Tahoe baut Ein­fluss bei Al­no aus

In­ves­tor hat Zu­griff auf 40 Pro­zent des Ak­ti­en­ka­pi­tals und for­dert Sa­nie­rungs­kon­zept

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Andre­as Knoch

RAVENSBURG - Im Zu­ge der Über­nah­me des an­ge­schla­ge­nen Kü­chen­bau­ers Al­no hat die Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft Tahoe In­ves­tors ih­ren An­teil an dem Pful­len­dor­fer Un­ter­neh­men wei­ter aus­ge­baut. Wie der neue Groß­ak­tio­när am Mitt­woch mit­teil­te, ha­be Tahoe zum En­de der ers­ten An­nah­me­frist am 14. De­zem­ber Zu­griff auf 40,6 Pro­zent der Al­no-Ak­ti­en. Da­mit ha­ben sich le­dig­lich 7,4 Pro­zent der frei­en Ak­tio­nä­re für das An­ge­bot ent­schie­den und ih­re Ak­ti­en zum Preis von 50 Eu­ro­cent Tahoe ver­kauft.

Tahoe, hin­ter dem die bos­ni­sche Un­ter­neh­mer­fa­mi­lie Has­tor steht, hat­te be­reits vor der Ver­öf­fent­li­chung des Über­nah­me­an­ge­bots am 16. No­vem­ber durch meh­re­re Ak­ti­en­käu­fe und Stimm­rechts­ver­ein­ba­run­gen mit Al­no-Ak­tio­nä­ren um Un­ter­neh­mens­chef Max Mül­ler Zu­griff auf 33,2 Pro­zent der Al­no-An­tei­le. Ak­tio­nä­re, die das An­ge­bot bis­her nicht an­ge­nom­men ha­ben, kön­nen im Zei­t­raum vom 22. De­zem­ber bis zum 4. Ja­nu­ar 2017 ei­nen zwei­ten An­lauf neh­men.

Vor­stands­chef Max Mül­ler be­grüß­te den Ein­stieg der Bos­ni­er. „Wir freu­en uns, dass der Ein­stieg der im Fa­mi­li­en­be­sitz be­find­li­chen Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft als stra­te­gi­scher Groß­in­ves­tor und wich­ti­ger Dar­le­hens­ge­ber so ziel­ge­rich­tet und er­folg­reich ver­lau­fen ist, wie wir das ge­plant ha­ben. Mit Tahoe ha­ben wir ei­nen neu­en stra­te­gi­schen Groß­in­ves­tor ge­won­nen und gleich­zei­tig die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on des Al­noKon­zerns sta­bi­li­siert.“

Auch Tahoe zog ein po­si­ti­ves Zwi­schen­fa­zit der Über­nah­me. „Un­se­re Zie­le, ei­ne aus­rei­chen­de Sta­bi­li­tät in der Ak­tio­närs­struk­tur und da­mit sub­stan­zi­el­le Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten zu er­lan­gen, sind er­füllt“, hieß es in ei­ner Stel­lung­nah­me. Nun ste­he die Sa­nie­rung der Ge­sell­schaft im Vor­der­grund.

Da­mit ist Al­no-Chef Mül­ler ge­for­dert, ein trag­fä­hi­ges Kon­zept für den Kon­zern vor­zu­le­gen und schnellst­mög­lich um­zu­set­zen – denn die Bi­lanz der ver­gan­ge­nen Jah­re liest sich ver­hee­rend: Seit das schwä­bi­sche Un­ter­neh­men Mit­te der 1990er-Jah­re an die Börse ging, kämpft der Kü­chen­her­stel­ler ge­gen Über­ka­pa­zi­tä­ten und um dau­er­haft schwar­ze Zah­len. Trotz vie­ler Ma­nage­ment­wech­sel und Um­bau­ten hat Al­no in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nur Ver­lus­te ge­macht, die Schul­den sum­mie­ren sich mitt­ler­wei­le auf ei­ne Hö­he von mehr als 150 Mil­lio­nen Eu­ro. 2015 er­wirt­schaf­te­te Al­no bei ei­nem Um­satz von gut 521 Mil­lio­nen Eu­ro ei­nen Net­to­ver­lust von 4,4 Mil­lio­nen Eu­ro.

Auf Nach­fra­ge der „Schwä­bi­schen Zei­tung“rech­ne Tahoe mit Post aus Pfullendorf in den „nächs­ten Wo­chen“. Be­son­de­res Au­gen­merk legt der In­ves­tor of­fen­bar dar­auf, wie Al­no au­ßer­halb Deutsch­lands vor­an­kom­men möch­te. „In­ter­na­tio­nal sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Wachs­tums­chan­cen lie­gen ge­las­sen wor­den. Das war si­cher­lich sub­op­ti­mal“, er­klär­te Tahoe. Die Vor­schlä­ge Al­nos, wie die Wett­be­werbs­fä­hig­keit im In­land ge­stärkt und das Po­ten­zi­al im Aus­land bes­ser ge­nutzt wer­den kön­ne, se­he man als Ge­sprächs­grund­la­ge. Denn die Has­tor-Grup­pe, zu der Tahoe ge­hört, hat selbst ei­ne um­fang­rei­che Ex­per­ti­se in der Mö­bel­bran­che und be­treibt auf dem Bal­kan et­li­che Mö­bel­fa­bri­ken. Al­no selbst woll­te sich zu Fra­gen zum Sa­nie­rungs­kon­zept nicht äu­ßern.

Zu­neh­mend be­un­ru­higt zeigt sich die Be­leg­schaft des Kü­chen­bau­ers. „Kei­ner weiß, was Tahoe vor­hat“, er­läu­ter­te Micha­el Föst, zwei­ter Be­voll­mäch­tig­ter der IG Me­tall Alb­stadt, im Ge­spräch mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Klar ist für den Ge­werk­schaf­ter, dass Al­no oh­ne Tahoe schlech­ter da­ste­hen wür­de. Doch neh­me der In­ves­tor kein Geld in die Hand für die Mo­der­ni­sie­rung der Pro­duk­ti­on, wer­de sich an der schwie­ri­gen La­ge nichts än­dern, gibt Föst zu be­den­ken. Wel­chen Teil die Be­leg­schaft zur Sa­nie­rung des Kon­zerns bei­steu­ern muss, wer­den die nächs­ten Wo­chen zei­gen.

Ei­ne ers­te Per­so­nal­ent­schei­dung hat Tahoe be­reits ges­tern be­kannt ge­ge­ben: Die lang­jäh­ri­ge Fi­nanz­che­fin Ipek De­mir­tas wird die Re­struk­tu­rie­rung von Al­no nicht wei­ter be­glei­ten. Sie wur­de „kurz­fris­tig“durch Chris­ti­an Bren­ner er­setzt. Bren­ner ist ein Ver­tre­ter des neu­en Groß­ak­tio­närs Tahoe, dem es bei der Ab­set­zung De­mir­tas in ers­ter Li­nie dar­um ge­gan­gen sein dürf­te, die ei­ge­ne Macht im Vor­stand von Al­no zu si­chern.

FO­TO: OH

Mit dem Zu­griff auf mehr als 40 Pro­zent des Al­no-Stimm­rechts­ka­pi­tals kann Tahoe In­ves­tors bei dem Kü­chen­her­stel­ler durch­re­gie­ren.

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