Mi­ni­pro­jekt kommt gut an

In Krau­chen­wies läuft die In­te­gra­ti­on der Flücht­lin­ge kon­kret und spiel­stark

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - RUND UM SIGMARINGEN - Von Ga­b­rie­le Lo­ges

KRAU­CHEN­WIES - Bei ei­nem vor­erst ein­ma­li­gen Pro­jekt „Ver­eint durch Fuß­ball“ha­ben Asyl­be­wer­ber und Abitu­ri­en­ten des Sig­ma­rin­ger Wirt­schafts­gym­na­si­ums ei­nen Abend lang Fuß­ball ge­spielt. Or­ga­ni­siert wur­de das Mi­ni­pro­jekt mit jun­gen Flücht­lin­gen und Ein­hei­mi­schen von Enes Açık­göz. Al­le 16 Fuß­bal­ler hat­ten of­fen­sicht­lich viel Spaß bei die­sem Ken­nen­lern-Spiel, das den manch­mal schwie­ri­gen All­tag aus­blen­den ließ.

Enes Açık­göz ist hier ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen. In Sigmaringen macht er am En­de des Schul­jahrs am Wirt­schafts­gym­na­si­um Abitur. