Räu­ber sind auch heu­te noch fas­zi­nie­rend

Haupt­la­ger des Schwar­zen Ve­ri be­fand sich bei Spöck – Kö­nigs­egg­wal­der Nar­ren­grup­pe er­in­nert an die Gau­ner

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OSTRACH - Von Bar­ba­ra Baur

OSTRACH/KÖNIGSEGGWALD - Fast 200 Jah­re ist es her, dass Räu­ber­ban­den Ober­schwa­ben un­si­cher ge­macht ha­ben. Zur Le­gen­de ge­wor­den ist vor al­lem Xaver Ho­hen­lei­ter, der un­ter sei­nem Spitz­na­men Schwar­zer Ve­ri be­kannt ist. Das dürf­te vor al­lem an sei­nem spek­ta­ku­lä­ren Tod lie­gen. Er wur­de vom Blitz ge­trof­fen, der am 2. Ju­li 1819 in sei­nen Ker­ker ein­schlug, den Ehin­ger Turm in Biberach.

„Aus mei­ner Sicht wa­ren die Räu­ber um den Schwar­zen Ve­ri kei­ne Schwerst­ver­bre­cher – aber sie wa­ren auch kei­ne Ro­bin Hoods“, sagt Ger­hard Fet­scher, Hei­mat­for­scher aus Ostrach. Mit dem Hei­mat- und Ge­schichts­ver­ein hat er das Le­ben des Räu­bers his­to­risch auf­ge­ar­bei­tet, so­dass sich die Be­su­cher im Hei­mat­mu­se­um im Amts­haus auf Spu­ren­su­che be­ge­ben kön­nen.

Die Ban­de um den Schwar­zen Ve­ri war jung. Er selbst war ge­ra­de ein­mal 31 Jah­re alt, als er starb. „Die Ban­de be­stand aus jun­gen Men­schen, die kei­ne Ar­beit und kei­ne Per­spek­ti­ve hat­ten“, sagt Ger­hard Fet­scher. „Sie kehr­ten aus den na­po­leo­ni­schen Krie­gen zu­rück und hat­ten nichts ge­lernt.“Vie­le stamm­ten aus so­zi­al schwa­chen Fa­mi­li­en. Hin­zu kam ei­ne Hun­ger­kri­se, die durch den Aus­bruch des Vul­kans Tam­bo­ra im Jahr 1815 in In­do­ne­si­en aus­ge­löst wur­de. Weil Asche die Son­ne ver­dun­kel­te, fiel auch in Ober­schwa­ben zwei­mal die Ern­te aus.

Doch auch wenn die Räu­ber arm und kri­mi­nell wa­ren, er­scheint aus heu­ti­ger Sicht ihr un­an­ge­pass­tes Le­ben oh­ne fes­ten Wohn­sitz fas­zi­nie­rend. Sie leb­ten in gut ge­tarn­ten Hüt­ten im Wald. Die Ban­de des Schwar­zen Ve­ri hat­te ihr Haupt­la­ger in der Nä­he des Schlöss­le­hofs bei Spöck. Und auch das Gast­haus im Dorf, das da­mals noch im ho­hen­zol­le­ri­schen Herr­schafts­ge­biet lag, dien­te ih­nen als Schlupf­win­kel. „Sie klau­ten zwar vor al­lem Le­bens­mit­tel, aber wenn sie et­was mit­nah­men, was Geld brin­gen konn­te, ver­sil­ber­ten sie es in den Heh­ler­wirt­schaf­ten“, be­rich­tet Fet­scher, „denn man­che Wir­te wa­ren Heh­ler.“

Die Räu­ber pro­fi­tier­ten da­von, dass Ober­schwa­ben nur sehr dünn be­sie­delt war. Ziel ih­rer Über­fäl­le wa­ren Ein­zel­hö­fe, aber sie bra­chen auch in klei­nen Wei­lern und Dör­fern ein. Un­ter an­de­rem ge­hen Ein­brü­che in Vor­see, Un­ter­wei­ler, Wald­beu­ren und Hüt­ten­reu­te auf ihr Kon­to. Sie stah­len Rauch­fleisch, Klei­der, Schu­he, Schmalz und Brot. Ver­bürgt ist auch der Dieb­stahl ei­nes Och­sen in Ar­nach bei Bad Wurzach. Die Räu­ber sol­len dem Tier Stie­fel an­ge­zo­gen ha­ben, um Spu­ren zu ver­wi­schen. Doch sie wa­ren nicht nur lis­tig und ein­falls­reich: Zum Teil wand­te die Ban­de ro­he Ge­walt an, um aus den Bau­ern ge­hei­me Geld­ver­ste­cke her­aus­zu­be­kom­men. Der Rück­zug ist leicht mög­lich Ein un­ge­mei­ner Vor­teil war für die Räu­ber, dass es in der Re­gi­on drei Herr­schaf­ten gab: War Spöck ho­hen­zol­le­risch, wa­ren die Nach­bar­or­te Burg­wei­ler und Dich­ten­hau­sen schon ba­disch, und bei Laub­bach be­gann Würt­tem­berg. Dem­ent­spre­chend schnell konn­te die Ban­de nach ei­nem Raub­zug über die Gren­ze ge­lan­gen, so­dass die Po­li­zei sie nicht wei­ter ver­fol­gen durf­te. Die Hö­fe in ih­rer di­rek­ten Nach­bar­schaft und ent­lang ih­rer Haupt­rou­ten sol­len sie üb­ri­gens ver­schont ha­ben. Auch die un­weg­sa­me Land­schaft des Pf­run­ger-Burg­wei­ler Rieds mach­ten sie sich zu­nut­ze, um Ver­fol­ger ab­zu­schüt­teln und um sich dort nach ih­ren Raub­zü­gen zu ver­ste­cken.

Nach­dem die Räu­ber seit En­de 1817 ihr Un­we­sen ge­trie­ben hat­ten, wur­de die Po­li­zei­prä­senz ver­stärkt, Un­ter­stüt­zung er­hielt die Po­li­zei von ört­li­chen Forst­be­diens­te­ten. Nach­dem die Ban­de am 16. April 1819 zum wie­der­hol­ten Ma­le die Laub­ba­cher Müh­le über­fal­len hat­te, wur­de ein Teil von ih­nen von ei­nem Förs­ter des Gra­fen von Kö­nigs­egg ge­stellt. Der Xaver Ho­hen­lei­ter wird ge­mein­sam mit sei­nem Kom­pa­gnon Fried­rich Klump ge­fan­gen ge­nom­men. Die bei­den wer­den we­ni­ge St­un­den in Königseggwald fest­ge­setzt und dann in Biberach in­haf­tiert.

Das Hei­mat­mu­se­um Ostrach plant ei­ne Son­der­aus­stel­lung zur Ban­de des Schwar­zen Ve­ri. Sie soll En­de 2017 zu se­hen sein.

FO­TO: BAR­BA­RA BAUR

Ger­hard Fet­scher vom Hei­mat­mu­se­um Ostrach weiß, wo sich das das Haupt­la­ger der Räu­ber­ban­de um den Schwar­zen Ve­ri be­fand.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.