Hand­wer­ker war­ten auf ih­re Be­zah­lung

Nach Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten am Hu­ber­tus­haus in Beu­ron for­dern sie Geld – Ge­richts­ver­fah­ren lau­fen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MESSKIRCH - Von An­na-Le­na Buch­mai­er

BEU­RON - Hand­wer­ker, die an Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten am sa­nie­rungs­be­dürf­ti­gen Hu­ber­tus­haus in Beu­ron be­tei­ligt wa­ren, sa­gen, sie sei­en für ih­re Leis­tun­gen nicht be­zahlt wor­den. Die Ju­gend­stil-Vil­la, die der Beu­ro­ner An­selm-von-Can­ter­bu­ryStif­tung un­ter­steht, soll zu ei­ner in­klu­si­ven Be­geg­nungs­stät­te um­ge­baut wer­den. Bis­lang sind auch öf­fent­li­che Mit­tel von der Lan­des­denk­mal­stif­tung, von Le­a­der Ober­schwa­ben und der Ak­ti­on Mensch in die Re­no­vie­rung des Hau­ses ge­flos­sen.

Schrei­ner Cars­ten Heidtmann aus Bo­dels­hau­sen bei Tü­bin­gen hat im Fe­bru­ar Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten am Hu­ber­tus­haus in Beu­ron vor­ge­nom­men. 32 Fens­ter­lä­den, ei­nen Holz­bo­den und ei­ne Haus­tür ha­be er in der al­ten Ju­gend­stil­vil­la, die ein­ge­tra­ge­nes Kul­tur­denk­mal ist, re­no­viert. Jetzt bleibt er nach ei­ge­nen An­ga­ben auf 6000 Eu­ro Kos­ten sit­zen. SZ-In­for­ma­tio­nen zu­fol­ge war­ten noch min­des­tens drei wei­te­re Hand­werks­be­trie­be auf ihr Geld, wo­von sich ei­ner nicht öf­fent­lich äu­ßern möch­te. Die Be­trä­ge ge­hen laut Hand­wer­ker min­des­tens bis in den mitt­le­ren fünf­stel­li­gen Be­reich. Ha­rald Er­ben, der Vor­sit­zen­de der An­selm-von-Can­ter­bu­ry-Stif­tung, der das Haus ge­hört, woll­te sich trotz mehr­fa­cher An­fra­ge nicht äu­ßern (De­tails sie­he Kas­ten).

Als Heidtmann das Geld für sei­ne Ar­beit ein­for­der­te, ha­be er ein mehr­sei­ti­ges Schrei­ben von Ha­rald Er­ben be­kom­men: „Herr Er­ben hat ab­sur­de Grün­de vor­ge­scho­ben, war­um ich kein Geld krie­gen soll­te und dass die Ar­bei­ten nicht denk­mal­ge­recht aus­ge­führt wor­den sei­en“, sagt Heidtmann. „Da­bei wa­ren das rei­ne Rou­ti­ne­ar­bei­ten. Es gab ab­so­lut nichts zu be­an­stan­den.“

Der Schrei­ner ha­be ei­ne Ab­nah­me der Ar­bei­ten ein­ge­for­dert, aber nie be­kom­men. Dar­auf­hin ha­be er Kon­takt mit dem Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge in Ess­lin­gen auf­ge­nom­men. Heidtmann ha­be dann mit dem Lan­des­amt ei­nen Ter­min für ei­ne ge­mein­sa­me Be­ge­hung der ge­leis­te­ten Ar­bei­ten im Hu­ber­tus­haus ver­ein­bart. „Dar­auf­hin er­teil­te mir Herr Er­ben ein Haus­ver­bot, wes­halb ich nicht an der Be­ge­hung teil­neh­men konn­te“, be­rich­tet Heidtmann. Ei­ne Mit­ar­bei­te­rin des Lan­des­am­tes ha­be Heidtmann nach der Be­sich­ti­gung be­stä­tigt, dass es an sei­nen Ar­bei­ten nichts zu be­an­stan­den ge­be. Ein ent­spre­chen­der Ak­ten­ver­merk, der die­se Fest­stel­lung ent­hält, sei auch an Er­ben ge­schickt wor­den. „Er ist jetzt am Zug, sei­ne Schul­den zu be­zah­len“, for­dert Cars­ten Heidtmann.

