Die Fi­nan­zie­rung für die Nord­tras­se steht be­reits

Mit der Auf­nah­me in den Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan hat Ber­lin gleich­zei­tig 106 Mil­lio­nen Eu­ro be­wil­ligt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN -

SIG­MA­RIN­GEN - Die Nord­tras­se hat es in den vor­dring­li­chen Be­darf des Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans ge­schafft. Doch was muss pas­sie­ren, bis die Stra­ße ge­baut wer­den kann? Die SZ ver­sucht Ant­wor­ten auf wich­ti­ge Fra­gen zu ge­ben.

Kann man da­von aus­ge­hen, dass die Stra­ße an ei­nem Stück ge­baut wird? Ur­sprüng­lich wur­de die Nord­tras­se in zwei Ab­schnit­te ge­teilt, so hat­te es auch der Ent­wurf vor­ge­se­hen. Und zwar ei­ner­seits der Ab­schnitt zwi­schen Scheer und Sig­ma­rin­gen-Jo­sefslust und an­de­rer­seits die Orts­um­fah­run­gen und Vil­sin­gen und En­gels­wies. Nun ha­ben es die Ver­ant­wort­li­chen ge­schafft, auf den zwei Bau­ab­schnit­ten ei­nen zu for­men. „Das macht an­ders auch kei­nen Sinn, die Stre­cke Men­gen-Meß­kirch nicht ein­heit­lich zu pla­nen und um­zu­set­zen“, sagt Land­rä­tin Ste­fa­nie Bürk­le.

Ent­lang der Bun­des­stra­ße 311 sol­len ei­ne Rei­he von Bau­vor­ha­ben um­ge­setzt wer­den. So sol­len fol­gen­de Orts­um­fah­run­gen ge­baut wer­den: Im­men­din­gen, Ried­lin­gen, Ober­m­arch­tal, Dep­pen­hau­sen und Er­bach. War­um sind die­se Maß­nah­men als Ein­heit zu se­hen? „Wir konn­ten in Ber­lin über­zeu­gen, dass wir die Ach­se Freiburg-Ulm nur er­tüch­ti­gen kön­nen, wenn un­se­re Tras­se auch mit da­bei ist“, sagt Land­rä­tin Ste­fa­nie Bürk­le. Neu in den vor­dring­li­chen Be­darf des Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans auf­ge­nom­men wur­den die Orts­um­fah­run­gen von Dep­pen­hau­sen, Ried­lin­gen, Ober­m­arch­tal und Im­men­din­gen. Zum Ver­gleich: Mit rund 65 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten sie et­wa halb so viel wie die Sig­ma­rin­ger Nord­tras­se, de­ren Kos­ten mit 106 Mil­lio­nen Eu­ro an­ge­ge­ben wer­den.

Steht die Fi­nan­zie­rung der Nord­tras­se be­reits? Ja, ein­deu­tig. Mit der Auf­nah­me in den vor­dring­li­chen Be­darf ist auch die Fi­nan­zie­rung ge­re­gelt. Das heißt: Der Bund hat sich ver­pflich­tet, die Nord­tras­se zu fi­nan­zie­ren. Die Pro­jek­te, die nach­träg­lich in den vor­dring­li­chen Be­darf auf­ge­nom­men wur­den, ha­ben ein Vo­lu­men von rund 1,3 Mil­li­ar­den Eu­ro. Knapp ein Zehn­tel die­ses Gel­des soll für die Nord­tras­se aus­ge­ge­ben wer­den.

Wel­che Pro­ble­me kön­nen ent­ste­hen? Ei­ne Ge­fahr bei der Rea­li­sie­rung sieht Bürk­le in den kom­ple­xen Pla­nun­gen im Zu­sam­men­hang mit Um­welt­be­lan­gen und dem kon­kre­ten Ver­lauf der Tras­se. „Wir müs­sen die An­lie­gen der Bür­ger und der An­woh­ner von Laiz und In­zig­kofen mit ein­be­zie­hen“, sag­te die Land­rä­tin. Zu­dem fehl­ten im Re­gie­rungs­prä­si­di­um Tü­bin­gen Mit­ar­bei­ter in der Stra­ßen­pla­nung. „Im Re­gie­rungs­prä­si­di­um Tü­bin­gen, das die Pla­nun­gen im Auf­trag des Bun­des macht, wur­den vie­le Stra­ßen­pla­nungs­stel­len ab­ge­baut. Die­se Leu­te feh­len uns jetzt“, sagt Re­gio­nal­ver­bands­di­rek­tor Fran­ke. Dies füh­re zu ei­nem „ab­so­lu­ten Not­stand“im Be­zirk. Fran­ke ver­mu­tet, dass es Streit ge­ben könn­te, wo mit den Pla­nun­gen be­gon­nen wird. „Wir wer­den ein­for­dern, dass man sich an die Prio­ri­tä­ten­lis­te hält“, sagt Re­gio­nal­ver­bands­di­rek­tor Wilfried Fran­ke.

