimm­ten Re­gio­nen kom­men, kön­nen sie durch­aus ge­kauft wer­den – laut WWF et­wa Bo­ni­to aus dem West­pa­zi­fik oder Wild­lachs aus Ostalas­ka.

Kann ich mich denn auf Sie­gel ver­las­sen? Der WWF emp­fiehlt, sich an ver­schie­de­nen Sie­geln zu ori­en­tie­ren. So kenn­zeich­net et­wa das MSC-Sie­gel die Her­kunft aus nach­hal­ti­ger Fi­sche­rei. Bei Zucht­fisch aus Aqua­kul­tu­ren soll­ten sich Ver­brau­cher dem­nach am bes­ten für Wa­ren mit dem ASC-Sie­gel oder den Kenn­zei­chen Deut­sche Fi­scher dür­fen im kom­men­den Jahr wie­der mehr See­lachs und Ka­bel­jau fan­gen. Die EUFi­sche­rei­mi­nis­ter ei­nig­ten sich in der Nacht zum Mitt­woch auf neue Ge­samt­fang­men­gen für 2017 in der Nord­see und dem At­lan­tik und er­höh­ten die Quo­ten für ei­ni­ge Fi­sch­ar­ten. Dem­nach dür­fen eu­ro­päi­sche Fi­scher im kom­men­den Jahr 53 Pro­zent mehr See­lachs (ins­ge­samt von „Bio­land“und „Na­tur­land“ent­schei­den. Aus Gre­en­peace-Sicht da­ge­gen kann kei­ner Zer­ti­fi­zie­rung un­ein­ge­schränkt ver­traut wer­den.

Von wel­chen Ar­ten soll­ten Ver­brau­cher die Fin­ger las­sen? Oh­ne Aus­nah­men auf der ro­ten Lis­te ste­hen beim WWF Aal, Hai, Gra­nat- 47 888 Ton­nen) aus Nord­see und At­lan­tik ho­len, beim Ka­bel­jau sind es 17 Pro­zent mehr als noch in die­sem Jahr (ins­ge­samt 32 553 Ton­nen). Die Fang­quo­te für He­rin­ge wur­de hin­ge­gen um sie­ben Pro­zent auf 288 765 Ton­nen re­du­ziert, die für Schell­fisch so­gar fast um die Hälf­te (mi­nus 45 Pro­zent auf 26 405 Ton­nen). Bis 2020 will die EU al­le Ar­ten nach­hal­tig fi­schen. Seit 2015 gilt ein schritt­wei­se barsch, Gre­na­dier­fisch, Pa­pa­gei­fisch, Pe­ters­fisch, Ro­chen, Schnap­per und Witt­ling, bei Gre­en­peace zu­dem Ma­kre­le und Rot­barsch. Auch auf Alas­ka-See­lachs, der für vie­le Fisch­stäb­chen ver­wen­det wird, soll­ten Ver­brau­cher laut Gre­en­peace ver­zich­ten. Der WWF hält zu­min­dest teil­wei­se ei­nen Kauf für ver­tret­bar, ein­ge­führ­tes Ver­bot, zu klei­ne Fi­sche zu­rück ins Meer zu wer­fen. Erst­mals gilt die­se Re­gel im kom­men­den Jahr auch für den Schell­fisch. Die nun fest­ge­setz­ten Quo­ten ent­spre­chen größ­ten­teils den Emp­feh­lun­gen der EU-Kom­mis­si­on. Sie wer­den auf Ba­sis der wis­sen­schaft­li­chen Emp­feh­lun­gen des In­ter­na­tio­na­len Ra­tes für Mee­res­for­schung (ICES) fest­ge­legt. (AFP) wenn die Ar­ten in be­stimm­ten Re­gio­nen ge­fischt wur­den – et­wa beim Alas­ka-See­lachs aus dem Nord­west­pa­zi­fik oder Ma­kre­len aus dem Nord­ost­at­lan­tik.

Was sagt die Fi­sche­rei­wirt­schaft zu den Ur­tei­len? Das von Un­ter­neh­men und Ver­bän­den ge­grün­de­te Fisch-In­for­ma­ti­ons­zen­trum (FIZ) stört sich vor al­lem an den har­ten Gre­en­peace-Ur­tei­len. Die­se sei­en sehr rea­li­täts­fern. Vie­le Be­stän­de wie zum Bei­spiel der Alas­ka-See­lachs ent­wi­ckel­ten sich her­vor­ra­gend. Zu­dem könn­ten sich Be­stän­de durch ei­ne ge­wis­se Be­fischung auch bes­ser re­ge­ne­rie­ren. Grund­sätz­lich rät das FIZ nicht von ein­zel­nen Fi­sch­ar­ten ab. Links zu den Ein­kaufs­rat­ge­bern der Um­welt­schüt­zer fin­den Sie on­line un­ter schwa­ebi­sche.de/fisch

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