Mar­ti­na van Span­ke­ren-Gandhi, Re­stau­ra­to­rin aus Rott­weil, sag­te im Ge­spräch mit der SZ, dass sie An­fang No­vem­ber 2015 an der Re­stau­rie­rung der be­mal­ten Ta­pe­te in der Vil­la Hu­ber­tus ge­ar­bei­tet und ei­nen Groß­teil da­von fer­tig­ge­stellt ha­be. Von ei­ner Mit­ar­bei­te­rin der Denk­mal­pfle­ge ha­be sie ge­sagt be­kom­men, dass die­se Ar­beit nach den Vor­ga­ben der Denk­mal­pfle­ge kor­rekt durch­ge­führt wor­den sei. Bis heu­te ha­be die Re­stau­ra­to­rin we­der ei­nen Ter­min zur Fer­tig­stel­lung ih­rer Ar­beit noch ei­ne Be­zah­lung für die ge­leis­te­te Ar­beit er­hal­ten. Dar­um ha­be sie kürz­lich ei­ne Kla­ge­schrift beim Amts­ge­richt Rott­weil ein­ge­reicht.

Auch Go­vin­da Otrem­ba, Ge­schäfts­füh­rer der Fir­ma Ha­sel­mei­er Holz­bau aus Irn­dorf, ha­be kei­nen an­de­ren Aus­weg als den Gang vor Ge­richt ge­se­hen: Im Zu­ge der Re­stau­rie­rung des Da­ches des Hu­ber­tus­hau­ses sei es zum Streit ge­kom­men, wor­auf­hin der Bau­herr dem Be­trieb im Früh­jahr 2015 ein Haus­ver­bot auf­grund ver­meint­li­cher Män­gel aus­ge­spro­chen ha­be. Schließ­lich kün­dig­te die Fir­ma den Bau­ver­trag au­ßer­or­dent­lich, weil die Bau­herr­schaft nicht die ge­setz­lich vor­ge­se­he­ne Si­cher­heit für Bau­hand­wer­ker ein­ge­hal­ten ha­be. „Fer­ner be­steht Streit über die Be­zah­lung von Rest­werklohn in Hö­he ei­nes mitt­le­ren fünf­stel­li­gen Be­tra­ges, wel­che von der Bau­herr­schaft ver­wei­gert wird. Zu­letzt ver­wei­ger­te die Bau­herr­schaft trotz Kün­di­gung des Ver­tra­ges auch die Her­aus­ga­be des von der Ha­sel­mei­er Holz­bau Gm­bH für ih­re Ar­bei­ten auf­ge­stell­ten Ge­rüsts so­wie des Bau­krans“, heißt es in ei­ner Stel­lung­nah­me. Nun hät­te zu­min­dest die­ser Punkt ge­klärt wer­den kön­nen, wo­bei sich ein Streit über die Hö­he der Ent­schä­di­gung für die et­wa sechs­mo­na­ti­ge Dau­er der ver­wei­ger­ten Her­aus­ga­be an­ge­schlos­sen ha­be. „Nach­dem die Bau­herr­schaft Vor­schlä­ge zur ein­ver­nehm­li­chen Bei­le­gung der Dif­fe­ren­zen ab­ge­lehnt hat, sah die Ha­sel­mei­er Holz­bau Gm­bH kei­nen an­de­ren Aus­weg mehr, als den Gang vor Ge­richt an­zu­tre­ten. Sie hat vor et­wa an­dert­halb Jah­ren Kla­ge vor dem Land­ge­richt He­chin­gen er­ho­ben.“

