Viel Lob für ei­ne mu­ti­ge Ent­schei­dung

Sport und Po­li­tik be­grü­ßen den Ent­zug der Bob- und Ske­le­ton-WM

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT -

BER­LIN (SID) - Lob aus Sport und Po­li­tik, Er­leich­te­rung bei den Ath­le­ten – aber noch vie­le of­fe­ne Fra­gen: Der Welt­ver­band IBSF hat mit dem Ent­zug der Bob- und Ske­le­ton-WM ei­ne weit­rei­chen­de Ent­schei­dung ge­fällt. Vor al­lem wird deut­lich: Die Macht der Sport­ler scheint grö­ßer als viel­fach an­ge­nom­men. Die Boy­kott­dro­hun­gen gleich meh­re­rer Top­stars ge­gen die Ti­tel­kämp­fe in Sot­schi ha­ben Wir­kung ge­zeigt.

„Es ist ein in­ter­na­tio­na­les Stim­mungs­bild ent­stan­den, in dem die WM ent­wer­tet ge­we­sen wä­re“, sag­te Andre­as Traut­vet­ter, Prä­si­dent des Bob- und Schlit­ten­ver­bands für Deutsch­land und IBSF-Vi­ze­prä­si­dent: „Es wä­re nicht mehr über die Sport­ler und Er­geb­nis­se be­rich­tet wor­den.“Ne­ben den let­ti­schen Ti­tel­ver­tei­di­gern Mar­tins Du­kurs (Ske­le­ton) und Os­kars Mel­bar­dis (Vie­rer­bob) hat­te un­ter an­de­rem auch die bri­ti­sche Ske­le­ton-Olym­pia­sie­ge­rin Liz­zy Yar­nold nach den Do­pingent­hül­lun­gen des zwei­ten McLa­ren-Re­ports Stim­mung ge­gen ei­ne Aus­tra­gung der WM in Sot­schi ge­macht.

„Ich bin so froh, dass un­se­re Stim­men ge­hört wur­den und un­ser Sport beim Kampf ge­gen Do­ping mit­macht“, sag­te Yar­nold nach der IBSFEnt­schei­dung, die Ti­tel­kämp­fe im kom­men­den Jahr nicht in Russ­land statt­fin­den zu las­sen. „Letz­ten En­des müs­sen un­se­re Ath­le­ten die Chan­ce ha­ben, sich gut in­for­mie­ren zu kön­nen und ei­ne Ent­schei­dung zu tref­fen, wo sie star­ten wol­len“, sag­te Scott Black­mun, Chef des US-Olym­pia­ko­mi­tees USOC.

Un­ter­stüt­zung für den Ent­zug gab es auch vom In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tee. „Die Ent­schei­dung stimmt voll­stän­dig mit den Emp­feh­lun­gen des Olym­pic Sum­mit und des IOC-Exe­ku­tiv­ko­mi­tees über­ein“, teil­te ein Spre­cher mit. Auch Dag­mar Frei­tag, die Bun­des­tags-Sport­aus­schuss­vor­sit­zen­de, hält das Vor­ge­hen für rich­tig. Es sei ein „star­kes Si­gnal“, sag­te die SPD-Po­li­ti­ke­rin.

In Russ­land wur­de die Ent­schei­dung kri­ti­siert. „Wir sind über­zeugt, dass es sich um ei­ne po­li­ti­sche Ent­schei­dung han­delt, die auf Aus­sa­gen oh­ne Be­weis be­ruht“, sag­te Di­mi­tri Pes­kow, Spre­cher von Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin, der Agen­tur RS­port. Da­ge­gen fiel die Re­ak­ti­on des rus­si­schen Bob- und Ske­le­ton­ver­bands un­er­war­tet ver­ständ­nis­voll aus. Der Verband will den Ent­zug der WM ak­zep­tie­ren. „Wir sind be­reit, für die Auf­recht­er­hal­tung der Zu­sam­men­ar­beit und die Ein­heit un­se­res Sports die­ses Op­fer zu brin­gen“, hieß es in ei­ner Mit­tei­lung des Ver­bands: „Wir sind der Mei­nung, dass es im­mer noch mög­lich ist, un­ter den ge­ge­be­nen Um­stän­den, die wir in keins­ter Wei­se zu ver­ant­wor­ten ha­ben, Wett­be­wer­be in ei­ner wür­di­gen Wei­se ab­zu­hal­ten. Aber es ist un­mög­lich, ei­ne ech­tes Sport­fest zu or­ga­ni­sie­ren. Und dies soll­te ei­ne WM wirk­lich sein.“

Of­fen ist noch, was ganz kon­kret mit der WM pas­siert. Bis En­de der Wo­che soll ei­ne Ent­schei­dung über den neu­en Aus­rich­ter fal­len. Ein Kan­di­dat: die Eis­bahn am Kö­nigs­see. „Wir wur­den ge­fragt“, be­stä­tig­te Be­triebs­lei­ter Mar­kus Aschau­er. Al­ler­dings sind of­fen­bar auch St. Mo­ritz, La­ke Pla­cid und Park Ci­ty im Ge­spräch.

Für die IBSF rech­net Traut­vet­ter, im Prä­si­di­um des Welt­ver­ban­des für Ver­bands- und Fi­nanz­fra­gen zu­stän­dig, mit Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen durch Russ­land. Die­se wa­ren schon un­mit­tel­bar nach der Ent­schei­dung durch rus­si­sche Po­li­ti­ker ins Ge­spräch ge­bracht wor­den. Sub­kow kün­dig­te an, mit dem Welt­ver­band über die­ses The­ma zu spre­chen. „Wir schau­en uns ge­ra­de un­se­re Ver­ein­ba­rung mit der IBSF an und wer­den dann über die­se Fra­ge dis­ku­tie­ren“, sag­te der rus­si­sche Ver­bands­prä­si­dent der Nach­rich­ten­agen­tur TASS.

FO­TO: DPA

Bob Russ­land muss bei der WM auf sein Heim­recht in Sot­schi ver­zich­ten.

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