Wann Po­li­zei bei Un­fäl­len ver­zicht­bar ist

Au­to­fah­rer dür­fen ge­ring­fü­gi­ge Sach­schä­den auch selbst do­ku­men­tie­ren

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - AUTO & VERKEHR -

ach ei­nem Ver­kehrs­un­fall muss im­mer die Po­li­zei ge­ru­fen wer­den, be­haup­ten vie­le Au­to­fah­rer. Das stimmt je­doch nicht. Für Klei­nig­kei­ten braucht es die Ord­nungs­hü­ter nicht un­be­dingt. Han­sGe­org Mar­mit, ein Kfz-Ex­per­te bei der Sach­ver­stän­di­gen-Or­ga­ni­sa­ti­on KÜS, er­läu­tert die Ein­zel­hei­ten und gibt Ver­hal­ten­s­tipps:

„Beim Au­spar­ken, Ran­gie­ren oder im Stop-and-go-Ver­kehr kommt es schnell zu Kol­li­sio­nen mit Krat­zern, Beu­len oder ka­put­ten Schein­wer­fern, da ge­nügt nur ein Mo­ment Un­auf­merk­sam­keit. Grund­sätz­lich rückt die Po­li­zei auch zu ei­nem sol­chen, so­ge­nann­ten Ba­ga­tell­un­fall aus. Man soll­te sich aber auf ei­ne län­ge­re War­te­zeit ein­stel­len.

Was vie­le Au­to­fah­rer nicht wis­sen: In die­sen Ba­ga­tell­fäl­len ver­langt die Kfz-Ver­si­che­rung kei­ne po­li­zei­li­che Un­fall­auf­nah­me, um den Scha­den zu re­gu­lie­ren. Man muss al­so nicht im­mer die Po­li­zei ru­fen, son­dern kann Un­fäl­le mit ge­ring­fü­gi­gen Sach­schä­den auch selbst do­ku­men­tie­ren. Da­bei fer­tigt man dann ein Protokoll an, das die glei­chen In­for­ma­tio­nen be­inhal­tet wie ei­ne Sach­ver­halts­fest­stel­lung der Po­li­zei. Als An­halts­punkt, was no­tiert wer­den muss, kann zum Bei­spiel der Eu­ro­päi­sche Un­fall­be­richt die­nen. Man be­kommt ihn bei der Ver­si­che­rung und soll­te ihn im Au­to de­po­nie­ren.

Fest­ge­hal­ten wer­den soll­ten un­ter an­de­rem die Kenn­zei­chen der am Un­fall be­tei­lig­ten Fahr­zeu­ge so­wie Na­men und Adres­sen der Fah­rer. Es ist zu­dem rat­sam, sich den Aus­weis zei­gen zu las­sen. Do­ku­men­tiert wer­den au­ßer­dem Ort und Zeit des Un­falls, die Um­stän­de und die Schä­den am Au­to. Ei­ne Un­fall­skiz­ze ver­an­schau­licht den Her­gang. Fo­tos aus ver­schie­de­nen Blick­win­keln sind sinn­voll. Gibt es Zeu­gen, no­tiert man de­ren Na­men und Adres­sen. Zum Schluss un­ter­schrei­ben bei­de Un­fall­be­tei­lig­te das Protokoll. Ein neu­tra­les Un­fall­pro­to­koll gilt nicht als Schuld­an­er­kennt­nis, denn das soll­te man auf kei­nen Fall un­ter­schrei­ben.

Es gibt aber auch Fäl­le, bei de­nen man im­mer die Po­li­zei ru­fen soll­te – bei­spiels­wei­se wenn Men­schen ver­letzt wur­den oder der Un­fall­her­gang strit­tig ist. Wenn man den Ein­druck hat, dass der Crash vor­ge­täuscht wur­de oder dass der Un­fall­geg­ner ge­trun­ken oder Dro­gen ge­nom­men hat, ist es eben­falls bes­ser, die Be­am­ten zu Ra­te zu zie­hen.“(spx)

FO­TO: HUK-CO­BURG

Der Eu­ro­päi­sche Un­fall­be­richt hilft bei der An­fer­ti­gung ei­nes Pro­to­kolls.

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