Cars­ten Heidtmann aus Bo­dels­hau­sen sagt: „Ha­rald Er­ben ist in keins­ter Wei­se um ei­ne Lö­sung be­müht, das ist of­fen­sicht­lich“, fin­det der Hand­wer­ker. „Er­ben er­hält für die Re­no­vie­rung des denk­mal­ge­schütz­ten Hau­ses För­der­gel­der vom Land – mit de­nen soll­te er die Hand­wer­ker be­zah­len“, so Heidtmann. Ihn stört es, dass die Hand­wer­ker von Be­hör­den im Stich ge­las­sen wür­den. „Die Mit­ar­bei­ter vom Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge und vom Land­rats­amt sag­ten mir, ih­nen sei­en die Hän­de ge­bun­den“, so Heidtmann. Die Hand­werks­kam­mer, die zur Sch­lich­tung zwi­schen Er­ben und Heidtmann hin­zu­ge­zo­gen wor­den sei, ha­be Heidtmann ge­ra­ten, selbst ju­ris­tisch tä­tig zu wer­den. Heidtmann be­fürch­tet, auf dem Geld sit­zen zu blei­ben. Er for­dert, dass die wei­te­re Aus­zah­lung von Lan­des­för­der­mit­teln an Ha­rald Er­ben bis zur Klä­rung der Sach­ver­hal­te un­ter­bun­den wird. „Ich könn­te zwar ein ju­ris­tisch ver­wend­ba­res Gut­ach­ten an­for­dern, fin­det der Schrei­ner Cars­ten Heidtmann. das be­zeugt, dass ich die Ar­bei­ten kor­rekt durch­ge­führt ha­be“, sagt Heidtmann. Weil es aber nur münd­li­che Ab­spra­chen zwi­schen dem Auf­trag­ge­ber und dem Hand­wer­ker ge­ge­ben ha­be, sei es sehr wahr­schein­lich, dass ei­ne Kla­ge auf ei­nen Ver­gleich hin­aus­lau­fen wür­de, wo­durch sich die Scha­dens­sum­me für Heidtmann er­neut er­hö­hen könn­te. Die­se Ver­mu­tung ha­be ihm die Hand­werks­kam­mer Reut­lin­gen be­stä­tigt. „So ein Gut­ach­ten kos­tet bis zu 2000 Eu­ro. Das Geld se­he ich dann nie wie­der“, so Heidtmann. Au­ßer­dem be­fürch­tet der Hand­wer­ker ei­ne Ge­gen­kla­ge. „Das ist jetzt schon meh­re­ren Kol­le­gen wi­der­fah­ren, mit de­nen ich in Kon­takt ste­he.“

Karl Grie­ner, Ge­schäfts­füh­rer der Kreis­hand­wer­ker, wur­de 2015 von ei­nem be­trof­fe­nen Be­trieb aus dem Land­kreis in­for­miert, der je­doch nicht ge­nannt wer­den möch­te. „Der Be­trieb ist nicht für sei­ne Ar­bei­ten am Hu­ber­tus­haus be­zahlt wor­den. Es ging um 4500 Eu­ro“, be­rich­tet Karl Grie­ner. Da die Kreis­hand­wer­ker­schaft auch ein­ge­tra­ge­ner In­kas­so­dienst­leis­ter ist, be­an­trag­te sie im Na­men des Hand­werks­be­triebs ei­nen Mahn­be­scheid ge­gen die An­selm-von-Can­ter­bu­ry-Sti­fung, der das Haus ge­hört, mit Ha­rald Er­ben als de­ren Vor­sit­zen­den. Dar­auf­hin ha­be Er­ben laut Karl Grie­ner Wi­der­spruch ge­gen die Kla­ge ein­ge­legt. Die Kreis­hand­wer­ker­schaft ha­be Er­ben dann zur Nen­nung von Grün­den auf­ge­for­dert. „Dar­auf­hin hat er uns in ei­nem kur­zen Schrei­ben Män­gel vor­ge­tra­gen, für de­ren Be­sei­ti­gung er Auf­wen­dun­gen hat­te, für die er wie­der­um 5000 Eu­ro Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen an­droh­te“, so Grie­ner. Der nächs­te Schritt wä­re das Ein­rei­chen ei­ner Kla­ge von­sei­ten des Hand­werks­be­triebs. „Das Un­ter­neh­men woll­te die­sen Weg bis­lang nicht ge­hen. Da­bei han­delt es sich um ei­nen er­heb­li­chen fi­nan­zi­el­len Auf­wand, man muss in Vor­kas­se für die Ge­richts­kos­ten ge­hen und da­für be­darf es auch Mut“, sagt Grie­ner. „Wenn zum Zeit­punkt der Be­auf­tra­gung die Fi­nan­zie­rung nicht ge­si­chert ist, der Auf­trag­ge­ber al­so kein Geld hat, spricht man von Ein­ge­hungs­be­trug. Das gilt es aber zu über­prü­fen und zu be­wei­sen.“Um die Hand­wer­ker zu schüt­zen, ge­be es den Pa­ra­gra­phen zur Si­che­rung der Hand­wer­ker­for­de­run­gen mit­tels Bürg­schaft. So kön­ne der Hand­wer­ker zu­si­chern, et­wai­ge Män­gel zu be­sei­ti­gen – im Ge­gen­zug müs­se aber der Auf­trag­ge­ber durch ei­ne Bürg­schaft bei der Bank nach­wei­sen, dass er sol­vent ist. „So sagt Karl Grie­ner von der Kreis­hand­wer­ker­schaft. kommt ein Hand­wer­ker, der ja im­mer in Vor­leis­tung ge­hen muss, an sein Geld, auch wenn der Auf­trag­ge­ber nicht be­zah­len will“, so Grie­ner. Da­mit es zur Bürg­schaft kommt, be­dür­fe es aber der Be­reit­schaft des Auf­trag­ge­bers. „Mein Emp­fin­den ist es, dass hier ei­ne ge­wis­se Be­reit­schaft des Auf­trag­ge­bers fehlt, die Sa­che zu be­rei­ni­gen“, so Grie­ner.

