Win­ter­li­cher Hor­ror

Nao­mi Watts hat ge­gen das un­aus­ge­go­re­ne Dreh­buch von „Shut In“kei­ne Chan­ce

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KINO - Von Ste­fan Ro­ther

Ei­ne über­durch­schnitt­li­che Darstel­le­rin in ei­nem un­ter­durch­schnitt­li­chen Film: Auch Nao­mi Watts kann die Schwä­chen der win­ter­li­chen Gru­sel­ge­schich­te „Shut In“nicht auf­wie­gen.

Gru­selt es sich in der Hit­ze bes­ser? Je­den­falls scheint der Groß­teil der Hor­ror­fil­me eher in der wär­me­ren Jah­res­zeit an­ge­sie­delt zu sein, von nam­haf­ten Aus­nah­men wie „Shi­ning“ein­mal ab­ge­se­hen. Da­mit hät­te das im Win­ter spie­len­de „Shut In“zu­min­dest ei­nen ei­ni­ger­ma­ßen ori­gi­nel­len Aspekt vor­zu­wei­sen, aber das bleibt dann schon auch fast der ein­zi­ge. Denn wenn es in dem Film des bri­ti­schen Re­gis­seurs Far­ren Black­burn mal grus­lig wer­den soll, ge­schieht dies meist durch die all­zu üb­li­chen Ef­fek­te wie plötz­li­che Ge­räu­sche oder un­er­war­tet auf­tau­chen­de Per­so­nen.

Für ein biss­chen un­heil­schwan­ge­re At­mo­sphä­re sorgt zu­min­dest der zen­tra­le Dreh­ort, das Haus, in dem Kin­der­psy­cho­lo­gin Ma­ry (Nao­mi Watts) zu­rück­ge­zo­gen mit ih­rem Sohn (Char­lie Hea­ton aus „Stran­ger Things“) lebt. Der ist seit ei­nem Au­to­un­fall, bei dem Ma­rys Mann ums Le­ben kam, ein Pfle­ge­fall und nicht mehr an­sprech­bar. Wäh­rend das An­we­sen in Neu­eng­land im Som­mer durch­aus ro­man­tisch wir­ken mag, ist es im Win­ter eben auch sehr ab­ge­schie­den. Der ein­ge­schränk­te Kon­takt zu an­de­ren Men­schen – von ge­le­gent­li­chen Sky­pe-Ses­si­ons mit ei­nem be­freun­de­ten Psych­ia­ter (Oli­ver Platt) ab­ge­se­hen – ver­stärkt dann noch, als sich selt­sa­me Din­ge im Haus ab­zu­spie­len schei­nen. Denn nach­dem sie kurz­zei­tig den neun­jäh­ri­gen Tom (Ja­cob Trem­blay) bei sich auf­ge­nom­men hat, ist der tau­be Wai­sen­jun­ge, der nicht in ein neu­es Heim will, auch schon wie­der ver­schwun­den. Aber be­fin­det sich nun sein Geist im Haus?

Watts hat in „Mu­hol­land Dri­ve“das groß­ar­ti­ge Por­trät ei­ner Frau ge­spielt, die den Be­zug zur Rea­li­tät ver­liert. Ge­gen das un­aus­ge­gli­che­ne Dreh­buch von „Shut In“kommt sie al­ler­dings nur be­dingt an. So fängt der Film ei­ni­ger­ma­ßen viel­ver­pre­chend an, zieht sich dann aber sehr lan­ge, be­vor es zum we­nig glaub­wür­di­gen gro­ßen Twist kommt. Zwar stei­gert sich das Tem­po an­schlie­ßend, das Ge­sche­hen weist aber wei­ter­hin Län­gen auf. Wem der Sinn al­so nach Schau­dern im Schnee steht, soll­te da­her bes­ser zu Klas­si­kern wie dem er­wähn­ten „Shi­ning“, „Mi­se­ry“oder „Das Ding aus ei­ner an­de­ren Welt“grei­fen. Shut In. Re­gie: Far­ren Black­burn. Mit Nao­mi Watts, Oli­ver Platt, Char­lie Hea­ton. USA 2016. 91 Mi­nu­ten. FSK ab 16.

FO­TO: UNI­VER­SUM FILM

Sucht nach dem Geist ih­res ver­schwun­de­nen Be­su­chers: Nao­mi Watts als Kin­der­psy­cho­lo­gin Ma­ry.

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