Kri­mi­se­rie an Weih­nach­ten im TV

Toll treibt es ein Fa­mi­li­en­clan im Vier­tei­ler „Pre­gau – mör­de­ri­sches Tal“über die Fei­er­ta­ge

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Bar­ba­ra Wald­vo­gel

RAVENSBURG (ba­wa) - Der deutsch­ös­ter­rei­chi­sche Vier­tei­ler „Pre­gau – mör­de­ri­sches Tal“will es mit in­ter­na­tio­na­len Kri­mi­pro­duk­tio­nen auf­neh­men. Über die Fei­er­ta­ge bit­tet das Ers­te zu ei­nem sechs­stün­di­gen Hor­ror­trip in die Tie­fen ei­nes Fa­mi­li­en­clans vor idyl­li­scher Ku­lis­se. Haupt­fi­gur ist Po­li­zist Han­nes Bu­cher (Ma­xi­mi­li­an Brück­ner), des­sen Ehe brö­ckelt und der ei­nen fa­ta­len Feh­ler be­geht. Zu­neh­mend zieht sich wäh­rend der Kri­mi­se­rie die Sch­lin­ge en­ger um sei­nen Hals. SEI­TE 9

RAVENSBURG - Die Ka­me­ra schwenkt ge­nüss­lich über Ber­ge, Se­en und Wäl­der der Stei­er­mark – Po­li­zist Han­nes Bu­cher ar­bei­tet au­gen­schein­lich in ei­ner idyl­li­schen Land­schaft. Aber da­mit es je­der gleich be­greift, rückt schon der plum­pe Ti­tel die­sen Ein­druck zu­recht: Pre­gau liegt in ei­nem mör­de­ri­schen Tal.

Sa­scha Schwin­gel, Re­dak­ti­ons­lei­ter der ARD-Pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaft De­ge­to, macht zu­dem durch den Hin­weis auf den 21:45-Uhr-Ter­min klar, was den Zu­schau­ern blüht: Der deutsch-ös­ter­rei­chi­sche Vier­tei­ler soll den sonst auf die­sen Sen­de­platz abon­nier­ten in­ter­na­tio­na­len Kri­mi­pro­duk­tio­nen wie „Wal­lan­der“oder „Sher­lock“Pa­ro­li bie­ten. So bit­tet das Ers­te vom ers­ten Weih­nachts­fei­er­tag an zu ei­nem sechs­stün­di­gen Hor­ror­trip in die tiefs­ten Tie­fen der mensch­li­chen Exis­tenz. Al­so ein kras­ser Ge­gen­ent­wurf zur Froh­bot­schaft der Fest­ta­ge. Da reibt man sich dann doch die Au­gen.

Es geht los mit dem Fir­men­ju­bi­lä­um bei den Hart­manns, die viel Geld mit ei­ner Tier­ver­wer­tungs­ge­sell­schaft ma­chen. Han­nes Bu­cher (Ma­xi­mi­li­an Brück­ner), Schwie­ger­sohn des Se­ni­or­chefs Jo­hann (Wolf­gang Böck), kommt et­was ver­spä­tet zum Fest. Er wird vom Clan sei­ner Frau Ma­ria (Ur­su­la Strauss) nicht be­son­ders ge­schätzt. Weil er in sei­ner vor­he­ri­gen Di­enst­stel­le ge­mobbt wur­de und Ma­ria wie­der zu­rück in die Hei­mat woll­te, zog man zu­sam­men mit der krän­keln­den Toch­ter San­dra (An­to­nia Jung) nach Pre­gau.

Doch seit­her zeigt Ma­ria ih­rem Gat­ten die kal­te Schul­ter. Han­nes ist sau­er. Frus­triert ver­lässt er früh­zei­tig die Fei­er und stoppt auf der Land­stra­ße ei­nen Ra­ser. Der Por­sche ge­hört Gre­gor Hölzl, doch der sitzt nur ne­ben­dran. Ge­fah­ren ist Ro­sa, die noch min­der­jäh­ri­ge Nich­te von Han­nes’ Frau, wo­bei die Hölzls und die Hart­manns sich in er­bit­ter­ter Fein­schaft zu­ge­tan sind. „Ro­meo und Ju­lia“auf stei­risch. Ro­sa hat noch kei­nen Füh­rer­schein, aber viel Al­ko­hol im Blut und kei­ne Hem­mun­gen. Sie ver­führt ih­ren Ver­wand­ten, Hölzl wird Zeu­ge der Sex­sze­ne – und Bu­cher lässt sie wei­ter­fah­ren.

