In­fer­no auf dem Feu­er­werks­markt

Dut­zen­de ster­ben bei Ex­plo­sio­nen in Me­xi­ko

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PANORAMA - Von De­nis Dütt­mann

TULTEPEC (dpa) - Ei­ne ver­hee­ren­de Ket­ten­re­ak­ti­on hat ei­nen Py­ro­tech­nik-Markt na­he Me­xi­ko-Stadt dem Erd­bo­den gleich­ge­macht. Min­des­tens 31 Men­schen kom­men bei dem Un­glück ums Le­ben. Da­bei galt der Markt als si­chers­ter in ganz Latein­ame­ri­ka.

Als die ers­ten Feu­er­werks­kör­per ex­plo­die­ren, gibt es kein Ent­kom­men mehr. Ein Böl­ler ent­zün­det den nächs­ten, Ra­ke­ten zi­schen durch die Luft, hef­ti­ge De­to­na­tio­nen er­schüt­tern den San-Pa­b­li­to-Markt von Tultepec. Ei­ne rie­si­ge graue Wol­ke schraubt sich in den Him­mel, im In­ne­ren zu­cken wei­ter Blit­ze. Hun­der­te Bu­den und Ver­kaufs­stän­de sind zer­stört. Die Wucht der Ex­plo­sio­nen ist noch in meh­re­ren Ki­lo­me­tern Ent­fer­nung zu spü­ren. „Ich dach­te zu­erst, es sei ein Erd­be­ben“, sagt die An­woh­ne­rin Gua­da­lu­pe Sán­chez Cruz. „Al­le sind auf die Stra­ße ge­lau­fen, die Kin­der ha­ben ge­weint.“

In dem In­fer­no kom­men min­des­tens 31 Men­schen ums Le­ben, rund 70 wei­te­re wer­den zum Teil schwer ver­letzt. „Al­les ist zer­stört wor­den“, sagt der Händ­ler Raúl. „Kein St­ein ist auf dem an­de­ren ge­blie­ben und vie­le Men­schen sind auf schreck­li­che Wei­se ge­stor­ben. Ei­ni­ge ha­ben Ar­me und Bei­ne ver­lo­ren.“Drei schwer ver­letz­te Kin­der wer­den in ei­ne Spe­zi­al­kli­nik im US-Bun­des­staat Te­xas ge­flo­gen.

Ret­tungs­kräf­te aus der Re­gi­on und der na­he ge­le­ge­nen Haupt­stadt ei­len zur Un­glücks­stel­le und ver­sor­gen Ver­letz­te. Über dem Markt krei­sen Hub­schrau­ber. Spe­zi­al­ein­hei­ten der Po­li­zei su­chen mit Spür­hun­den in den Trüm­mern der Bu­den nach Ver­schüt­te­ten. „Der Markt ist kom­plett zer­stört“, sagt der Lei­ter des Na­tio­na­len Zi­vil­schut­zes, Lu­is Fe­li­pe Pu­en­te.

„Als die Ex­plo­sio­nen an mei­ner Sei­te an­ge­fan­gen ha­ben, bin ich los­ge­lau­fen“, sagt die La­den­be­sit­ze­rin Erén­di­ra Sol­va im Fern­seh­sen­der Ima­gen. „Ich bin ge­rannt und ge­rannt, ha­be das Feu­er schon ge­spürt.“Ein An­woh­ner er­zählt der Zei­tung „El Uni­ver­sal“: „Ich ha­be ei­nen Hau­fen To­te gesehen. Sie la­gen über­ein­an­der – nicht we­ni­ge, sehr vie­le.“

Tultepec ist das Zen­trum von Me­xi­kos Py­ro­tech­nik-In­dus­trie, fast das gan­ze Dorf stellt Ra­ke­ten und Böl­ler her. Auf dem Markt sol­len 80 Pro­zent al­len Feu­er­werks in Me­xi­ko ver­kauft wer­den. In Me­xi­ko wird tra­di­tio­nell viel ge­b­öl­lert, bei Ge­burts­tags­fei­ern, ka­tho­li­schen Pro­zes­sio­nen oder Dorf­fes­ten. Be­son­ders gut läuft das Ge­schäft zum Na­tio­nal­fei­er­tag im Sep­tem­ber und im De­zem­ber, wenn die Wall­fahrt der Jungfrau von Gua­da­lu­pe, Weih­nach­ten und Sil­ves­ter an­ste­hen.

Von Au­gust bis Jah­res­en­de sol­len in Tultepec nach An­ga­ben der Markt­ver­wal­tung hun­dert Ton­nen Feu­er­werk ver­kauft wer­den. „300 Händ­ler ver­trei­ben ih­re Pro­duk­te – mit der Ge­neh­mi­gung des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums“, sagt Markt-Chef Ger­mán Ga­li­cia Cor­tes. Kun­den dür­fen höchs­ten zehn Ki­lo Feu­er­werk kau­fen.

Jetzt en­de­te der vor­weih­nacht­li­che Böl­ler-Ein­kauf in ei­nem Flam­men­meer. Er­mitt­ler der Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft su­chen nun nach der Un­glücks­ur­sa­che. „Ich ha­be ge­hört, dass sich ei­ne Ra­ke­te in ei­nem Markt­stand ent­zün­det hat und dann zu den an­de­ren Hüt­ten ge­flo­gen ist“, sagt der St­abs­chef der Pro­vinz­re­gie­rung, Jo­sé Man­zur, im Fernsehen.

Auch in an­de­ren Re­gio­nen Me­xi­kos kommt es im­mer wie­der zu schwe­ren Un­fäl­len. 2013 ka­men bei der Ex­plo­si­on von Feu­er­werks­ra­ke­ten wäh­rend ei­ner Pro­zes­si­on 16 Men­schen ums Le­ben, 153 wei­te­re wur­den ver­letzt. An Sil­ves­ter 2003 wur­den bei ei­ner Ex­plo­si­on auf ei­nem Py­ro­tech­nik-Markt im Bun­des­staat Ver­a­cruz 28 Men­schen ge­tö­tet.

FO­TO: EPA

Me­xi­ka­ni­sche Feu­er­wehr­leu­te im Trüm­mer­feld – die Ex­plo­sio­nen ha­ben den Markt kom­plett zer­stört.

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