Kar­ges Fest­mahl

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN -

Im Re­gel­fall kommt man als Ve­ge­ta­ri­er eben­so ge­nuss­voll durchs Jahr wie als Fleisch­es­ser. Ich ma­ße mir an, das be­ur­tei­len zu kön­nen, weil ich bei­de Er­näh­rungs­for­men prak­ti­ziert ha­be und bei fleisch­los hän­gen­ge­blie­ben bin. Der ein­zi­ge Tag im Jahr, an dem es für mich je­doch tat­säch­lich ku­li­na­ri­sche Ab­stri­che gibt, ist Hei­lig­abend. Denn da gibt es bei uns zu Hau­se Gour­met, al­so Ra­clette oh­ne Re­geln – die di­rek­te De­mo­kra­tie will es so. Viel­leicht ha­be ich über­zo­ge­ne An­sprü­che, aber Kar­tof­feln und Kä­se sind für mich kein Fest­es­sen, son­dern eher et­was für ei­nen schnö­den Di­ens­tag­abend. Und selbst dann wür­de ich Kä­se durch Spi­nat und Spie­ge­lei er­set­zen. Nein, Sil­ber­zwie­beln, Ei, oder Pil­ze tra­gen nicht da­zu bei, dass der Weih­nachts­ge­nuss über „sät­ti­gend“hin­aus geht. Es bleibt ei­ne tro­cke­ne und un­spek­ta­ku­lä­re An­ge­le­gen­heit. Kein Dip wird mich vom Ge­gen­teil über­zeu­gen. Dass der Rest der Ban­de sein kar­ges Mahl mit Fleisch­küch­le, Speck und an­de­re Le­cke­rei­en an­rei­chert, die ich mir zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen ver­knei­fe, ver­bes­sert die Fest­tags­lau­ne nicht.

Hin­zu kommt der Hun­ger – und meine Un­ge­duld: Bis so ein lau­si­ges Pfänn­chen warm ist, ha­be ich schon 300 Gramm der Me­nü-Kom­po­nen­ten roh ver­speist. Je­des Jahr träu­me ich dann von Bei­la­gen wie Ser­vi­et­ten­knö­deln und Rot­kraut, von Sup­pen und Auf­läu­fen, die ich heiß ver­spei­sen könn­te. Doch spä­tes­tens beim Nach­tisch bin ich wie­der ver­söhnt: Der ist im­mer oh­ne Fleisch und ziem­lich le­cker. An­na-Le­na Buch­mai­er

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