Ve­rin­ger He­xen­hemd geht nach Dres­den

Stadt ver­leiht künf­tig nur noch das Du­pli­kat – Was ge­schieht mit Ori­gi­nal?

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Sa­bi­ne Rösch

Künf­tig leiht die Stadt nur noch das Du­pli­kat aus.

VERINGENSTADT - Das Ve­rin­gen­städ­ter He­xen­hemd sorgt wei­ter­hin für internationale Auf­merk­sam­keit. Ein­stim­mig be­schloss das Gre­mi­um, das Du­pli­kat des his­to­ri­schen Ge­wands ab Sep­tem­ber 2017 für sechs Mo­na­te an das mi­li­tär­his­to­ri­sche Mu­se­um nach Dres­den zu ver­lei­hen.

„Es ist für uns ein Glücks­fall, dass die Ja­pa­ner das Hemd un­be­dingt ha­ben woll­ten und wir seit­her ein Du­pli­kat be­sit­zen, wel­ches wir be­den­ken­los aus­lei­hen kön­nen“, führ­te Bür­ger­meis­ter Christ zur An­fra­ge des Dres­de­ner Mu­se­ums aus.

Zum Hin­ter­grund: Im Jahr 2014 woll­te ein re­nom­mier­ter Aus­stel­ler das Ve­rin­ger He­xen­hemd für ei­ne Wan­der­aus­stel­lung durch 15 ja­pa­ni­sche Städ­te und die Dau­er von 15 Mo­na­ten aus­lei­hen. Da­mals sprach sich der Ge­mein­de­rat ge­gen die Ver­lei­hung des ori­gi­na­len Hem­des aus, zu groß war die Sor­ge um das Uni­kat. Dar­auf­hin fer­tig­te ein Schwei­zer Künst­ler auf Kos­ten der ja­pa­ni­schen Fir­ma ein Du­pli­kat an, das dem ech­ten He­xen­hemd tat­säch­lich täu­schend ähn­lich sieht.

Selbst ein Ex­per­te, wie Stadt­füh­rer Man­fred Sai­b­le es ist, gibt zu, dass auch er ganz ge­nau hin­schau­en muss bei den bei­den Ge­wän­dern. Die­ses Du­pli­kat ging dann auf die ja­pa­ni­sche Mu­se­ums­tour und kam im Früh­jahr die­ses Jah­res zu­rück nach Veringenstadt. Über die Som­mer­mo­na­te wird das Hemd für ei­ne Son­der­aus­stel­lung ins Ra­vens­bur­ger Mu­se­um Hum­pis-Quar­tier ver­lie­hen. Ein­stim­mig be­für­wor­te­te das Gre­mi­um die an­schlie­ßen­de Ver­lei­hung nach Dres­den, wo es in ei­nem der vier gro­ßen Bun­des­mu­se­en für sechs Mo­na­te zu se­hen sein wird. Jut­ta Schmid-Glöck­ler reg­te an, die Na­mens­nen­nung von Veringenstadt und die Bei­le­gung von Ve­rin­gen­städ­ter Pro­spekt­ma­te­ri­al zum He­xen­hemd zur Be­din­gung der Ver­lei­hung zu ma­chen.

Ei­ne kur­ze Dis­kus­si­on ent­stand über die Auf­be­wah­rung des Ori­gi­nals. Stadt­füh­rer Man­fred Sai­b­le er­klär­te, dass die ak­tu­el­le Auf­be­wah­rung in ei­ner Vi­tri­ne im Ober­ge­schoss des Rat­hau­ses nicht op­ti­mal sei. „So ein Hemd gibt es ver­mut­lich in ganz Eu­ro­pa nicht mehr“, so Sai­b­le. Um es ganz si­cher zu ver­wah­ren, müss­te das Ori­gi­nal in ei­nem Tre­sor ver­schlos­sen wer­den und das Du­pli­kat aus­ge­legt wer­den, mein­te Ar­min Christ. Doch den kom­plet­ten Ori­gi­nal­schau­platz der Ver­hand­lung und der Miss­hand­lung der „Ba­der-Ann“, die sich im Ober­ge­schoss des Rat­hau­ses zu­ge­tra­gen hat, kön­ne man nach An­sicht von Stadt­füh­rer Sai­b­le nicht mit dem Du­pli­kat be­stü­cken. „Hemd und Raum aus­ein­an­der­rei­ßen geht nicht“, so der Stadt­füh­rer.

Auch die Rä­te wa­ren ge­spal­ten, da je­dem klar ist, das schlimms­te Sze­na­rio wä­re ein Rat­haus­brand, und das Hemd wä­re für im­mer weg. „Da wür­de auch ei­ne F-30-Brand­schutz­auf­be­wah­rung nichts nüt­zen, denn nie­mand rennt bei Feu­er in den drit­ten Stock des Rat­hau­ses, um das He­xen­hemd zu ret­ten“, gab Andre­as Stauß zu be­den­ken.

FOTO: SR

FOTO: SA­BI­NE RÖSCH

Stadt­füh­rer Man­fred Sai­b­le zeigt den Ve­rin­gen­städ­ter Stadt­rä­ten das Du­pli­kat des Ve­rin­ger He­xen­hemds, wel­ches vom Ori­gi­nal kaum zu un­ter­schei­den ist.

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