Auf Woh­nungs­su­che in Düs­sel­dorf

Och­sen­hau­sens Tisch­ten­nis-As­se for­dern gleich drei­mal Ti­mo Boll her­aus – mit wach­sen­dem Selbst­ver­trau­en

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Jür­gen Schat­t­mann

OCHSENHAUSEN - Ma­chen die in Ochsenhausen Ho­kus­po­kus, ist in ih­rem klös­ter­li­chen Krum­bach wo­mög­lich ein Zau­ber­trank ent­hal­ten, der jun­ge Tisch­ten­nis­spie­ler in we­ni­gen Mo­na­ten um ei­ne Klas­se bes­ser macht? Beim Blick auf die Welt­rang­lis­te der Spie­ler un­ter 21 Jah­ren könn­te man es glau­ben. Hin­ter dem über­ra­gen­den Chi­ne­sen Fan Zhen­dong fol­gen im Olym­pia-Ach­tel­fi­na­lis­ten Hu­go Cal­der­a­no aus Bra­si­li­en, CzechOpen-Sie­ger Yu­to Mur­amatsu aus Ja­pan und dem EM-Drit­ten Ja­kub Dy­jas aus Po­len gleich drei Spie­ler, die beim Bun­des­li­ga-Zwei­ten TTF Lieb­herr Ochsenhausen un­ter Ver­trag ste­hen. Und im Por­tu­gie­sen Jo­ao Ge­ral­do kommt auf Rang sie­ben der nächs­te. An­ge­führt wer­den die vier von ei­ner Art Rou­ti­nier, ei­nem 22-jäh­ri­gen Fran­zo­sen na­mens Si­mon Gau­zy, der ge­ra­de EM-Zwei­ter wur­de. Al­len ist ge­mein: Sie wer­den fast täg­lich stär­ker.

„Un­ser Re­zept ist sim­pel: Wir ha­ben ein gro­ßes, kom­pe­ten­tes, jun­ges, en­er­gie­ge­la­de­nes Team, das hart ar­bei­tet, das je­den Tag bes­ser wer­den will – die Spie­ler, un­ser Aka­de­mie­chef Mi­chel Blon­del, mein As­sis­tent Dmi­trij Ma­zu­n­ov, Sport­di­rek­tor Da­ni­el Zwickl, un­ser Chef Kris­ti­jan Pe­ji­no­vic, un­se­re Fit­ness­trai­ner, die manch­mal für Neun­stun­den­ta­ge bei den Jungs sor­gen. Es macht wirk­lich Spaß, in die­ser Kon­stel­la­ti­on zu ar­bei­ten“, sagt Du­brav­ko Sko­ric. Vor fünf Jah­ren kam der ser­bi­sche Trai­ner aus dem bel­gi­schen Char­le­roi zu den TTF, mit sie­ben Cham­pi­ons-Le­ague-Sie­gen und zahl­lo­sen Meis­ter­ti­teln im Ge­päck. Der Auf­trag lau­te­te: Jun­ge Ta­len­te an Eu­ro­pas Spit­ze, ger­ne auch an die Welt­spit­ze zu füh­ren, in­dem man be­reits ab dem Al­ter von 16 pro­fes­sio­nell mit ih­nen ar­bei­tet. „Nor­mal er­rei­chen Tisch­ten­nis­spie­ler mit 27 ih­re bes­te Form. Wir wol­len es schaf­fen, dass sie schon mit 22 so weit sind, und Spie­ler for­men, die jah­re­lang um die EM-Me­dail­len mit­kämp­fen“, sagt Sko­ric. „Und wir sind auf gu­tem Weg.“

Tat­säch­lich sorgt in­zwi­schen auch der Po­le Dy­jas, der in sei­nem ers­ten Jahr nur schwer in die Gän­ge kam, für Fu­ro­re. Jüngst bei der EM hol­te er Bron­ze. Und tat­säch­lich hat sich die Aka­de­mie der TTF, in der täg­lich an vier­zehn Ti­schen ge­schuf­tet wird, in­zwi­schen welt­weit ei­nen Na­men ge­macht in der Sze­ne. Selbst die na­tio­na­len An­füh­rer Ti­mo Boll und Di­mi­trij Ovt­cha­rov, die im deut­schen Leis­tungs­zen­trum in Düs­sel­dorf trai­nie­ren, schau­en längst be­wun­dernd ins Ober­schwä­bi­sche und lo­ben die Mü­hen, dass we­nigs­tens ei­ner sich auf­macht, dem Reich der Mit­te die Stirn zu bie­ten – den Chi­ne­sen näm­lich, die die Sport­art so do­mi­nie­ren wie die CDU vor drei­ßig Jah­ren die Wah­len im Ober­schwä­bi­schen.

Zwei­te sind die TTF der­zeit in der Li­ga zwei Zäh­ler hin­ter Bolls Düs­sel­dor­fer, auf die sie aus­wärts im Spit­zen­spiel am 8. Ja­nu­ar tref­fen – und da­nach, das er­gab die Aus­lo­sung am Mitt­woch, auch im Vier­tel­fi­na­le der Cham­pi­ons Le­ague. Im Hin­spiel (25., 26. oder 27. Ja­nu­ar) ha­ben die TTF Heim­recht. „Es ist fast wie vor zehn Jah­ren, als wir im Po­kal, in der Bun­des­li­ga und in der Cham­pi­ons Le­ague drei­mal in Fol­ge ge­gen Düs­sel­dorf an­tra­ten. Wir könn­ten uns ei­gent­lich gleich ei­ne Woh­nung dort neh­men“, scherz­te TTF-Chef Pe­ji­no­vic – zu­mal En­de Mai auch die Ein­zel-WM in der Me­tro­po­le am Rhein statt­fin­det.

Ob die TTF im Ge­gen­satz zu frü­her dies­mal ei­nes der Düs­sel­dorf-Du­el­le ge­win­nen kön­nen, ob sie gar schon ti­tel­reif sind, das steht auf ei­nem an­de­ren Blatt. „War­um nicht?“, fragt Pe­ji­no­vic. „Wir brau­chen uns nicht zu ver­ste­cken. Si­mon und Hu­go ha­ben Boll schon ge­schla­gen. Ein Ti­tel ist kein Ziel, aber wir wür­den ihn neh­men.“

FO­TO: STROHMAIER

Macht der­zeit die größ­ten Fort­schrit­te in Ochsenhausen: Der Po­le Ja­kub Dy­jas, ge­ra­de EM-Drit­ter ge­wor­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.