Do­brindt plant Droh­nen-Füh­rer­schein

Be­stim­mun­gen zum „Mul­ti­c­op­ter“-Ge­brauch sol­len 2017 in Kraft tre­ten

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Ras­mus Buch­stei­ner

BER­LIN - „Re­a­dy to fly“, ver­spricht die Wer­bung. „So­fort start­klar - Ide­al für Ein­stei­ger, Fort­ge­schrit­te­ne und Pro­fis!“Schon für 69,99 Eu­ro sind Droh­nen mit Ka­me­ra zu ha­ben.

Die wen­di­gen Flug­ob­jek­te, auch Mul­ti­c­op­ter ge­nannt, lie­fern fas­zi­nie­ren­de Bil­der aus der Luft, bie­ten je­de Men­ge Flug­ver­gnü­gen und sind jetzt vor dem Fest ein be­son­de­rer Ver­kaufs­schla­ger. „Beim dies­jäh­ri­gen Weih­nachts­fest wer­den min­des­tens 100 000 Droh­nen ver­schenkt, schät­zen wir“, be­stä­tigt der Ge­schäfts­füh­rer der Deut­schen Flug­si­che­rung, Klaus-Die­ter Scheu­er­le.

Bis­lang wer­den rund 400 000 Droh­nen ge­nutzt. Im Jahr 2020 könn­ten es be­reits ei­ne Mil­li­on sein, so die Pro­gno­se. Doch der Droh­nen-Boom setzt die Po­li­tik un­ter Zug­zwang. Häu­fen sich doch die Be­rich­te über Un­fäl­le und Bei­na­he-Un­fäl­le. Mal be­hin­dern Droh­nen Flug­zeu­ge beim Lan­de­an­flug, mit­un­ter aber auch in gro­ßer Hö­he, mal stür­zen sie ab und wer­den zur Ge­fahr am Bo­den.

Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt macht Tem­po. Nach In­for­ma­tio­nen der „Schwä­bi­schen Zei­tung“will der CSU-Po­li­ti­ker im Ja­nu­ar ei­ne Ver­ord­nung mit stren­gen Re­ge­lun­gen für Droh­nen-Flü­ge durch das Bun­des­ka­bi­nett brin­gen.

Der Ent­wurf liegt un­se­rer Ber­li­ner Re­dak­ti­on vor. Die Be­stim­mun­gen sol­len 2017 in Kraft tre­ten, wenn der Bun­des­rat zu­ge­stimmt hat. Der Ver­kehrs­mi­nis­ter sieht ein gro­ßes Po­ten­zi­al in der neu­en Tech­nik, aber auch Ri­si­ken. „Je mehr Droh­nen auf­stei­gen, des­to grö­ßer wird die Ge­fahr von Kol­li­sio­nen, Ab­stür­zen oder Un­fäl­len“, sag­te er.

Was plant Do­brindt im Ein­zel­nen? Droh­nen mit mehr als 250 Gramm Start­ge­wicht müs­sen künf­tig ge­kenn­zeich­net wer­den, da­mit der Be­sit­zer im Scha­dens­fall schnell fest­ge­stellt wer­den kann. Na­me und Adres­se des Ei­gen­tü­mers müs­sen auf ei­ner Pla­ket­te gut les­bar sein. Klei­ne, leich­te Droh­nen sol­len auch in Zu­kunft ge­neh­mi­gungs­frei sein. Für Flug­mo­del­le und Droh­nen mit mehr als fünf Ki­lo­gramm Ge­wicht wird ei­ne Er­laub­nis­pflicht ein­ge­führt. Für die Be­triebs­ge­neh­mi­gung sind die Lan­des­luft­fahrt­be­hör­den zu­stän­dig. Vor­aus­set­zung da­für soll künf­tig ein Kennt­nis­nach­weis („Droh­nen-Füh­rer­schein“) mit ei­ner Prü­fung sein. Hier­für ist ein Min­dest­al­ter von 16 Jah­ren vor­ge­se­hen. Dar­über hin­aus gibt es stren­ge Be­stim­mun­gen für den Flug­be­trieb.

Droh­nen dür­fen nur in Sicht­wei­te be­trie­ben wer­den. Ein Flug­ver­bot gibt es über sen­si­blen Be­rei­chen wie den Ein­satz­or­ten von Po­li­zei und Ret­tungs­kräf­ten, über Ge­fäng­nis­sen, In­dus­trie­an­la­gen, Be­hör­den und Na­tur­schutz­ge­bie­ten. Glei­ches soll über Ver­kehrs­we­gen und in der Nä­he von Flug­hä­fen und über Pri­vat­grund­stü­cken gel­ten. Kri­tik von Mo­dell­flie­gern Do­brindts Ver­ord­nung war zu­letzt noch ein­mal über­ar­bei­tet wor­den, um die In­ter­es­sen von Mo­dell­flie­gern zu be­rück­sich­ti­gen. Die­se wa­ren Sturm ge­gen mög­li­che Ein­schrän­kun­gen für das Flie­gen über 100 Me­ter ge­lau­fen. Doch da­für ist nun ei­ne Re­ge­lung ge­fun­den wor­den, be­stä­ti­gen Ko­ali­ti­ons­krei­se.

Die SPD pocht je­doch an an­de­rer Stel­le noch auf ei­ne Ver­schär­fung der Droh­nen-Ver­ord­nung. „Wir brau­chen di­gi­ta­le Flug­ver­bots­zo­nen für privat ge­nutz­te Droh­nen“, er­klär­te am Don­ners­tag Sö­ren Bar­tol, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der SPDBun­des­tags­frak­ti­on. „Droh­nen soll­ten ver­pflich­tend ei­ne Soft­ware ha­ben, die ver­hin­dert, dass sie in be­stimm­ten Re­gio­nen ge­star­tet und ge­flo­gen wer­den kön­nen. Privat ge­nutz­te Droh­nen ha­ben in der Nä­he von Flug­hä­fen oder im Um­feld von Un­fall­stel­len nichts zu su­chen.“

FOTO: DPA

Vie­le Tau­send Droh­nen wer­den in Deutsch­land ge­kauft und ver­schenkt. Die Po­li­tik will ih­re Be­nut­zung ge­setz­lich re­geln.

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