Be­zie­hungs­dra­ma: Staats­an­walt­schaft sieht kei­nen Haft­grund

Tat­ver­däch­ti­ger bleibt nach Mes­ser­at­ta­cke ge­gen Mäd­chen in Ra­vens­burg auf frei­em Fuß

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Bert­hold Ru­eß

RA­VENS­BURG - Der 18-Jäh­ri­ge, der am Mitt­woch in der Ra­vens­bur­ger In­nen­stadt ein 16-jäh­ri­ges Mäd­chen mit meh­re­ren Mes­ser­sti­chen schwer ver­letzt ha­ben soll, be­fin­det sich auf frei­em Fuß. Die Staats­an­walt­schaft geht von ei­ner Be­zie­hungs­tat aus, das Mäd­chen ha­be sich wohl von dem Mann tren­nen wol­len. Er­mit­telt wird we­gen ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung. Der Tä­ter ha­be nicht die Ab­sicht ge­habt, sein Op­fer zu tö­ten, so die Staats­an­walt­schaft.

Dass für den jun­gen Mann kei­ne Un­ter­su­chungs­haft an­ge­ord­net wur­de, stößt bei man­chen auf Un­ver­ständ­nis, wie Kom­men­ta­re in der On­line-Aus­ga­be der „Schwä­bi­schen Zei­tung“und in der In­ter­net­platt­form Face­book zei­gen. Die Aus­stel­lung ei­nes Haft­be­fehls sei an kla­re recht­li­che Vor­aus­set­zun­gen ge­bun­den, er­läu­ter­te die Ers­te Staats­an­wäl­tin Chris­ti­ne Weiss auf An­fra­ge. Zwar be­ste­he drin­gen­der Tat­ver­dacht, doch müs­se au­ßer­dem min­des­tens ei­ner der fol­gen­den Haft­grün­de vor­lie­gen: ein Ka­pi­tal­ver­bre­chen, Flucht­ge­fahr so­wie Ver­dun­ke­lungs­ge­fahr. Da nie­mand ge­tö­tet wur­de und nicht zu be­fürch­ten sei, dass sich der Ver­däch­tig­te durch Flucht oder Be­sei­ti­gung von Be­weis­mit­teln der Ver­ant­wor­tung ent­zie­he, wä­re ei­ne Haft recht­lich un­ver­hält­nis­mä­ßig, so Weiss. Er sei straf­recht­lich auch noch nie auf­fäl­lig ge­wor­den.

Er­mit­telt wird we­gen schwe­rer Kör­per­ver­let­zung: „Es ist nach der­zei­ti­gem Stand der Er­mitt­lun­gen nicht von ei­nem Tö­tungs­vor­satz aus­zu­ge­hen“. Der Tat­ver­däch­ti­ge hat­te zwar das Mäd­chen so schwer ver­letzt, dass sie ope­riert wer­den muss­te. „Er woll­te sie ver­let­zen, ihr Schmer­zen zu­fü­gen – aber er woll­te sie nicht um­brin­gen“, fasst Weiss den Stand der Er­mitt­lun­gen zu­sam­men. „Selbst wenn – theo­re­tisch – zu­nächst ein Tö­tungs­vor­satz ge­ge­ben wä­re, lä­ge ein Rück­tritt vom Ver­such vor“, be­tont Weiss. Der Mann ha­be „aus au­to­no­men Grün­den“von ei­ner wei­te­ren Tat­aus­füh­rung ab­ge­se­hen und nicht, weil er von je­man­dem da­von ab­ge­hal­ten wor­den sei. Tä­ter zählt als Her­an­wach­sen­der Mit 18 Jah­ren ist der Tat­ver­däch­ti­ge for­mell zwar voll­jäh­rig, kann aber als Her­an­wach­sen­der nach Ju­gend­straf­recht be­han­delt wer­den. „Der Er­zie­hungs­ge­dan­ke steht im Vor­der­grund“, be­schreibt Weiss den Un­ter­schied zum all­ge­mei­nen Straf­recht. Auf Her­an­wach­sen­de im Al­ter zwi­schen 18 und 20 wird Ju­gend­straf­recht an­ge­wen­det ent­we­der auf­grund ih­res Ent­wick­lungs­stan­des, der dem ei­nes Ju­gend­li­chen ent­spricht, oder weil es sich bei ih­rer Tat um ei­ne Ju­gend­ver­feh­lung han­delt.

Staats­an­wäl­tin Chris­ti­ne Weiss be­rich­tet über den Stand der Er­mitt­lun­gen in ei­nem Vi­de­obei­trag von Re­gio TV. Sie fin­den ihn auch on­line un­ter www.schwa­ebi­sche.de/be­zie­hungs­tat

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