Vol­ler Ran­zen zum klei­nen Preis in Alts­hau­sens Neu­er Welt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - LEBENSART -

s ist nicht leicht, ge­gen den Mas­sen­ge­schmack an­zu­schrei­ben und da­mit letzt­end­lich ge­gen ein Re­stau­rant, das of­fen­bar au­ßer­or­dent­lich er­folg­reich mit dem ist, was es an­bie­tet. Um­so schwie­ri­ger, die fol­gen­den Zei­len so zu for­mu­lie­ren, dass der Gas­tro­nom ei­ner­seits den an­ge­brach­ten Re­spekt für sei­ne Ar­beit spürt. Denn den hat er – und sein sehr freund­li­ches Per­so­nal – un­be­dingt ver­dient. Und an­de­rer­seits ekla­tan­te Schwä­chen nicht zu ver­schwei­gen, nur weil das Lo­kal gut ge­füllt ist. Al­so, ver­su­chen wir die­sen Spa­gat, der üb­ri­gens die Piz­ze­ria Neue Welt in Alts­hau­sen be­trifft.

Nach der Vor­spei­se sagt ein Be­glei­ter: „Das war die schlech­tes­te Ca­pre­se, die ich je ge­ges­sen ha­be.“Na­tür­lich ist die­se Ein­zel­mei­nung ein we­nig scharf vor­ge­tra­gen. Doch bei ge­nau­em Hin­schme­cken nicht un­be­grün­det. Die wei­ßen Kä­se­schei­ben zwi­schen den To­ma­ten sind für ge­wöhn­lich aus Moz­za­rel­la. Hier kommt aber ein omi­nö­ses Kä­se­kon­strukt zum Ein­satz, das eher an halb­fes­ten Schnitt­kä­se er­in­nert, ei­gen­ar­tig fet­tig schmeckt, sich im Mund sehr tro­cken an­fühlt und nichts von der sei­di­gen Zart­heit ei­nes ech­ten Moz­za­rel­la be­sitzt. Dass dar­über Zwie­beln und ge­trock­ne­te Pe­ter­si­lie ge­streut sind, macht die Sa­che nicht bes­ser, zu­mal die­se ita­lie­ni­sche Vor­spei­se von fri­schem Ba­si­li­kum lebt, das hier gänz­lich fehlt. Zu al­lem Über­fluss schwimmt das Ge­richt in ei­ner papp­sü­ßen Bal­sa­mi­co-Tun­ke. Ein biss­chen Licht geht beim Mee­res­früch­tesa­lat auf: Zart ge­bra­te­ne und gut ab­ge­schmeck­te Tin­ten­fisch­chen, Mu­scheln und Gar­ne­len sind über ei­nem ko­los­sa­len Sa­lat auf­ge­türmt. Von Erich Nyffe­negger Grund­sätz­lich recht schmack­haft, auch wenn das wei­ße Dres­sing nichts wei­ter als flüs­si­ge Lan­ge­wei­le ist. Beim Be­stel­len der Haupt­gän­ge er­lebt ein Tisch­ge­nos­se ei­ne saf­ti­ge Über­ra­schung: Er ver­trägt To­ma­ten nicht be­son­ders gut, dar­um fragt er, ob es mög­lich ist, bei der Piz­za ein­fach die To­ma­ten­so­ße weg­zu­las­sen. Zum Er­stau­nen des gan­zen Ti­sches sagt die Be­die­nung, die kurz beim Piz­za­bä­cker nach­ge­fragt hat: „Nein.“Da­bei steht auf der Spei­se­kar­te voll­mun­dig: „Ha­ben Sie ei­nen be­son­de­ren Wunsch, so scheu­en Sie sich nicht, da­nach zu fra­gen.“Er­staunt wählt der Ab­ge­blitz­te al­so Pen­ne in Gor­gon­zo­la-So­ße. De­ren größ­te Schwä­che sind die ver­koch­ten Nu­deln – die So­ße selbst schmeckt or­dent­lich.

Al­le ku­li­na­ri­schen Hoff­nun­gen ru­hen jetzt auf der Piz­za aus dem im­po­san­ten St­ein­ofen, vor dem ein Piz­za­bä­cker kunst­voll den Teig durch die Luft wir­belt. Er­freu­lich ist der luf­ti­ge Bo­den, knusp­rig und aro­ma­tisch ge­ba­cken. Der Be­lag glänzt mit fri­schen Pil­zen und Gor­gon­zo­la. Der Spi­nat in­des ent­täuscht: Es han­delt sich um stroh­tro­cke­ne Nes­ter, die im Mund an ab­ge­stan­de­nen Schwarz­tee er­in­nern.

Be­stimmt ma­chen die Prei­se ei­nen Teil der Be­liebt­heit der Neu­en Welt aus. Die Marg­he­ri­ta kos­tet zum Bei­spiel 5,30 Eu­ro, ein Glas Mi­ne­ral­was­ser ei­nen Eu­ro. Aus Sicht des Gas­tro­no­men ist es na­tür­lich stim­mig, Gäs­ten ge­nau das güns­tig an­zu­bie­ten, wo­nach sie ver­lan­gen. Denn un­ab­läs­sig be­tre­ten Men­schen den Gast­raum, die ent­we­der Platz neh­men oder sich ih­re vor­be­stell­ten Piz­zen für zu Hau­se ab­ho­len. Al­so: Hut ab vor die­sem Kon­zept.

Mit der Lie­be zu gu­tem und au­then­ti­schem ita­lie­ni­schen Es­sen hat das al­ler­dings nichts zu tun. Bil­lig zwar, aber auch kei­nen Cent mehr wert als es kos­tet. Piz­ze­ria Neue Welt Eben­wei­ler Stra­ße 2 88361 Alts­hau­sen Te­le­fon 07584-1212 www.piz­ze­ria-neue­welt.de Ge­öff­net Di­ens­tag bis Sonn­tag von 11.30 bis 14 Uhr und von 17 bis 22 Uhr, Mon­tag von 17 bis 22 Uhr, Mon­tag­mit­tag ge­schlos­sen. Haupt­ge­rich­te 5,30 bis 13,50 Eu­ro. Al­le „Auf­ge­ga­belt“-Fol­gen von Erich Nyffe­negger sind im In­ter­net zu fin­den un­ter schwa­ebi­sche.de/ auf­ge­ga­belt

FO­TO: NYF

Ein kos­ten­güns­ti­ger Klas­si­ker aus dem St­ein­ofen: Piz­za mit Pil­zen, Gor­gon­zo­la und Spi­nat.

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