Was ist dran an der Ein­schät­zung der Grü­nen, die der Mei­nung sind, dass es nach wie vor ei­ne Chan­ce für die Ver­wirk­li­chung der Süd­tras­se gibt und sich auf die Ein­schät­zung ei­nes Staats­se­kre­tärs Nor­bert Barth­le stüt­zen? Erst die wei­te­ren Ge­sprä­che wer­den hier wohl Licht ins Dun­kel brin­gen. An­fang des Jah­res möch­te sich die Land­rä­tin mit dem Re­gie­rungs­prä­si­di­um zu­sam­men­set­zen. Dann wird auch die­se Fra­ge The­ma sein. Laut bis­he­ri­ger Ein­schät­zung von Ste­fa­nie Bürk­le ist die Süd­tras­se vom Tisch, der ge­naue Ver­lauf der Nord­tras­se sei je­doch noch nicht in St­ein ge­mei­ßelt - „bin­nen des nörd­li­chen Kor­ri­dors kann es Ve­rän­de­run­gen ge­ben“, sag­te Bürk­le.

Wel­che Schrit­te sind als nächs­tes zu ge­hen? „Nun liegt viel Ar­beit vor uns“, sagt Bürk­le im Hin­blick auf die wei­te­ren Schrit­te. Man wol­le kon­struk­tiv und in Zu­sam­men­ar­beit mit den Ge­mein­den und Bür­ger­initia­ti­ven in die Pla­nun­gen ein­stei­gen. Da Raum­ord­nungs­ver­fah­ren und das Li­ni­en­be­stim­mungs­ver­fah­ren be­reits ab­ge­schlos­sen sind, muss erst über­prüft wer­den, in­wie­weit die da­mals er­mit­tel­ten Er­geb­nis­se noch Gül­tig­keit ha­ben. Da­nach geht es ans Pl­an­fest­stel­lungs­ver­fah­ren. Sechs bis acht Jah­re wür­de ein sol­ches Ver­fah­ren dau­ern, schätzt Wilfried Fran­ke vom Re­gio­nal­ver­band. Und dann kommt es dar­auf an, ob die Geg­ner des Vor­ha­bens Kla­ge ein­rei­chen.

Der Di­rek­tor des Re­gio­nal­ver­bands Bo­den­see-Ober­schwa­ben, Wilfried Fran­ke, sagt: Die Nord­tras­se hat gu­te Chan­cen auf ei­ne schnel­le Um­set­zung. Wie kommt er zu die­ser Ein­schät­zung? Die Nord­tras­se wur­de vom Re­gio­nal­ver­band Bo­den­see-Ober­schwa­ben auf ei­ner Prio­ri­tä­ten­lis­te auf Platz vier von zwölf ge­setzt. Elf der zwölf Vor­ha­ben lan­de­ten im vor­dring­li­chen Be­darf des Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans, zwei da­von wer­den be­reits ge­plant: die B 31 Im­men­staa­dMeers­burg und die B 30 Ra­vens­bur­gF­ried­richs­ha­fen. „Die­se Ver­fah­ren lau­fen schon sehr lan­ge“, sagt Fran­ke. Die bei­den Pro­jek­te er­wei­sen sich schon al­lein des­halb als schwie­rig, weil die Wi­der­stän­de aus der Be­völ­ke­rung ob der Ein­grif­fe in die Land­schaft groß sei­en – grö­ßer als bei der Nord­tras­se. Ent­spre­chend lan­ge zö­gen sich die Ver­fah­ren. „Es kann zehn, 15 Jah­re dau­ern, bis es zum Bau­recht kommt“, schätzt Fran­ke. „ Es gibt ver­mut­lich Maß­nah­men, die schnel­ler zu­ran­de kom­men.“Die Nord­tras­se könn­te laut Fran­ke dar­un­ter sein, wenn die Pla­nun­gen bis 2030 weit ge­nug vor­an­ge­trie­ben wur­den.

Wann ist mit ei­nem Bau­be­ginn zu rech­nen? Die Land­rä­tin sagt, dass ein Bau­be­ginn bin­nen zehn bis 15 Jah­ren rea­lis­tisch sei.

FO­TO: BERG­MANN/AR­CHIV

Das Pl­an­fest­stel­lungs­ver­fah­ren für die Nord­tras­se wird laut Ein­schät­zung von Ex­per­ten zwi­schen sechs und acht Jah­ren dau­ern. Bis Dör­fer wie Vils­lin­gen vom Durch­gangs­ver­kehr ent­las­tet wer­den, wird es al­so min­des­tens noch zehn bis 15 Jah­re dau­ern.

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