Schu­bert geht, He­cking soll kom­men

Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach zieht die Kon­se­quenz aus dem Fall in die Ab­stiegs­zo­ne

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT -

MÖN­CHEN­GLAD­BACH (dpa/SID/sz) - Nach dem Sturz in den Ta­bel­len­kel­ler der Fuß­ball-Bun­des­li­ga und der Tren­nung von Trai­ner An­dré Schu­bert setzt Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach auf Sta­bi­li­tät und Be­son­nen­heit. „Jetzt gilt es, ei­nen Trai­ner zu fin­den, der uns wie­der ein Stück weit Sta­bi­li­tät zu­rück­bringt und den Jungs Im­pul­se ge­ben kann. Und der mit uns den Weg wei­ter­geht, mit jun­gen Spie­lern zu ar­bei­ten und et­was auf­zu­bau­en“, sag­te Sport­di­rek­tor Max Eberl. Und zwar mit Die­ter He­cking, des­sen Ver­pflich­tung of­fen­bar so gut wie per­fekt ist. He­cking soll ei­nen Ver­trag bis 2019 er­hal­ten, auch wenn die Bo­rus­sia das noch nicht be­stä­tig­te.

Der Ex- Trai­ner des VfL Wolfsburg und 1. FC Nürnberg, mit dem VfL 2014 Po­kal­sie­ger, ist seit 17. Ok­to­ber oh­ne Job und könn­te mit sei­ner ru­hi­gen Art und sei­ner Er­fah­rung ein ge­eig­ne­ter Kan­di­dat sein. Laut Eberl soll die Nach­fol­ge in je­dem Fall schnell ge­re­gelt wer­den.

Die Tren­nung von Schu­bert war un­um­gäng­lich und stand of­fen­bar be­reits vor der 1:2-Heim­nie­der­la­ge ge­gen Wolfsburg fest. Es war der Hö­he­punkt der Mi­nus­se­rie von elf Spie­len mit nur ei­nem Sieg, die ku­rio­ser­wei­se ziem­lich ge­nau dann be­gann, als Schu­bert sei­nen Ver­trag bis 2019 ver­län­gert hat­te. Spä­tes­tens nach den de­sas­trö­sen Leis­tun­gen beim 1:4 in Dort­mund und kurz dar­auf beim 0:4 in Bar­ce­lo­na stan­den die Zei­chen auf Ab­schied. Mit nur 16 Zäh­lern aus 15 Spie­len ist Glad­bach im Ab­stiegs­kampf an­ge­kom­men, bei den Zu­schau­ern hat­te Schu­bert seit Wo­chen je­den Kre­dit ver­lo­ren, die Mann­schaft hat­te er zu­letzt nicht mehr er­reicht. Nach nur 15 Mo­na­ten wur­de der 45-Jäh­ri­ge frei­ge­stellt.

„An­dré hat uns letz­te Sai­son groß­ar­tig ge­hol­fen, als er die Mann­schaft vom letz­ten Ta­bel­len­platz auf Platz vier und über die Play­offs bis in die Cham­pi­ons Le­ague ge­führt hat“, sag­te Eberl. „Mit Blick auf die reiz­vol­len Auf­ga­ben in der Rück­run­de“– die­sen Satz schien Eberl mit et­was Gal­gen­hu­mor for­mu­liert zu ha­ben – , „ha­ben wir uns ent­schie­den, mit ei­nem an­de­ren Trai­ner ei­nen Neu­start zu ma­chen.“

He­cking hät­te als mög­li­cher Nach­fol­ger Be­zug zum Club. Zu Be­ginn sei­ner Kar­rie­re trug der Of­fen­siv­spie­ler 1984/85 schon ein­mal das Bo­rus­senT­ri­kot, un­ter Jupp Heynckes mach­te er sechs Spie­le. Da­mals mit an Bord: Ewald Lie­nen, Micha­el Front­zeck und Bernd Krauss – al­le­samt spä­te­re Bo­rus­sen-Trai­ner. Ob der ehe­ma­li­ge bel­gi­sche Na­tio­nal­trai­ner Marc Wil­mots, des­sen Na­me auch ge­han­delt wird, ein Kan­di­dat ist, bleibt frag­lich.

