Kei­ne Eh­ren­amt­li­chen, kei­ne Weih­nachts­fei­er

Al­ter­na­ti­ves Fest an Hei­lig­abend fällt in die­sem Jahr aus – Neu­er An­lauf für das kom­men­de Jahr ge­plant

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MENGEN/GÖGE/SCHEER - Von Jen­ni­fer Kuhl­mann

MEN­GEN - Die öku­me­nisch or­ga­ni­sier­te Weih­nachts­fei­er an Hei­lig­abend fällt in die­sem Jahr aus. Hier hat­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Men­schen, die aus un­ter­schied­li­chen Grün­den an die­sem Tag nicht zu Hau­se blei­ben woll­ten, im evan­ge­li­schen Ge­mein­de­saal zu­sam­men ge­fei­ert,. Hin­ter­grund ist nicht nur der Fort­gang der evan­ge­li­schen Pfar­re­rin Ines Fi­scher, son­dern auch die man­geln­de Be­reit­schaft der Men­ge­ner, sich an der Or­ga­ni­sa­ti­on und der Pro­gramm­ge­stal­tung der Fei­er zu be­tei­li­gen. „Schwe­ren Her­zens ha­ben wir des­halb be­schlos­sen, die Ver­an­stal­tung ab­zu­sa­gen“, sa­gen Horst und El­ke Rein­au­er.

Sie sind die ein­zi­gen, die vom Or­ga­ni­sa­ti­ons­team üb­rig ge­blie­ben sind. „Al­lei­ne schaf­fen wir das aber nicht“, sa­gen die bei­den. Nach­dem Pfar­re­rin Ines Fi­scher Men­gen ver­las­sen ha­be, hät­ten sich auch an­de­re Eh­ren­amt­li­che zu­rück­ge­zo­gen. Zwar ge­be es un­ter den Teil­neh­mern der Fei­er vie­le hilfs­be­rei­te Men­schen, die an Hei­lig­abend selbst mit­an­pa­cken, spü­len und beim Auf­räu­men hel­fen wür­den. „Aber bei der Vor­be­rei­tung und der Pro­gramm­ge­stal­tung hät­ten wir wei­te­re Un­ter­stüt­zung ge­braucht“, so Horst Rein­au­er. Mu­si­ka­li­sche Hel­fer ge­sucht Da ei­ne Pfarr­stel­le in der evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de ge­ra­de un­be­setzt ist, kön­ne man von Pfar­rer Wolf­gang Rai­ser nicht ver­lan­gen, auch noch die Weih­nachts­fei­er zu stem­men. „Da ha­ben wir volls­tes Ver­ständ­nis“, sagt El­ke Rein­au­er. Auch der ka­tho­li­sche Pfar­rer Ste­fan Ein­sied­ler hät­te an den Fei­er­ta­gen ei­nen re­gel­rech­ten Got­tes­dienst-Ma­ra­thon vor sich. Des­halb ha­ben die Rein­au­ers sich im Be­kann­ten­kreis und den Kir­chen­ge­mein­den auf die Su­che nach Hel­fern ge­macht. „Wich­tig wä­re vor al­lem ge­we­sen, je­man­den zu ha­ben, der Gi­tar­re oder Kla­vier spie­len kann, um den mu­si­ka­li­schen Teil der Fei­er zu be­strei­ten“, sagt Horst Rein­au­er. Es ha­be aber nur Ab­sa­gen ge­ge­ben. „Die meis­ten ver­brin­gen den 24. De­zem­ber mit der ei­ge­nen Fa­mi­lie und möch­ten mit die­ser Tra­di­ti­on nicht bre­chen oder da­heim kei­nen Är­ger be­kom­men.“ Nur an die­sem Tag Auf ei­nen an­de­ren Tag woll­ten die bei­den die Fei­er aber auch nicht ver­le­gen. „Es geht ja ge­ra­de dar­um, dass man am Hei­li­gen Abend nicht al­lein ist und die Mög­lich­keit hat, in ei­ner Ge­mein­schaft zu es­sen, sich zu un­ter­hal­ten und sich so auf Weih­nach­ten zu be­sin­nen“, sagt El­ke Rein­au­er. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­ten 90 Men­schen an der Fei­er teil­ge­nom­men, dar­un­ter auch Flücht­lin­ge der Ge­mein­schafts­un­ter­kunft. „Für al­le tut uns das na­tür­lich sehr leid“, sagt sie. Im evan­ge­li­schen Ge­mein­de­brief sei be­reits auf das Aus­fal­len der Fei­er auf­merk­sam ge­macht wor­den, eben­so im Ar­beits­kreis Asyl. „Ei­ni­ge An­fra­gen ka­men schon, die­se Leu­te ha­ben wir auf die Nach­bar­städ­te ver­wie­sen“, sagt Horst Rein­au­er. So­wohl in Sig­ma­rin­gen als auch in Bad Saul­gau fän­den ver­gleich­ba­re Ver­an­stal­tun­gen am 24. De­zem­ber statt (sie­he Kas­ten).

Au­ßer­dem hof­fen die bei­den, dass im kom­men­den Jahr wie­der ein Fest zu­stan­de kommt. „Die Fa­mi­lie Bi­sel­li-Vee­ser aus dem Ad­ler in Lei­ber­tin­gen ist nach wie vor be­reit, uns beim Es­sen zu un­ter­stüt­zen“, sa­gen sie. Mit et­was Glück wer­de es auch ei­nen oder zwei neue evan­ge­li­sche Pfar­rer Weih­nach­ten ist ein Fest, das im Kreis der Fa­mi­lie ge­fei­ert wird. Aber nicht al­len Men­schen in der Re­gi­on ist ein sol­ches Glück ver­gönnt. Kaum je­mand ist am Hei­li­gen Abend frei­wil­lig al­lein. Es gibt Men­schen, die ha­ben ge­ra­de ih­ren Part­ner ver­lo­ren. Fa­mi­li­en, de­nen beim Ge­dan­ken an das ers­te Fest oh­ne Oma ganz un­wohl wird, oder Men­schen, die sich kei­nen Weih­nachts­baum leis­ten kön­nen, ge­schwei­ge denn ein Fest­es­sen. Ge­hört es nicht ge­ra­de an Weih­nach­ten da­zu, zu­sam­men­zu­rü­cken, zu tei­len und ein­fach of­fen für an­de­re zu sein? Ge­ra­de bei die­ser Weih­nachts­fei­er gilt: Sie als Men­ge­ner be­grü­ßen und für wich­tig hal­ten, sich dann aber selbst zu­rück­leh­nen und hof­fen, dass an­de­re die Or­ga­ni­sa­ti­on über­neh­men, geht nicht. Wer sich ei­ne Mit­hil­fe vor­stel­len kann, hat nun ge­nug Zeit, sei­ne Fa­mi­lie zu über­zeu­gen. Viel­leicht macht sie gleich ge­schlos­sen mit? Es wä­re scha­de, wenn die Fei­er al­lein an feh­len­dem En­ga­ge­ment schei­tern wür­de. j.kuhl­mann@schwa­ebi­sche.de ge­ben, die sich viel­leicht des The­mas an­neh­men wol­len. „Wir wer­den auf je­den Fall noch ein­mal auf die Su­che nach Hel­fern ge­hen.“

FO­TO: AR­CHIV

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ist das Or­ga­ni­sa­ti­ons­team groß ge­nug ge­we­sen. Dies­mal hät­te sich das Ehe­paar Rein­au­er al­lein um die Ver­an­stal­tung an Hei­lig­abend küm­mern müs­sen.

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