Zä­her Kampf um die Wahr­heit

Face­book geht ge­gen Fa­ke News vor – Bun­des­re­gie­rung er­höht den Druck

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - JOURNAL -

NEW YORK/BER­LIN (AFP/dpa/epd) - Face­book will nach mas­si­ver Kri­tik an sei­ner Rol­le im US-Wahl­kampf schär­fer ge­gen die Aus­brei­tung er­fun­de­ner Nach­rich­ten an­kämp­fen. Un­ter an­de­rem soll es ein­fa­cher wer­den, so­ge­nann­te Fa­ke News zu mel­den, kün­dig­te das welt­größ­te On­li­ne-Netz­werk an. Au­ßer­dem wer­de man mit ex­ter­nen Fak­ten-CheckSpe­zia­lis­ten zu­sam­men­ar­bei­ten.

Wäh­rend Face­book sich be­reit er­klärt, die Fa­ke News zu­nächst in den USA zu be­kämp­fen, kün­digt die Gro­ße Ko­ali­ti­on in Deutsch­land an, sie wol­le Face­book und an­de­re so­zia­le Netz­wer­ke ge­setz­lich zu die­sem Kampf zwin­gen, wie auch zu dem ge­gen Hass­bot­schaf­ten. Ge­plant ist nach An­ga­ben des SPD-Frak­ti­ons­chefs Thomas Op­per­mann, „Platt­for­men wie Face­book ge­setz­lich zu ver­pflich­ten, auf deut­schem Bo­den ei­ne an 365 Ta­gen im Jahr 24 St­un­den er­reich­ba­re Rechts­schutz­stel­le ein­zu­rich­ten“. Dort­hin sol­len Be­trof­fe­ne sich wen­den kön­nen und be­le­gen, dass sie Op­fer von Fal­sch­nach­rich­ten ge­wor­den sind, sag­te Op­per­mann dem „Spie­gel“. „Wenn Face­book nach ent­spre­chen­der Prü­fung die be­trof­fe­ne Mel­dung nicht un­ver­züg­lich bin­nen 24 St­un­den löscht, muss Face­book mit emp­find­li­chen Buß­gel­dern bis zu 500 000 Eu­ro rech­nen.“Zu­dem müs­se es auf Wunsch der Be­trof­fe­nen ei­ne „Rich­tig­stel­lung mit der glei­chen Reich­wei­te ge­ben“. Auch Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) sag­te der „Süd­deut­schen Zei­tung“: „Na­tür­lich müs­sen wir am En­de über Buß­gel­der nach­den­ken, wenn an­de­re Maß­nah­men nicht grei­fen.“ Rech­te für Op­fer von Het­ze So­zia­le Me­di­en müss­ten „zur Wahr­neh­mung ih­rer Ver­ant­wor­tung ge­zwun­gen wer­den“, er­klär­te Uni­ons­frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (CDU). Er be­zeich­ne­te es zu­gleich als wich­tig, dass die Be­trof­fe­nen ei­nen An­spruch auf Aus­kunft ge­gen­über den Platt­for­men be­kom­men – da­mit sie her­aus­fin­den kön­nen, von wem die Hetz­re­den stam­men.

Face­book war im US-Wahl­kampf in die Kri­tik ge­ra­ten, weil über den In­ter­net­an­bie­ter im­mer wie­der Fal­sch­mel­dun­gen ver­brei­tet wur­den. Da­zu ge­hör­te zum Bei­spiel die er­fun­de­ne Nach­richt, dass Papst Fran­zis­kus Do­nald Trump sei­ne Un­ter­stüt­zung aus­ge­spro­chen ha­be. Kri­ti­ker war­fen dem Un­ter­neh­men vor, so den Wahl­kampf zu­guns­ten Trumps be­ein­flusst zu ha­ben. Face­book-Chef Mark Zu­cker­berg hat­te zu­nächst den Ein­fluss ma­ni­pu­lier­ter Nach­rich­ten auf die Wahl be­strit­ten, dann aber Maß­nah­men ge­gen Fal­sch­mel­dun­gen in die We­ge ge­lei­tet.

Face­book kün­dig­te jetzt un­ter an­de­rem an, mit in­ter­na­tio­na­len Un­ter­neh­men zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, die sich auf die Über­prü­fung von Fak­ten spe­zia­li­siert hät­ten. Wenn die­se ei­ne Nach­richt als falsch iden­ti­fi­zier­ten, wer­de die­se mit ei­ner Art Warn­drei­eck mar­kiert und mit ei­nem Hin­weis ver­se­hen, dass die Nach­richt von un­ab­hän­gi­ger Sei­te in­fra­ge ge­stellt wer­de. Die Nach­richt kön­ne dann zwar wei­ter­hin mit an­de­ren Face­boo­kNut­zern „ge­teilt“wer­den, der Warn­hin­weis wer­de aber je­des Mal ge­zeigt. Zu­dem wür­den mut­maß­li­che Fal­sch­nach­rich­ten auf den ent­spre­chen­den Sei­ten wei­ter un­ten an­ge­zeigt. Das Ma­ga­zin der „Süd­deut­schen Zei­tung“be­rich­te­te der­weil über ei­ne „un­ge­nü­gen­de Lösch­pra­xis“bei Face­book. So blie­ben et­wa Mit­ar­bei­tern des im Face­book-Auf­trag tä­ti­gen Lösch­teams in Ber­lin oft nur et­wa acht Se­kun­den für die Ent­schei­dung, ob ein Bei­trag ge­gen Re­geln ver­stößt. Al­go­rith­men wer­den an­ge­passt Auch die Al­go­rith­men, die dar­über ent­schei­den, wel­che Ar­ti­kel im News­feed der Mit­glie­der auf­tau­chen, sol­len an­ge­passt wer­den. Wenn ein Bei­trag von Nut­zern nicht ge­teilt wird, nach­dem sie ihn ge­le­sen ha­ben, kön­ne das als Warn­si­gnal in die Ge­wich­tung ein­flie­ßen, er­läu­ter­te Face­book-Ma­na­ger Adam Mos­se­ri in ei­nem Blog­ein­trag.

Schließ­lich wol­le Face­book kon­se­quen­ter die Ein­nah­me­quel­len der Au­to­ren ge­fälsch­ter Nach­rich­ten aus­trock­nen. Im US-Wahl­kampf sol­len ei­ni­ge ein gu­tes Ge­schäft da­mit ge­macht ha­ben, auf­se­hen­er­re­gen­de Nach­rich­ten zu er­fin­den: Sie wur­den von Nut­zern an­ge­se­hen und wei­ter­ver­brei­tet – und die da­bei an­ge­zeig­te Wer­bung ließ bei den Au­to­ren die Kas­sen klin­geln. Ein Miss­brauch von Fal­sch­nach­rich­ten zu Wer­be­zwe­cken sol­le eben­so nicht mehr mög­lich sein.

Al­ler­dings sol­len um­strit­te­ne Posts on­li­ne blei­ben. Face­book-Ma­na­ger Adam Mos­se­ri hob die Ei­gen­ver­ant­wor­tung der Face­book-Nut­zer her­vor: „Wir glau­ben dar­an, Men­schen ei­ne Stim­me zu ge­ben und kön­nen nicht selbst Schieds­rich­ter der Wahr­heit wer­den.“

FO­TO: DPA

Face­book-Nut­zer in den USA sol­len Fa­ke News von jetzt an ein­fa­cher mel­den kön­nen.

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