Atom­müll-End­la­ger drin­gend ge­sucht

Ka­bi­nett macht Vor­schlag für Ver­fah­ren – Öf­fent­lich­keit soll von An­fang an be­tei­ligt wer­den

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEINUNG & DIALOG -

BERLIN (dpa) - Das Bun­des­ka­bi­nett hat sich am Mitt­woch auf ein Ver­fah­ren für die schwie­ri­ge Su­che nach ei­nem End­la­ger für hoch ra­dio­ak­ti­ven Atom­müll ge­ei­nigt. Bis 2031 soll in Deutsch­land ein Ort ge­fun­den wer­den, an dem der strah­len­de Ab­fall ei­ne Mil­li­on Jah­re lang so si­cher wie mög­lich la­gern kann. Der Ge­setz­ent­wurf wird den Frak­tio­nen des Bun­des­tags als For­mu­lie­rungs­hil­fe vor­ge­legt. Sie sol­len das Ge­setz früh im kom­men­den Jahr in den Bun­des­tag ein­brin­gen.

Vor­schlä­ge da­für hat­te ei­ne Kom­mis­si­on er­ar­bei­tet, an der Ver­tre­ter al­ler Par­tei­en im Bun­des­tag, Wirt­schafts­ver­tre­ter, Um­welt­schüt­zer und Wis­sen­schaft­ler be­tei­ligt wa­ren. „Mit die­sem Ge­setz­ent­wurf zie­hen wir end­gül­tig ei­nen Schluss­strich un­ter die al­te Me­tho­de End­la­ger“, sag­te Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD). Nach jahr­zehn­te­lan­gem Streit hat­te der Bund die Su­che 2013 neu ge­star­tet.

Ei­ner der größ­ten Streit­punk­te war stets der Salz­stock Gor­le­ben. Nicht nur An­ti-Atom-Ak­ti­vis­ten in Nie­der­sach­sen woll­ten ihn gern im Vor­aus aus dem Ren­nen neh­men. Da Gor­le­ben so gut er­forscht ist wie sonst kein po­ten­zi­el­ler End­la­gerOrt, be­fürch­ten sie, dass da­mit schon Fak­ten ge­schaf­fen wur­den. Es wird aber kei­ne Gor­le­ben-Aus­nah­me ge­ben: Ei­ne „wei­ße Land­kar­te“ge­hört zu den Grund­sät­zen der Su­che.

Dies­mal soll auch die Öf­fent­lich­keit von An­fang an be­tei­ligt wer­den. Da­zu ge­hört, dass das Bun­des­amt für kern­tech­ni­sche Ent­sor­gungs­si­cher­heit on­line die wich­ti­gen Do­ku­men­te zu­gäng­lich macht. Ein so­ge­nann­tes Na­tio­na­les Be­gleit­gre­mi­um dient als Brü­cke zwi­schen Po­li­tik, Wis­sen­schaft und Ge­sell­schaft. Bür­ger wer­den über Fach- und Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen ein­be­zo­gen.

Die Fi­nan­zie­rung ha­ben Bun­des­tag und Bun­des­rat be­reits ver­gan­ge­ne Wo­che ge­re­gelt. Die Ener­gie­rie­sen Vat­ten­fall, Eon, RWE und EnBW sol­len bis 2022, wenn in Deutsch­land das letz­te Atom­kraft­werk vom Netz geht, et­wa 23,55 Mil­li­ar­den Eu­ro an ei­nen Staats­fonds über­wei­sen. Der soll die Zwi­schen- und End­la­ge­rung von Müll ma­na­gen, die Un­ter­neh­men kön­nen sich von der Haf­tung „frei­kau­fen“.

Der Ge­setz­ent­wurf legt Kri­te­ri­en fest, nach de­nen der Stand­ort für das künf­ti­ge End­la­ger aus­ge­wählt wird. Aus­schluss­kri­te­ri­en sind et­wa Erd­be­ben­ge­fahr oder vul­ka­ni­sche Ak­ti­vi­tät. Min­dest­an­for­de­run­gen sind ein aus­rei­chend gro­ßes Ge­län­de und mäch­ti­ges Gestein. Da­zu kom­men Ab­wä­gungs­kri­te­ri­en, an­hand de­rer mög­li­che Stand­or­te ver­gli­chen wer­den – et­wa der Ab­stand zu Wohn­ge­bie­ten, Grund­was­ser­vor­kom­men und Na­tur­schutz­ge­bie­te.

Kri­tik kam von der Um­welt­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on BUND. So feh­le et­wa ein ge­ne­rel­les Ex­port­ver­bot für hoch ra­dio­ak­ti­ven Atom­müll.

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