Ga­lop­pie­ren­de In­fla­ti­on

Ve­ne­zue­la führt grö­ße­re Geld­schei­ne ein – Neue Bank­no­ten sol­len nun den All­tag er­leich­tern

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT -

CARACAS (dpa) - We­gen der ga­lop­pie­ren­den In­fla­ti­on in Ve­ne­zue­la führt das süd­ame­ri­ka­ni­sche Land grö­ße­re Geld­schei­ne ein. Am Don­ners­tag soll­ten zu­nächst 500Bolívar-Schei­ne in Um­lauf ge­bracht wer­den, wie die Zen­tral­bank an­kün­dig­te. Schei­ne im Wert von 1000, 2000, 5000, 10 000 und 20 000 Bolívar sol­len dann nach und nach in den kom­men­den Ta­gen oder Wo­chen aus­ge­ge­ben wer­den.

Bis­lang ist die 100-Bolívar-No­te der größ­te Geld­schein. Auf dem Schwarz­markt kos­tet ein US-Dol­lar der­zeit 3270 Bolívar. Selbst klei­ne­re Rech­nun­gen müs­sen des­halb mit Tü­ten vol­ler Geld be­gli­chen wer­den. Die Zah­lung mit Kre­dit­kar­te lohnt sich kaum: Dort wird ein Wech­sel­kurs von et­wa 1:660 be­rech­net.

Den 100-Bolívar-Schein zie­hen die Be­hör­den seit Di­ens­tag aus dem Verkehr. Die Ve­ne­zo­la­ner kön­nen ihr Geld um­tau­schen oder es auf ih­ren Kon­ten gut­schrei­ben las­sen. Vor Bank­fi­lia­len bil­de­ten sich in den ver­gan­ge­nen Ta­gen lan­ge Schlan­gen. Die 100-Bolívar-Schei­ne ma­chen fast die Hälf­te des im Um­lauf be­find­li­chen Bar­gel­des aus.

Nach Darstel­lung der Re­gie­rung wur­de die Bank­no­te ge­zielt aus dem Aus­land auf­ge­kauft, um dem Land Li­qui­di­tät zu ent­zie­hen und der Wirt­schaft zu scha­den. Das Geld sei vor al­lem in Ko­lum­bi­en, aber auch in Deutsch­land, Tsche­chi­en und der Ukrai­ne ge­hor­tet wor­den, sag­te Prä­si­dent Ni­colás Ma­du­ro. Hin­ter dem Kom­plott ste­cke das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um der USA. Die Gren­ze zu Ko­lum­bi­en wur­de vor­über­ge­hend ge­schlos­sen, um ei­nen Rück­fluss der 100er-Schei­ne zu ver­hin­dern.

Ve­ne­zue­la kämpft mit der höchs­ten In­fla­ti­on welt­weit. Die Re­gie­rung macht kei­ne An­ga­ben zur Teue­rungs­ra­te, aber Ex­per­ten rech­nen mit 600 bis 700 Pro­zent In­fla­ti­on im lau­fen­den Jahr. Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds er­war­tet 2017 so­gar ei­ne In­fla­ti­ons­ra­te von über 1600 Pro­zent.

An den Ur­sa­chen wer­den die neu­en Schei­ne nichts än­dern. Das Land mit den größ­ten Erd­öl­re­ser­ven lei­det un­ter dem nied­ri­gen Öl­preis. De­vi­sen­man­gel und Miss­wirt­schaft ha­ben zu­dem zu ei­ner Ver­sor­gungs­kri­se mit Le­bens­mit­teln und Din­gen des täg­li­chen Be­darfs ge­führt.

FO­TO: DPA

Bank­an­ge­stell­te zäh­len 100-Bolívar-No­ten: Das süd­ame­ri­ka­ni­sche Land lei­det un­ter der höchs­ten In­fla­ti­on welt­weit.

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