Blick zu­rück in Weh­mut

Der Fried­richs­ha­fe­ner Mo­to­ren­bau­er Rolls-Roy­ce Po­wer Sys­tems hofft auf bes­se­re Zei­ten und ver­ab­schie­det sei­nen Chef

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Ben­ja­min Wa­ge­ner

SA­LEM - Die Weh­mut konn­te Ul­rich Doh­le am Di­ens­tag­abend nicht ver­heh­len. Im Wein­kel­ler von Schloss Sa­lem blick­te der Vor­stands­chef des Mo­to­ren­bau­ers Rolls-Roy­ce Po­wer Sys­tems (RRPS) mit Sitz in Fried­richs­ha­fen (Bo­den­see­kreis) auf das ver­gan­ge­ne Ge­schäfts­jahr zu­rück. Ei­nen Tag spä­ter ver­ab­schie­de­te sich der 63-Jäh­ri­ge von sei­ner Be­leg­schaft. Im Ja­nu­ar über­nimmt Nach­fol­ger Andre­as Schell die Ver­ant­wor­tung.

Doh­les Weh­mut lag nicht nur dar­in be­grün­det, dass der Ma­na­ger RRPS nach sie­ben Jah­ren – da­von drei Jah­re als Vor­stands­chef – ver­lässt, son­dern auch dar­an, dass ein schmerz­haf­ter An­pas­sungs­pro­zess aus­ge­rech­net das letz­te Amts­jahr Doh­les bei dem Un­ter­neh­men präg­te. „Wir sind be­schei­den ge­wor­den“, sag­te Doh­le im Hin­blick auf die Um­satz­zie­le, die sei­ne Vor­gän­ger für den da­mals noch un­ter dem Na­men To­gnum AG fir­mie­ren­den und an der Börse no­tier­ten In­dus­trie­kon­zerns aus­ge­ru­fen hat­ten. Ein Um­satz von fünf Mil­li­ar­den Eu­ro war das Ziel, er­reicht hat das Un­ter­neh­men, das nun Roll­sRoy­ce Po­wer Sys­tems heißt, sei­ne Ei­gen­stän­dig­keit ver­lo­ren hat und jetzt zum bri­ti­schen Trieb­werk­bau­er Rolls-Roy­ce ge­hört, die­se Mar­ke nie. 3,074 Mil­li­ar­den Eu­ro er­lös­ten die gut 10 000 RRPS-Mit­ar­bei­ter 2015, rund zwölf Pro­zent we­ni­ger als im Jahr zu­vor. Im ers­ten Halb­jah­res­zah­len 2016 sta­bi­li­sier­te sich das Ge­schäft: Im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum sank der Um­satz nur noch um drei Pro­zent auf 1,26 Mil­li­ar­den Eu­ro, der Ge­winn lag in den ers­ten sechs Mo­na­ten bei 15,4 Mil­lio­nen Eu­ro. „Wir ha­ben in der Ver­gan­gen­heit ei­ni­ges mit der Wachs­tums­bril­le an­ge­fan­gen, was sich nicht so ent­wi­ckelt hat, wie er­hofft“, er­läu­ter­te Doh­le. Der Roh­stoff­sek­tor sei ein sol­cher Be­reich ge­we­sen – RRPS stellt für schwe­re Mi­nen­kip­per Mo­to­ren her. Die Fracking-In­dus­trie ein an­de­rer, die das Fried­richs­ha­fe­ner Un­ter­neh­men mit An­trie­ben für die Trucks be­lie­fert. Ein drei­jäh­ri­ges An­pas­sungs­pro­gramm, das Ent­schei­dungs­pro­zes­se strafft, die Pro­dukt­pa­let­te über­ar­bei­tet und auch ei­nen Stel­len­ab­bau auf frei­wil­li­ger Ba­sis be­inhal­tet, stieß Doh­le des­halb vor gut ei­nem Jahr an. „Wir hat­ten zu­vor kräf­tig Per­so­nal auf­ge­baut, oh­ne ent­spre­chend ge­wach­sen zu sein“, sag­te Doh­le. Nun, da man die mie­sen Halb­jah­res­zah­len ver­ar­bei­tet ha­be, ge­be es aber auch ei­ni­ge po­si­ti­ve Ent­wick­lun­gen: Ei­nen Auf­trag über 200 Mo­to­ren für süd­afri­ka­ni­sche Lo­ko­mo­ti­ven sei in den Bü­chern, der neue Gas­mo­tor sto­ße auf re­ges In­ter­es­se, und die Ver­trä­ge über ein Jo­int Ven­ture in Chi­na ha­be man un­ter­zeich­net – En­de 2017 be­gin­ne die Mo­to­ren­pro­duk­ti­on. „Mo­to­ren zur Pro­duk­ti­on von Be­we­gung und Strom wer­den über­all ge­braucht“, er­klär­te Doh­le. „Ir­gend­wann wird der Schub kom­men.“

Pro­fi­tie­ren wird da­von dann Andre­as Schell. Der 47-jäh­ri­ge Ma­schi­nen­bauIn­ge­nieur be­gann sei­ne Lauf­bahn bei Daim­ler und saß zu­letzt in der Chef­eta­ge des US-Misch­kon­zerns UTC Ae­ro­s­pace Sys­tems. In zehn Ta­gen über­nimmt er die Lei­tung des Mo­to­ren­bau­ers. Neue Um­satz­zie­le nann­te Doh­les Nach­fol­ger nicht.

FO­TO: RRPS

4000er-Die­sel­mo­tor für Ma­ri­ne­e­in­sät­ze: Der Mo­to­ren­bau­er hat­te Per­so­nal auf­ge­baut, oh­ne ent­spre­chend ge­wach­sen zu sein.

Ul­rich Doh­le

Andre­as Schell

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