Die Bay­ern im gro­ßen Fi­nal­mo­dus

Die Münch­ner ma­chen beim 3:0 (3:0) kur­zen Pro­zess mit ha­sen­fü­ßig spie­len­den Leip­zi­gern

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Fil­ip­po Ca­tal­do

MÜNCHEN – Die Wach­ab­lö­sung ver­schiebt sich auf un­be­stimm­te Zeit. Der FC Bay­ern München hat ges­tern im letz­ten Spiel des Jah­res für 90 Mi­nu­ten den Mo­dus für die gro­ßen Fi­nals ein­ge­schal­tet und kur­zen Pro­zess ge­macht mit den Em­por­kömm­lin­gen aus Leip­zig. Das 3:0 (3:0) ge­gen den bes­ten, reichs­ten und frechs­ten Bun­des­li­ga­auf­stei­ger al­ler Zei­ten war so klar, die Bay­ern wa­ren so do­mi­nant wie das Spiel der Leip­zi­ger das Ge­gen­teil von mu­tig war. Ralph Ha­sen­hüttls Ele­ven, die die Bun­des­li­ga in den vor­her­ge­hen­den 15 Spiel­ta­gen auf­ge­mischt hat­ten mit ih­rem ra­san­ten Über­fall­fuß­ball, spiel­ten selt­sam ha­sen­fü­ßig, lie­ßen sich ein ums an­de­re Mal so­gar aus­kon­tern vom Bran­chen­pri­mus.

Und was hat­te es ei­ne St­un­de vor dem An­pfiff für Dis­kus­sio­nen ge­ge­ben in den so­zia­len Netz­wer­ken und un­ter den Re­por­tern im Sta­di­on! Bay­erns Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti hat­te es für ei­ne gu­te Idee ge­hal­ten, den hoch­ge­lob­ten und schnel­len Leip­zi­ger Pres­sing­mons­tern den zwar mit so et­was wie Rönt­ge­nau­gen ge­seg­ne­ten, aber nicht mehr wirk­lich schnel­len Xa­bi Alon­so und den zwar ag­gres­si­ven, aber bis­wei­len un­über­legt agie­ren­den Ar­turo Vi­dal im zen­tra­len Mit­tel­feld ent­ge­gen­zu­stel­len. Tho­mas Mül­ler, sonst ei­gent­lich der Pro­to­typ ei­nes Spie­lers für gro­ße Spie­le, und Drib­bel­künst­ler Franck Ri­bé­ry sa­ßen zu­nächst nur auf der Bank. Mia-san-Mia-Auf­stel­lung wür­de ja wohl an­ders aus­se­hen, so die Mei­nung vie­ler vor An­pfiff. Von we­gen! Car­lo knows best, es gibt schon ei­nen Grund da­für, dass An­ce­lot­ti ge­mein­hin als Trai­ner für die Ga­laNäch­te gilt.

Die ers­te Chan­ce des Spiels hat­te zwar Leip­zig. So­gar ei­ne brand­ge­fähr­li­che, wer weiß, wie sich das Spiel ent­wi­ckelt hät­te, wenn Yuss­uf Poul­sen nach Ti­mo Wer­ners schar­fer Her­ein­ga­be ei­nen Tick schnel­ler in den Fünf­me­ter­raum ge­rutscht wä­re; so ver­pass­te er in der vier­ten Mi­nu­te den Ball und das fast si­che­re Füh­rungs­tor um ei­ne hal­be Schuh­spit­ze. Nach der Schreck­se­kun­de ka­men so­fort die Bay­ern. Nach und nach ver­scho­ben sie den Ball­be­sitz im­mer wei­ter tief in die Leip­zi­ger Hälf­te. Der Auf­stei­ger ließ es zu, press­te spä­ter als sonst, sein Ziel schien nur noch, die Münch­ner von ih­rem Straf­raum weg­zu­hal­ten. Das klapp­te nicht lang. In der 14. Mi­nu­te klär­te Kee­per Pe­ter Gu­lasci noch Dou­glas Costas Her­ein­ga­be, doch in der 17. stand es 1:0 für den Meis­ter. Phil­ipp Lahm flank­te schön, Ro­bert Le­wan­dow­skis Di­rekt­ab­nah­me ging an den Pfos­ten, von dort zum über­haupt sehr klug spie­len­den Thia­go, der den Tref­fer mach­te. Ein ra­san­tes Bil­lard­tor. Das 2:0 in der 25. Mi­nu­te ent­sprang dann ei­nem sehr über­leg­ten Sturm­lauf, ein An­griff wie ein gut ab­ge­han­ge­nes Stück Rind­fleisch. Über Vi­dal, Le­wan­dow­ski und Thia­go kam der Ball nach ei­ner Rei­he von Steil- und Qu­er­päs­sen zu Xa­bi Alon­so, der ihn mit dem In­nen­fuß ins Tor schob.