„Wenn ich nicht die­sen Feh­ler ge­macht hät­te, wä­re al­les an­ders ge­kom­men. Es wä­ren auf je­den Fall nicht so vie­le Men­schen ge­stor­ben.“Al­le vier Tei­le ha­ben den glei­chen Vor­spann, und je­des Mal er­tönt Han­nes bit­te­re Selbst­an­kla­ge. Da kann man nur mit dem Kopf ni­cken. Denn wä­re Han­nes nicht so schwach ge­we­sen, hät­te er Ro­sa die Wei­ter­fahrt ver­bo­ten und sich kei­nes­falls von ihr ver­füh­ren las­sen. Es hät­te ei­ne no­ble Lö­sung der Af­fä­re ge­ge­ben.

Aber no­bel be­nimmt sich in die­sem Kaff so­wie­so nie­mand. Schon gar nicht in der Fa­mi­lie Hart­mann. Er­pres­sung, Pro­sti­tu­ti­on, In­zest, Lug und Trug be­stim­men ihr zy­ni­sches Ge­schäfts­ge­ba­ren. Je­des Mit­tel zur Durch­set­zung ei­ge­ner In­ter­es­sen wird ge­nützt. Da ist Han­nes noch ein Wai­sen­kna­be. Aber die Sch­lin­ge zieht sich im­mer en­ger um sei­nen Hals.

War­um die­ses Gru­si­cal auf vier Fol­gen breit­ge­tre­ten wur­de, ist ei­gent­lich nicht er­klär­bar. Zwar lie­gen ho­ri­zon­tal, al­so epi­so­den­über­grei­fend er­zähl­te Se­ri­en nach US-Vor­bild im Trend. Aber die­ser Vier­tei­ler von Nils Will­brandt (Buch und Re­gie) ist da­für kein pro­ba­tes Bei­spiel: Es fehlt zum ei­nen an ei­ner kom­pak­ten Dra­ma­tur­gie, es gibt zu vie­le Ak­teu­re und Ne­ben­hand­lun­gen, vor al­lem aber las­sen die meis­ten Cha­rak­te­re jeg­li­che Fein­zeich­nung ver­mis­sen. Sie tau­chen auf, spin­nen kurz am Er­zähl­fa­den mit und ver­schwin­den wie­der.

Im­mer­hin über­zeugt Ma­xi­mi­li­an Brück­ner in der Rol­le des heil­los Ge­trie­be­nen. Er ge­winnt trotz so man­cher ab­sur­den Hand­lun­gen zu­se­hends an Pro­fil und er­zwingt für die­sen Han­nes in der Ab­wärts­spi­ra­le ei­ne gu­te Por­ti­on an Em­pa­thie der Zu­schau­er. Ganz im Ge­gen­satz zu Ur­su­la Strauss als Han­nes Ehe­frau Ma­ria: Sie wirkt als fast im­mer kor­rek­te und be­herrsch­te Fir­men­toch­ter nicht sehr wan­del­bar. Stark ist Ar­min Roh­de als Klein­kri­mi­nel­ler, der – schein­bar ge­läu­tert – al­les über sich er­ge­hen lässt. Er ver­sucht vor al­lem, sei­nen selt­sa­men Bru­der Tom (Marc Ho­se­mann) von des­sen fi­xer Idee ei­nes „gro­ßen Tags“ab­zu­hal­ten. Ein Höl­len­ritt zwei­fel­los! Sonn­tag, 25., Mon­tag, 26., Di­ens­tag, 27. und Mitt­woch, 28. De­zem­ber, ARD, 21.45 Uhr.

FO­TOS: ARD DE­GE­TO/MONA FILM/PETRO DOMENIGG

Der Zu­fall hilft: Han­nes Bu­cher (Ma­xi­mi­li­an Brück­ner, li.) er­wischt den flüch­ti­gen Zu­häl­ter An­ton (Hel­mut Häus­ler). Die­ser hat im Ho­tel von Ber­talan (Tamàs Esper­jes­sy) und Ge­za (Mar­got Bin­der) ran­da­liert.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.