Ob und in wel­cher Hö­he das Hu­ber­tus­haus För­der­gel­der vom Land er­hält, darf nicht oh­ne Zu­stim­mung von Ha­rald Er­ben mit­ge­teilt wer­den. Ein Mit­ar­bei­ter des Lan­des­am­tes für Denk­mal­pfle­ge schil­der­te der Schwä­bi­schen Zei­tung, dass die Be­hör­de zwar über­prü­fe, ob die Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten bei Denk­mä­lern ord­nungs­ge­mäß durch­ge­führt wer­den, je­doch sei es nicht Sa­che der Be­hör­de zu über­prü­fen, ob die För­der­gel­der zu dem Zweck der Be­zah­lung der Hand­wer­ker aus­ge­ge­ben wür­den. Was zwi­schen Auf­trag­ge­ber und Hand­wer­ker ab­lau­fe, sei pri­vat­recht­li­cher Na­tur. Eben­so ar­gu­men­tiert das Land­rats­amt: In pri­vat­recht­li­che Strei­tig­kei­ten „darf sich das Land­rats­amt als Be­hör­de nicht ein­mi­schen“, so Ste­fan Grau­er, Lei­ter des Fach­be­reichs Bau­recht der Sig­ma­rin­ger Be­hör­de. Dies sei eben Sa­che der Zi­vil­ge­richts­bar­keit.

Bei der Ak­ti­on Mensch ha­be Ha­rald Er­ben, wie Spre­cher Sa­scha De­cker be­stä­tigt, 50 349,93 Eu­ro an För­der­gel­dern für den be­hin­der­ten­ge­rech­ten Um­bau des Hu­ber­tus­hau­ses be­an­tragt und bis auf 2411 Eu­ro auch er­hal­ten. Bis­lang stün­de noch et­wa die Hälf­te der ge­for­der­ten Ver­wen­dungs­nach­wei­se aus, in de­nen Hand­wer­ker oder ein Ar­chi­tekt die kor­rek­te Aus­füh­rung be­stä­ti­gen müs­sen. „Die Ver­wen­dungs­nach­wei­se müs­sen erst noch ge­prüft wer­den“, so De­cker. „Wenn wir Hin­wei­se er­hal­ten, dass das Geld nicht rich­tig ein­ge­setzt wird, be­hal­ten wir uns vor, die Sum­me zu­rück­zu­for­dern.“

„Er ist jetzt am Zug, sei­ne Schul­den zu be­zah­len“, „Mein Emp­fin­den ist es, dass hier ei­ne ge­wis­se Be­reit­schaft des Auf­trag­ge­bers fehlt, die Sa­che zu be­rei­ni­gen“,

FO­TOS (3): HEL­MUT STROP­PEL

Schrei­ner Cars­ten Heidtmann sagt, er ha­be Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten am Hu­ber­tus­haus in Beu­ron vor­ge­nom­men, und sei da­für nicht be­zahlt wor­den.

Das Hu­ber­tus­haus in Beu­ron ist ei­ne denk­mal­ge­schütz­te Vil­la. Sie war einst Sitz der Ober­förs­te­rei des Hau­ses Ho­hen­zol­lern.

Der Na­mens­ge­ber: der Hei­li­ge Hu­ber­tus.

FO­TO: PR

Cars­ten Heidtmann

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