Rös­le Reck setzt Krau­chen­wies ein Denk­mal

Seit ein paar Jah­ren lebt die Dich­te­rin in der Ge­mein­de und wid­met ihr ein Buch

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Ve­ra Ro­meu

KRAU­CHEN­WIES - Die Mun­d­art­dich­te­rin Rös­le Reck hat ih­rem Pu­bli­kum mit ei­ner Le­sung aus ih­rem neu­en Buch „Mei Zeit in Krau­chen­wies“ei­ne gro­ße Freu­de ge­macht. Ein­ge­la­den hat­te das Bil­dungs­werk der Kir­chen­ge­mein­de Krau­chen­wies-Rulfingen, durch den Nach­mit­tag führ­te der Vor­sit­zen­de Ge­org Bin­der. Der Ge­mein­de­saal war voll be­setzt; al­le freu­ten sich, der Dich­te­rin mal wie­der zu­hö­ren zu dür­fen. Rös­le Reck hat Krau­chen­wies mit die­ser neu­en Pu­bli­ka­ti­on ein schö­nes und fein­sin­ni­ges Denk­mal ge­setzt. Die Fo­to­gra­fin Bir­git Härtl stell­te Bil­der da­zu, die wäh­rend der Le­sung zum je­wei­li­gen Ge­dicht ge­zeigt wur­den.

Die be­tag­te Dich­te­rin ist vol­ler Ener­gie. Mit wa­chen Au­gen und vol­ler Em­pa­thie geht sie durch den Ort, in dem sie nun seit zehn Jah­ren wohnt. Rös­le Reck wuchs in Wilf­lin­gen auf, leb­te lan­ge in Rulfingen und ist im Al­ter ins Krau­chen­wie­ser Se­nio­ren­heim um­ge­zo­gen. Dort schlug sie neue Wur­zeln und fand ei­ne neue Hei­mat mit star­ken Be­zugs­punk­ten. Es ent­ste­hen schwä­bi­sche Tex­te, die mit gro­ßer Warm­her­zig­keit und ver­schmitz­tem Hu­mor von ih­rem Um­feld er­zäh­len. In ih­rem All­tag ver­dich­tet sich je­de Klei­nig­keit, je­des Bild, je­der Ge­dan­ke und be­kommt in schwä­bi­schen Wor­ten ei­ne poe­ti­sche Form. Der Kranz an ih­rer Tür ist Schmuck, aber auch Ein­la­dung vor­bei­zu­kom­men und „itt bloß schaf­fa, au mol schwätza“, liest die Dich­te­rin mit fes­ter Stim­me.

Sie hat sich in ih­rem neu­en Le­ben ein­ge­rich­tet und ge­nießt die Nä­he der In­fra­struk­tur: Lä­den, Rat­haus, Fri­seur, Wein­lo­kal. „Des moss ma lo­ba, bloß d’ Kirch ischt halt hoch oba“, sag­te sie mit ei­ner Pri­se Hu­mor. Im­mer wie­der muss­te das Pu­bli­kum herz­lich la­chen, wenn sie Din­ge tro­cken fest­stell­te. Die Stim­mung in der Ge­mein­schafts­praxis ge­gen­über mag sie sehr: Dort ge­be es kei­ne Göt­ter in Weiß, die Hel­fe­rin­nen lä­chel­ten trotz Stress, und im War­te­zim­mer „schwät­zet d’ Leit, es send meis­tens al­te, die hand Zeit“. Sie fühlt sich auf­ge­ho­ben. Sie holt die to­ten Sol­da­ten zu­rück und gibt ih­nen lei­se ei­nen Platz In Krau­chen­wies hat Rös­le Reck ei­nen neu­en Freund ge­fun­den: den fürst­li­chen Park. Dort ver­bringt sie vie­le St­un­den, ge­nießt die At­mo­sphä­re, re­det mit Baum, Ge­wäs­ser und Bänk­le. Sie be­schreibt al­les in klei­nen Per­len der schwä­bi­schen Mun­d­art. Sie ver­weilt vor dem Sol­da­ten­grab und spricht mit den Ge­fal­le­nen. Sie stellt sich vor, wenn ei­ne Ku­gel sie nicht töd­lich ge­trof­fen hät­te, dann wä­ren sie hier, viel­leicht wür­den sie mit ihr auf dem Bänk­le sit­zen. So holt sie die to­ten Sol­da­ten ins dörf­li­che Le­ben zu­rück und gibt ih­nen ganz lei­se und still ei­nen Platz. Rös­le Reck schaut die Din­ge ein­fach an, und es er­schlie­ßen sich ihr erns­te Hin­ter­grün­de und der tie­fe­re Sinn. Dar­aus macht sie schein­bar ein­fa­che Ge­dich­te, die in schwä­bi­scher Spra­che aber vol­ler Aus­drucks­kraft sind. Auch die Ge­bäu­de des Or­tes spre­chen mit ihr. Dem Rat­haus, in dem flei­ßi­ge Leu­te sit­zen, die aber von „Re­vo­luz­zern“kri­ti­siert wer­den, wid­met sie ein hu­mor­vol­les Ge­dicht. Dem Mar­stall, der vom Künst­ler Jo­sef Alex­an­der Hen­sel­mann auf­wen­dig re­stau­riert wur­de, spricht sie ih­re Be­wun­de­rung aus. Man hört, dass sie an­ge­kom­men ist und Be­scheid weiß.

Im­mer wie­der flie­ßen phi­lo­so­phi­sche Ge­dan­ken ein. Sie denkt über das Wort nach, das ein Pfeil sein kann. Die­ser kann den Weg wei­sen, aber auch töd­lich ver­let­zen; dar­an sei­en schon vie­le Freund­schaf­ten ge­stor­ben, schreibt Rös­le Reck. „Ho­i­met“ist ein wich­ti­ger Punkt: In der sich ver­än­dern­den Welt, nach meh­re­ren Um­zü­gen, bleibt die Mun­d­art die be­stän­di­ge Hei­mat. Nach to­sen­dem Ap­plaus si­gnier­te die Dich­te­rin vie­le Bü­cher. Das Buch „Mei Zeit in Krau­chen­wies“ist im Gmei­ner-Ver­lag er­schie­nen und kos­tet 12,50 Eu­ro.

FOTO: VE­RA RO­MEU

Rös­le Reck liest im voll be­setz­ten Ge­mein­de­saal aus ih­rem neu­en Buch.

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