Rat­haus macht Un­ter­neh­mern 14 Ver­spre­chen

Die Stadt Men­gen er­füllt al­le Kri­te­ri­en und er­hält das Gü­te­zei­chen als mit­tel­stands­ori­en­tier­te Ver­wal­tung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MENGEN/GÖGE/SCHEER - Von Jen­ni­fer Kuhl­mann

MEN­GEN - Schnell, trans­pa­rent und zu­ver­läs­sig. Dass die Stadt­ver­wal­tung so mit An­fra­gen, An­trä­gen und Rech­nun­gen von Un­ter­neh­men um­geht, hat sie jetzt schwarz auf weiß. Nach ei­ner et­wa ein­jäh­ri­gen Vor­be­rei­tungs­pha­se und ei­nem zwei­ein­halb­tä­gi­gen Au­dit durch den TÜV Nord hat die Ver­wal­tung das Gü­te­zei­chen „Mit­tel­stands­ori­en­tier­te Kom­mu­nal­ver­wal­tung“er­hal­ten. Da­mit ist die Stadt Men­gen die ein­zi­ge Ver­wal­tung im Land­kreis Sig­ma­rin­gen und der Vier­län­der­re­gi­on Bo­den­see mit die­ser Aus­zeich­nung.

Um das Gü­te­zei­chen zu er­hal­ten, muss die Stadt­ver­wal­tung 14 von der Gü­te­ge­mein­schaft Mit­tel­stands­ori­en­tier­ter Kom­mu­nal­ver­wal­tun­gen auf­ge­stell­te Ser­vice­ver­spre­chen nach­weis­lich er­fül­len. Da­zu ge­hö­ren et­wa die Be­ar­bei­tung von ge­werb­li­chen Bau­vor­ha­ben in­ner­halb von 40 Ta­gen, ei­ne qua­li­fi­zier­te Re­ak­ti­on auf Be­schwer­den so­wie die Be­zah­lung von Auf­trags­rech­nun­gen in­ner­halb von 15 Ta­gen (sie­he Kas­ten).

„Auch, wenn wir vie­le die­ser Kri­te­ri­en schon zu­vor er­füllt ha­ben, war die Vor­be­rei­tung auf die Prü­fung durch den TÜV auf­wen­di­ger als ge­dacht“, sagt Bür­ger­meis­ter Bubeck. So hät­te man et­wa die EDV-Pro­gram­me so an­pas­sen müs­sen, dass Rech­nungs­ver­läu­fe mit ex­ak­ten Da­ten do­ku­men­tiert wer­den kön­nen. Sport­lich sei es auch ge­we­sen, ei­ne aus­rei­chen­de An­zahl an aus­ge­füll­ten Fra­ge­bö­gen von den Un­ter­neh­mern zu­rück­zu­be­kom­men, sagt Wirt­schafts­för­de­rer Ma­nu­el Kern. „Jetzt sind wir froh, al­les er­folg­reich hin­ter uns ge­bracht zu ha­ben“, sagt er. Das ver­spricht die Ver­wal­tung: 1. Be­ar­bei­tungs­zeit für ge­werb­li­che Bau­vor­ha­ben ma­xi­mal 40 Ar­beits­ta­ge 2. Ver­läss­lich­keit der Bau­ge­neh­mi­gun­gen: An­ge­strebt sind null er­folg­rei­che Wi­der­sprü­che oder Kla­gen Drit­ter 3. Be­zah­lung von Auf­trags­rech­nun­gen, die von mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men an die Kom­mu­ne ge­stellt wer­den, in­ner­halb von ma­xi­mal 15 Ar­beits­ta­gen 4. Be­ar­bei­tungs­zeit für die An­ge­bots­ab­ga­be bei Flä­chen­an­fra­gen von Un­ter­neh­men ma­xi­mal fünf Ar­beits­ta­ge 5. Be­ar­bei­ten der Ge­neh­mi­gung von Schwer­trans­por­ten recht­zei­tig vor Trans­port­be­ginn 6. Ein­gangs­be­stä­ti­gung von An­trä­gen und An­fra­gen so­wie Nen­nung ei­nes An­sprech­part­ners

