Lamm-Wirt lüf­tet Rät­sel um ge­heim­nis­vol­le Lu­ke

Mehr als ei­ne Ecke in Mar­kus Fi­schers Gast­haus wirft Fra­gen auf – Ge­bäu­de stammt aus dem 16. Jahr­hun­dert

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PFULLENDORF - Von Se­bas­ti­an Korinth

PFULLENDORF - So man­cher Be­su­cher dürf­te schon be­merkt ha­ben, dass er sich in ei­ner Ecke des gro­ßen Gast­raums im Gast­haus Lamm plötz­lich über ei­nem Hohl­raum be­fin­det. Die Schrit­te auf den Holz­die­len klin­gen auf ein­mal hel­ler, auf dem Bo­den ist er­kenn­bar, dass an der Stel­le ne­ben dem Ein­gang einst ein Weg nach un­ten führ­te. An der Sei­te ist ei­ne gro­ße Holz­plat­te zu se­hen, die fest mit der Wand ver­schraubt ist. An­läss­lich ih­rer Serie „Schwä­bi­sche Ge­heim­nis­se“geht die SZ der Fra­ge nach, was es mit der ge­heim­nis­vol­len Ecke auf sich hat.

Lan­ge ist es her, dass das Lamm nicht nur ein Gast­haus, son­dern auch ei­ne Braue­rei war. 1863 wur­de die­se in Be­trieb ge­nom­men. 105 Jah­re spä­ter ging das letz­te Bier über die The­ke. Nach­dem Wirt Ot­to Wal­ter 2006 starb, öff­ne­te des­sen Schwes­ter To­ni das Gast­haus nur noch sel­ten. Vor zwei Jah­ren aber nah­men Si­grid Fi­scher und ihr Sohn Mar­kus das Heft in die Hand: Die Nich­te und der Groß­nef­fe von To­ni Wal­ter er­neu­er­ten Kü­che, Toi­let­ten und Fens­ter. Seit­dem ist das Gast­haus wie­der re­gel­mä­ßig ge­öff­net.

„Mei­ne Tan­te hat bis 2013 hier ge­lebt und auch mei­ne Mut­ter stammt aus die­sem Haus“, sagt Si­grid Fi­scher. Die Räu­me kennt sie des­halb schon seit ih­rer Kind­heit. Der gro­ße Saal sei Mit­te der 1950er-Jah­re ge­baut wor­den. Da­mals, so ver­mu­tet Fi­scher, sei auch die ge­heim­nis­vol­le Lu­ke in der Ecke so ge­stal­tet wor­den, wie sie heu­te zu se­hen ist. „Vor­her be­fand sich dort höchst­wahr­schein­lich ein Auf­gang, der vom Ein­gangs­be­reich in den heu­ti­gen Saal füh­ren wür­de“, sagt Si­grid Fi­scher. Sie und ihr Sohn ver­mu­ten un­ter den Holz­die­len ei­ne Trep­pe aus Be­ton.

Dass die bei­den da­mit ver­mut­lich rich­tig lie­gen, ist von der Ga­ra­ge un­ter dem Saal aus zu se­hen. Dort führt von der De­cke of­fen­sicht­lich ei­ne be­to­nier­te Wen­del­trep­pe nach un­ten zur Wand zur Stra­ße hin. Mit Ge­wiss­heit lässt sich die Fra­ge, was sich im Hohl­raum un­ter der Ecke be­fin­det, al­ler­dings nicht klä­ren. „Die Lu­ke wur­de ver­mut­lich Mit­te der 50er-Jah­re ver­schlos­sen und lässt sich nicht mehr oh­ne Wei­te­res öff­nen“, sagt Mar­kus Fi­scher. „Was sich ge­nau da­hin­ter ver­birgt, wissen wir nicht.“Auch, was sich in der Zeit vor der Trep­pe mög­li­cher­wei­se an der

„Die Lu­ke wur­de ver­mut­lich Mit­te der 50-er Jah­re ver­schlos­sen“, sagt Mar­kus Fi­scher.

glei­chen Stel­le be­fun­den ha­ben mag, lässt sich nicht mehr klä­ren. „Ge­baut wur­de das Haus ver­mut­lich im 16. Jahr­hun­dert“, sagt Mar­kus Fi­scher. „Es gibt hier die ei­ne oder an­de­re Tür oder Klap­pe, von der man nicht mehr ge­nau weiß, was es da­mit auf sich hat.“Wei­te Tei­le des bis zu 900 Qua­drat­me­ter gro­ßen Grund­stücks sei­en heu­te gar nicht mehr be­geh­bar.

Die Ge­schich­te an­de­rer Räu­me ist hin­ge­gen noch be­kannt. So führt Mar­kus Fi­scher bei­spiels­wei­se durch ei­nen ehe­ma­li­gen Schwei­ne­stall und ei­nen ehe­ma­li­gen Pfer­de­stall. „Frü­her han­del­te es sich eben um ein gro­ßes Un­ter­neh­men mit Land­wirt­schaft und Vieh“, sagt er.

Wer sich noch wei­ter run­ter in die üb­ri­gen Kel­ler traut, fin­det un­ter an­de­rem al­te Braue­rei­fäs­ser. Ein Groß­teil des da­ma­li­gen Zu­be­hörs be­fin­det sich heu­te al­ler­dings in ei­nem Dort­mun­der Mu­se­um.

FO­TOS: SE­BAS­TI­AN KORINTH

Rechts ne­ben Mar­kus Fi­scher ist die ge­heim­nis­vol­le Lu­ke in der Wand des Gast­raums zu se­hen.

Des Rät­sels Lö­sung ist ei­ne Eta­ge tie­fer zu se­hen: Hin­ter der Lu­ke be­fin­det sich ei­ne al­te Wen­del­trep­pe aus Be­ton.

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