Blend-Atta­cken mit La­ser­poin­tern ge­fähr­den Luft­ver­kehr

Rund 200 ge­mel­de­te Vor­fäl­le in die­sem Jahr – Pi­lo­ten schla­gen Alarm

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - JOURNAL - Von Chris­ti­na Sticht

BRAUN­SCHWEIG (dpa) - Es ist kein harm­lo­ser Un­fug: Wer mit ei­nem La­ser­strahl Pi­lo­ten oder Au­to­fah­rer blen­det, setzt Men­schen­le­ben aufs Spiel. Die Pi­lo­ten­ver­ei­ni­gung Cock­pit for­dert des­halb, den Be­sitz von star­ken La­ser­poin­tern ge­setz­lich zu ver­bie­ten.

Die Atta­cken pas­sie­ren meist im Schutz der Dun­kel­heit und in der sen­si­blen Pha­se des Lan­de­an­flugs, so wie im Ju­li die­ses Jah­res über Wolfs­burg. La­ser­poin­ter ziel­ten auf das Cock­pit ei­nes Fe­ri­en­flie­gers. Trotz des An­griffs mit dem grü­nen Licht­strahl konn­ten die ge­blen­de­ten Pi­lo­ten die Ma­schi­ne mit knapp 160 Pas­sa­gie­ren an Bord we­nig spä­ter si­cher in Han­no­ver lan­den. Dort lie­ßen sich Ka­pi­tän und Co-Pi­lot von ei­nem Au­gen­arzt un­ter­su­chen. Die Tä­ter wur­den nicht er­mit­telt, wie in vie­len die­ser Fäl­le.

Seit En­de Ok­to­ber 2009 be­steht für deut­sche Luft­fahrt­un­ter­neh­men ei­ne Mel­de­pflicht für La­ser-Atta­cken. In den ers­ten elf Mo­na­ten 2016 wur­den 202 Blend-An­grif­fe im Inund Aus­land re­gis­triert, da­von 129 in Deutsch­land. Die Zah­len ge­hen leicht zu­rück. 2013 wa­ren dem Luft­fahrt-Bun­des­amt in Braun­schweig ins­ge­samt noch 322 Atta­cken über­mit­telt wor­den, im ver­gan­ge­nen Jahr 234.

Hub­schrau­ber-Pi­lot Andreas Hel­wig ver­mu­tet al­ler­dings ei­ne ho­he Dun­kel­zif­fer. „Auch Au­to­fah­rer und Lok­füh­rer mel­den nicht je­den Vor­fall“, sagt der Si­cher­heits­ma­na­ger der DRF Luf­tret­tung und Lei­ter der Sta­ti­on in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen. Selbst vor Ret­tungs­hub­schrau­bern ma­chen die La­ser-An­grei­fer nicht Halt. En­de No­vem­ber traf es die Be­sat­zung von „Chris­toph 41“, nach­dem sie ei­nen Not­fall­pa­ti­en­ten ins Uni­k­li­ni­kum Tü­bin­gen trans­por­tiert hat­te. „Das ist kein Dum­me­jun­gen­streich, das ist le­bens­ge­fähr­lich für uns“, be­tont Hel­wig. Als Waf­fe miss­braucht Der ge­fähr­li­che Ein­griff in den Bahn-, Schiffs- oder Luft­ver­kehr wird mit Frei­heits­stra­fen zwi­schen sechs Mo­na­ten und zehn Jah­ren ge­ahn­det. „Wenn über­haupt ein­mal Tä­ter ge­fasst wer­den, ist bei uns die Straf­ver­fol­gung zu lasch“, kri­ti­siert der La­ser­phy­si­ker Klaus Dick­mann, der ein drei­jäh­ri­ges For­schungs­pro­jekt zur Ge­fähr­dung durch Blend-Atta­cken ge­lei­tet hat. „Die USA set­zen da­ge­gen kon­se­quent Ge­fäng­nis­stra­fen durch, in Aus­tra­li­en fal­len La­ser­poin­ter un­ter das Waf­fen­ge­setz“, er­läu­tert der Pro­fes­sor an der FH Müns­ter.

Die Ge­rä­te von der Grö­ße ei­nes Ku­gel­schrei­bers sol­len ei­gent­lich nur als elek­tro­ni­scher Zei­ge­stab die­nen, zum Bei­spiel bei Prä­sen­ta­tio­nen. La­ser­poin­ter mit mehr als ei­nem Mil­li­watt Leis­tung dür­fen in Deutsch­land in der Öf­fent­lich­keit nicht be­nutzt wer­den. Im In­ter­net wer­den je­doch ge­fähr­li­che Ge­rä­te aus Fer­n­ost als ver­meint­lich harm­lo­ses Spiel­zeug an­ge­bo­ten. „Die ver­die­nen nicht mehr die Be­zeich­nung La­ser­poin­ter, das sind La­ser­waf­fen“, sagt Dick­mann.

Der Bun­des­rat hat­te im Mai 2015 wirk­sa­me Re­ge­lun­gen ge­for­dert, um ge­gen ge­fähr­li­che La­ser­pro­duk­te vor­ge­hen zu kön­nen. Die Bun­des­re­gie­rung sah al­ler­dings kei­nen Hand­lungs­be­darf.

Wäh­rend die Blen­dung mit schwä­che­ren La­sern kei­ne Lang­zeit­fol­gen für das Au­ge hat, kön­nen il­le­ga­le Ge­rä­te die Netz­haut dau­er­haft schä­di­gen. Im De­zem­ber wur­de der Fall ei­nes Ju­gend­li­chen be­kannt, der auf ei­nem Au­ge fast voll­stän­dig er­blin­de­te, nach­dem ihn auf der Roll­trep­pe ei­ner U-Bahn­sta­ti­on in Nürn­berg ein grü­ner La­ser­strahl ge­trof­fen hat­te. Auch der Ver­band der Au­gen­ärz­te be­rich­tet von Ver­let­zun­gen und warnt: „La­ser­poin­ter ge­hö­ren nicht in die Hän­de von Kin­dern und Ju­gend­li­chen.“

Gern hal­ten sich die An­grei­fer in der Nä­he von Flug­plät­zen auf, manch­mal wird der Strahl auch spon­tan im ei­ge­nen Gar­ten nach oben ge­rich­tet, weil ein krei­sen­der Po­li­zei­hub­schrau­ber nervt. Pi­lo­ten trai­nie­ren in­zwi­schen so­gar im Flug­si­mu­la­tor das rich­ti­ge Ver­hal­ten bei La­ser-Atta­cken. Die Ver­ei­ni­gung Cock­pit sieht die Po­li­tik am Zug. „Schon das Tra­gen von stär­ke­ren La­sern soll­te un­ter Stra­fe ge­stellt wer­den“, sagt Eck­hard Kö­nig von der Pi­lo­ten­ver­ei­ni­gung.

FO­TO: DPA

Mit La­ser­poin­tern wie die­sen wer­den Pi­lo­ten, aber auch Lok­füh­rer und Au­to­fah­rer ge­blen­det. Ex­per­ten hal­ten die Straf­ver­fol­gung in Deutsch­land für zu lasch, denn tat­säch­lich ge­fähr­den die Tä­ter mit ih­rem schein­ba­ren Jun­gen­streich das Le­ben von Men­schen.

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