Zep­pe­lin-Stif­tung: Uren­kel schei­tert

Al­brecht von Bran­den­stein-Zep­pe­lin wird im Stif­tungs­streit nun wohl vor Ge­richt zie­hen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Mar­tin Hen­nings

FRIED­RICHS­HA­FEN (mh) - An­trag ab­ge­lehnt: Al­brecht von Bran­den­stein-Zep­pe­lin, Uren­kel des Luft­schiff­gra­fen Fer­di­nand, ist mit dem Ver­such ge­schei­tert, die Zep­pe­linStif­tung der Kon­trol­le der Stadt Fried­richs­ha­fen zu ent­zie­hen. Die Über­tra­gung der Stif­tung, der der größ­te Teil des Zu­lie­fe­rers ZF ge­hört, an die Kom­mu­ne im Jahr 1947 sei rech­tens ge­we­sen, ent­schied das Re­gie­rungs­prä­si­di­um Tü­bin­gen. Der Graf hat an­ge­kün­digt, ge­gen die Ent­schei­dung zu kla­gen. SEI­TE 8

FRIED­RICHS­HA­FEN - Kla­re An­sa­ge aus Tü­bin­gen: Der An­trag auf Wie­der­her­stel­lung der al­ten Zep­pe­linStif­tung ist laut Re­gie­rungs­prä­si­di­um (RP) un­zu­läs­sig und un­be­grün­det. An­trag­stel­ler Al­brecht von Bran­den­stein-Zep­pe­lin, Uren­kel des Luft­schiff­gra­fen Fer­di­nand, will nun vor Ge­richt zie­hen, um die Stif­tung der Kon­trol­le der Stadt Fried­richs­ha­fen (Bo­den­see­kreis) zu ent­zie­hen.

Im Fried­richs­ha­fe­ner Rat­haus hat die Nach­richt aus Tü­bin­gen vor­weih­nacht­li­che Freu­de aus­ge­löst. „Die Rechts­auf­fas­sung von Stadt und Zep­pe­lin-Stif­tung ist da­mit in vol­lem Um­fang be­stä­tigt wor­den“, sagt Ober­bür­ger­meis­ter Andre­as Brand. Es wer­de „zum wie­der­hol­ten Ma­le un­ter­mau­ert, was in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten be­reits mehr­fach von den re­le­van­ten In­sti­tu­tio­nen ent­schie­den wur­de: Die heu­ti­ge Stif­tung ist recht­mä­ßig, die al­te Stif­tung ist tot.“

Al­brecht von Bran­den­stein-Zep­pe­lin nann­te die Ent­schei­dung ei­nen „An­schlag auf das Stif­tungs­we­sen ins­ge­samt. Denn wenn ein Stif­ter nicht mehr die Ge­wiss­heit ha­ben kann, dass sei­ne Stif­tung er­hal­ten und sein Stif­ter­wil­le be­ach­tet wird und die Stif­tungs­auf­sichts­be­hör­de hier­für nicht mehr sorgt, dann wird das Fun­da­ment des deut­schen Stif­tungs­we­sens ins­ge­samt be­schä­digt.“ Geld, Ge­schich­te und Macht Ein Streit, des­sen An­fang fast 70 Jah­re zu­rück­liegt. 500 Sei­ten vol­ler ju­ris­ti­scher Ar­gu­men­te, ak­ten­ord­ner­wei­se An­la­gen. Ei­ne RP-Ent­schei­dung von 161 Sei­ten: Der Kon­flikt um die Zep­pe­lin-Stif­tung ist ein au­ßer­ge­wöhn­li­cher Fall, der sich um Geld, Ge­schich­te und Macht dreht.

Ge­grün­det wur­de die Stif­tung im Jahr 1908 vom Luft­schiff­pio­nier Fer­di­nand von Zep­pe­lin. Die Stif­tung war Kern des Zep­pe­lin-Kon­zerns, der auch bei der Auf­rüs­tung der 1930erJah­re ei­ne wich­ti­ge Rol­le spiel­te. 1947 wur­de die Stif­tung auf die Stadt Fried­richs­ha­fen über­tra­gen. Mög­lich wur­de dies durch ei­ne Vor­schrift in der Stif­tungs­sat­zung, nach der die Stadt ein­sprin­gen kann, wenn der Stif­tungs­zweck – För­de­rung des Luft­schiff­baus – nicht mehr mög­lich sei.

Ak­tu­ell hält die Zep­pe­lin-Stif­tung 93,8 Pro­zent der An­tei­le am welt­weit dritt­größ­ten Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rer ZF und 100 Pro­zent am Bau­ma­schi­nen­händ­ler Zep­pe­lin Gm­bH. Die Di­vi­den­den der Un­ter­neh­men sind die Haupt­ein­nah­me­quel­le der Stif­tung. Aus die­sem Topf sind im lau­fen­den Jahr 16,6 Mil­lio­nen Eu­ro an Zu­schüs­sen an Fried­richs­ha­fe­ner Kin­der­gär­ten und Ki­tas in kirch­li­cher und frei­er Trä­ger­schaft ge­flos­sen. Die Stif­tung för­dert auch Bau­pro­jek­te wie Mu­sik­schu­le oder Schwimm­bä­der.

Mit all­dem ist der Uren­kel des Gra­fen nicht ein­ver­stan­den. Des­halb hat er am 24. Sep­tem­ber 2015 be­an­tragt, die Stif­tung in ur­sprüng­li­cher Form wie­der­her­zu­stel­len. Die neue al­te Stif­tung sol­le sich wie­der der Luft- und Raum­fahrt wid­men, for­dert der Ade­li­ge aus Mit­tel­bi­berach (Kre­si Bi­be­rach). Das Re­gie­rungs­prä­si­di­um hat die­sen An­trag nun ab­ge­lehnt, mit meh­re­ren Be­grün­dun­gen. So sei die 1947 er­las­se­ne An­ord­nung „in Form ei­nes Ge­set­zes“er­folgt. Ei­nen sol­chen Schritt rück­gän­gig zu ma­chen, sei „Ge­rich­ten vor­be­hal­ten“, schreibt das RP. Der Be­schluss von 1947 sei kein un­zu­läs­si­ges Ein­zel­fall­ge­setz, die Auf­he­bung der Stif­tung un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Zeit­um­stän­de ver­tret­bar ge­we­sen. Rechts­schutz­be­dürf­nis fehlt Weil Mit­glie­der der Fa­mi­lie 1952 und 1990 Er­klä­run­gen zum Ver­zicht auf Rech­te an der Stif­tung un­ter­schrie­ben ha­ben, feh­le den An­trag­stel­lern „ein Rechts­schutz­be­dürf­nis“. Au­ßer­dem sei „an­ge­sichts des Zeit­ab­laufs und der Ge­samt­um­stän­de des Fal­les das Recht ver­wirkt“, die Wie­der­her­stel­lung der Stif­tung zu for­dern.

„Das Re­gie­rungs­prä­si­di­um hat es sich zu ein­fach ge­macht“, sagt Bran­den­stein-Zep­pe­lin. Er wer­de die Ent­schei­dung „auch im In­ter­es­se des ge­sam­ten deut­schen Stif­tungs­we­sens“dem Ver­wal­tungs­ge­richt in Sig­ma­rin­gen

FO­TO: LIX

Nie­der­la­ge in Run­de eins: Al­brecht von Bran­den­stein-Zep­pe­lin.

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