Die Leip­zi­ger muck­ten noch ein­mal kurz auf, ein paar Mi­nu­ten spä­ter muss­te Bay­erns Kee­per Ma­nu­el Neu­er mit ei­nem Wahn­sinns­re­flex Wil­li Orb­ans Kopf­ball aus sechs Me­tern ent­schär­fen. Nach dem an­schlie­ßen­den Eck­ball kon­ter­ten die Bay­ern, von we­gen lang­sam, blitz­schnell. Emil Fors­berg stopp­te Phil­ipp Lahm mit ei­ner gro­ben Grät­sche von hin­ten in die Bei­ne. Schieds­rich­ter Fe­lix Zway­er hat­te, die gel­be Kar­te in der Hand, gro­ße Mü­he, ei­ne klei­ne Spon­tan­rau­fe­rei zu ver­hin­dern. Als ihm das ei­ni­ger­ma­ßen ge­lun­gen war, zeig­te er Emil Fors­berg Rot – die ein­zig rich­ti­ge Ent­schei­dung für die­ses gro­be Foul. Leip­zig al­so ab der 30. Mi­nu­te 0:2 hin­ten und nach dem ers­ten Platz­ver­weis sei­ner Bun­des­li­ga­ge­schich­te mit ei­nem Mann we­ni­ger auf dem Feld. Das Ding war durch, die Münch­ner pass­ten sich fort­an die Bäl­le zu, als ob sie Ma­gne­ten an den Schu­hen hät­ten, nur Mats Hum­mels, plötz­lich er­blon­det, über­rasch­te in die­ser Pha­se mit ei­nem Steil­pass, der zum Qu­er­schlä­ger wur­de. Ei­ne Ball­be­hand­lung wie sei­ne neue Fri­sur, En­de der Neun­zi­ger muss­ten Ver­tei­di­ger eben noch nicht so viel mit dem Ball an­fan­gen kön­nen. Doch es blieb der ein­zi­ge Faux­pas der Bay­ern. Als Gu­lasci dann auch noch Cos­ta im Straf­raum um­sens­te und Ro­bert Le­wan­dow­ski kurz vor der Pau­se lo­cker zum 3:0 traf, wur­de die­se im Vor­feld si­cher nicht zu Un­recht hoch­ge­jazz­te Part­pie end­gül­tig zur Lehr­stun­de für Leip­zig.

Die Macht hat zu­rück­ge­schla­gen, auch in der trotz bes­ter Chan­cen tor­lo­sen zwei­ten Halb­zeit.

München: Neu­er - Lahm, Mar­tí­nez, Hum­mels, Ala­ba (67. Ber­nat) - Alon­so, Vi­dal (75. Kim­mich) - Rob­ben (46. Ri­bé­ry), Thia­go, Cos­ta - Le­wan­dow­ski. – Leip­zig: Gu­lacsi - Ber­nar­do, Il­s­an­ker, Or­ban, Hals­ten­berg - Kei­ta (46. Kai­ser), Dem­me - Sa­bit­zer (82. Bur­ke), Fors­berg - Wer­ner (59. Sel­ke), Poul­sen. – To­re: 1:0 Thia­go (17.), 2:0 Alon­so (25.), 3:0 Le­wan­dow­ski (45., Foul­elf­me­ter). – Zu­schau­er: 75 000. – Ro­te Kar­te: Fors­berg (30.), gro­bes Foul.

FO­TO: IMA­GO

Der kol­lek­ti­ve Ju­bel der Bay­ern um den er­blon­de­ten Mats Hum­mels beim 3:0 ge­gen Leip­zig.

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