Eberl ist der­weil ziem­lich frus­triert von der Si­tua­ti­on: „Je­der sieht, wie wir Fuß­ball spie­len. Jetzt gilt es, Sta­bi­li­tät in die Mann­schaft zu be­kom­men“, sag­te er. Schu­bert war am 21. Sep­tem­ber 2015 als Nach­fol­ger von Er­folgs­coach Lu­ci­en Fav­re an­ge­tre­ten, er wuss­te be­reits, dass die Par­tie ge­gen Wolfsburg sei­ne letz­te als Bo­rus­sen-Coach war. „Es tut mir persönlich sehr leid, auch für die Fans. Ich bin ent­täuscht“, sag­te der 45-Jäh­ri­ge am Di­ens­tag­abend mit Trä­nen in den Au­gen. Tags da­r­uf ver­ab­schie­de­te er sich per Vi­deo und mit be­mer­kens­wer­ten Wor­ten vom Club: Man merkt, dass die Jungs ei­nen Ruck­sack mit sich tra­gen. Des­we­gen sind wir der Über­zeu­gung, dass der Mann­schaft ein Neu­start hilft“, räum­te Schu­bert ein und ap­pel­lier­te an die Fans: „Ich hof­fe, dass ihr der Mann­schaft ei­ne neue Chan­ce gebt.“ Eberl for­dert ei­nen neu­en Geist Schu­berts Bi­lanz ist so schlecht nicht: In 45 Bun­des­li­ga­spie­len ge­wann die mit gro­ßen Ta­len­ten be­stück­te Mann­schaft 21-mal mit dem Coach, der im Vor­jahr ei­ne be­mer­kens­wer­te Auf­hol­jagd nach Fav­res fünf Nie­der­la­gen zum Auf­takt ge­schafft hat­te. Zu­letzt ging der Trend aber klar nach un­ten. „Wir sind in ei­ner Si­tua­ti­on, in die wir nicht woll­ten. Wir müs­sen der Rea­li­tät ins Au­ge schau­en und die Din­ge ana­ly­sie­ren“, sag­te Ka­pi­tän Lars St­indl. Die Rea­li­tät heißt Ab­stiegs­kampf.

Bei den Fans hat­te Schu­bert, der bis­wei­len dünn­häu­tig auf Kri­tik re­agier­te, von Be­ginn an nicht den bes­ten Stand, zu­letzt ei­nen mi­se­ra­blen. Schon vor der Par­tie ge­gen Wolfsburg wur­de der Trai­ner aus­ge­pfif­fen. „War­um das so war, muss man viel­leicht mal im Nach­gang klä­ren“, sag­te Eberl. „Ich kann es nicht be­ur­tei­len.“

Eberl kün­dig­te an, noch ein­mal auf dem Trans­fer­markt tä­tig zu wer­den, um „der Mann­schaft ein Stück Rück­halt zu ge­ben“. Ziel sei es, wie­der Ru­he auf dem Platz und ins Um­feld zu be­kom­men. Mit dem neu­en Trai­ner wer­de es „kei­ne grund­le­gen­de Re­vo­lu­ti­on“ge­ben, aber ei­nen neu­en Geist. Ent­las­sungs­re­kord: Schu­berts Ent­las­sung war der sieb­te Trai­ner­wech­sel in die­ser Bun­des­li­gaSai­son – so vie­le wie in der gan­zen letz­ten Run­de. Noch nie wur­den in ei­ner Vor­run­de mehr Übungs­lei­ter ent­las­sen.

FO­TO: DPA

Stark be­gon­nen, stark nach­ge­las­sen: An­dré Schu­bert in Glad­bach.

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