Die An­re­gung, das Gü­te­zei­chen an­zu­stre­ben, hat die Ver­wal­tung von Wolf­gang Hei­ne von der IHK Bo­den­see-Ober­schwa­ben be­kom­men. „Stu­di­en ha­ben ge­zeigt, dass ei­ne gu­te Zu­sam­men­ar­beit mit der ört­li­chen Kom­mu­nal­ver­wal­tung für mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men min­des­tens so wich­tig ist wie ei­ne gu­te Breit­band­ver­sor­gung oder Ver­kehrs­an­bin­dung“, in­ner­halb von drei Ar­beits­ta­gen 7. Ers­te In­for­ma­tio­nen zum Ver­fah­ren in­ner­halb von sie­ben Ar­beits­ta­gen 8. Ver­wal­tungs­weg­wei­ser als So­fort­in­for­ma­ti­on 9. Be­spre­chun­gen bei Un­ter­neh­men in­ner­halb von fünf Ar­beits­ta­gen 10. Schnel­le und qua­li­fi­zier­te Re­ak­ti­on auf die Be­schwer­de des Un­ter­neh­mens in­ner­halb von ma­xi­mal drei Ar­beits­ta­gen 11. Re­ak­ti­ons­zei­ten auf An­ru­fe und E-Mails von ma­xi­mal ei­nem Ar­beits­tag 12. Lot­se für Exis­tenz­grün­der 13. Be­wer­tung der Kun­den­zu­frie­den­heit durch Kun­den der Ver­wal­tung al­le zwei Jah­re 14. In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­form min­des­tens ein­mal al­le zwei Jah­re sagt Hei­ne. „Ei­ne Au­to­bahn lässt sich nicht so ein­fach her­zau­bern, aber dar­auf, ob ei­ne Ver­wal­tung trans­pa­rent und un­ter­neh­mer­freund­lich ar­bei­tet, dar­auf hat sie durch­aus Ein­fluss.“Ihm ha­be vor al­lem auch das Kon­zept der Gü­te­ge­mein­schaft ge­fal­len. „Da wer­den die Wün­sche zur Ser­vice­ori­en­tie­rung nicht aus der Wirt­schaft an die Ver­wal­tun­gen her­an­ge­tra­gen, son­dern die Kom­mu­nen ha­ben die Kri­te­ri­en, die sie er­fül­len wol­len, selbst ent­wi­ckelt.“

Haupt­amts­lei­te­rin Sa­bi­ne Re­ger hofft, dass durch die Kom­mu­ni­ka­ti­on der Ser­vice­ver­spre­chen der Aus­tausch mit den Un­ter­neh­mern noch in­ten­si­ver wird. „Oft be­kom­men wir ja zu we­nig Feed­back“, sagt sie. „Wenn Men­schen un­zu­frie­den sind, wen­den sie sich manch­mal nicht di­rekt an uns, son­dern be­schwe­ren sich eher im Be­kann­ten­kreis.“Ei­ne Ver­wal­tung sei aber dar­auf an­ge­wie­sen, Rück­mel­dun­gen zu er­hal­ten, um Ab­läu­fe ver­bes­sern zu kön­nen. Sie hat­te den Ein­druck, dass die Mit­ar­bei­ter im Rat­haus das Er­fül­len der Gü­te­zei­chen-Kri­te­ri­en nicht als Mehr­ar­beit ab­ge­lehnt, son­dern als Ansporn an­ge­nom­men ha­ben. „Ich glau­be, dass sie schon stolz sind, ih­ren Bei­trag zum Gü­te­zei­chen leis­ten zu kön­nen.“

Bern­hard Kr­äuß­lich, Ge­schäfts­füh­rer der Stand­ort­mar­ke­ting­ge­sell­schaft des Land­krei­ses WIS, ist si­cher, dass das Gü­te­zei­chen im Wett­be­werb um neue Un­ter­neh­men ein Stand­ort­vor­teil sein kann. „Ich weiß aber auch, dass un­se­re Städ­te und Ge­mein­den grund­sätz­lich ein In­ter­es­se dar­an ha­ben, dass ihr Ver­hält­nis zu den Un­ter­neh­men gut ist“, sagt er. Des­halb hofft er, dass sich vie­le das En­ga­ge­ment der Stadt Men­gen zum Vor­bild neh­men und sich eben­falls um die Aus­zeich­nung be­mü­hen. Die Mit­glied­schaft in der Gü­te­ge­mein­schaft kos­tet 1000 Eu­ro im Jahr, das al­le zwei Jah­re statt­fin­den­de Au­dit durch den TÜV et­wa 3000 Eu­ro. Men­gen hat ei­nen Zu­schuss vom För­der­pro­gramm Land(auf)schwung er­hal­ten, den Kr­äuß­lich auch an­de­ren Kom­mu­nen ge­wäh­ren wür­de.

FO­TO: JEN­NI­FER KUHL­MANN

Freu­en sich über das ge­lun­ge­ne Au­dit und die Über­ga­be des Gü­te­zei­chens (v.l.): Bern­hard Kr­äuß­lich, Ge­schäfts­füh­rer der Wirt­schafts­för­de­rung im Land­kreis Sig­ma­rin­gen, Men­gens Wirt­schafts­för­de­rer Ma­nu­el Kern, Bür­ger­meis­ter Ste­fan Bubeck, Her­bert Wüs­ter, Ge­schäfts­füh­rer der Gü­te­ge­mein­schaft Mit­tel­stands­ori­en­tier­te Kom­mu­nal­ver­wal­tun­gen, und Wolf­gang Hei­ne, Lei­ter des Ge­schäfts­be­reichs Stand­ort­po­li­tik und Un­ter­neh­mens­för­de­rung bei der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer Bo­den­see-Ober­schwa­ben.

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