Lü­cken in der Ko­ope­ra­ti­on

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Andre­as Her­holz po­li­tik@schwa­ebi­sche.de

Es stand zu be­fürch­ten. Die Ap­pel­le zur Be­son­nen­heit zei­gen nicht übe­r­all Wir­kung. Noch ist we­der der mut­maß­li­che At­ten­tä­ter ge­fasst noch die Tat samt Hin­ter­grün­den voll­stän­dig auf­ge­klärt. Mag es an­ge­sichts der sich wei­ter ver­dich­ten­den Be­weis­la­ge auch kaum noch Zwei­fel dar­an ge­ben, dass der Tu­ne­si­er Anis Am­ri der Tä­ter war und den To­des­las­ter auf den Weih­nachts­markt auf dem Ber­li­ner Breit­scheid­platz ge­steu­ert hat. Schließ­lich er­lässt die Bun­des­an­walt­schaft ei­nen Haft­be­fehl nicht leicht­fer­tig.

Wer jetzt al­ler­dings ei­nen re­gel­rech­ten Über­bie­tungs­wett­be­werb star­tet und im St­un­den­takt im­mer schär­fe­re Ge­set­ze und ein Sam­mel­su­ri­um an Kon­se­quen­zen for­dert, dem geht es we­ni­ger um die In­ne­re Si­cher­heit als um die ei­ge­ne Pro­fi­lie­rung. Si­cher zeigt der Fall des Is­la­mis­ten und mut­maß­li­chen Ter­ro­ris­ten Am­ri ekla­tan­te Schwä­chen im Sys­tem. Das reicht von ei­nem Man­gel an in­ner­eu­ro­päi­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on und noch im­mer feh­len­dem Da­ten­aus­tausch zwi­schen den Si­cher­heits­be­hör­den, geht über die Un­zu­läng­lich­kei­ten des deut­schen Asyl­ver­fah­rens und en­det si­cher auch nicht bei den Feh­lern man­cher durch jahr­zehn­te­lan­gen Spar­kurs de­zi­mier­ten Lan­des­po­li­zei. Wer nach 9/11 die ter­ro­ris­ti­sche Be­dro­hung noch vor al­lem für ein ame­ri­ka­ni­sches Pro­blem hal­ten woll­te, hät­te spä­tes­tens bei der Se­rie von schwe­ren An­schlä­gen in Eu­ro­pa – Ma­drid, Lon­don, Paris, Brüssel – auf­wa­chen müs­sen. Nun al­so Ber­lin.

Eu­ro­pa hat in der Flücht­lings­kri­se kol­lek­tiv ver­sagt. Es droht auch im ge­mein­sa­men Kampf ge­gen den Ter­ro­ris­mus zu schei­tern. Da herr­schen noch das al­te na­tio­na­le Den­ken und Han­deln, wenn es um die Si­cher­heit geht und Funk­stil­le, wenn sich is­la­mis­ti­sche Straf­tä­ter mit­un­ter von ei­nem Land ins an­de­re be­we­gen. Jetzt gilt es, den flüch­ti­gen Tat­ver­däch­ti­gen von Ber­lin und sei­ne Hin­ter­män­ner zu fas­sen. Dann muss man sich in Ber­lin und Brüssel zu­sam­men­set­zen und end­lich dar­über be­ra­ten, wie sich die Lü­cken in der Si­cher­heits­ar­chi­tek­tur zü­gig schlie­ßen und die Ver­säum­nis­se in der Flücht­lings­po­li­tik im Nach­hin­ein be­sei­ti­gen las­sen.

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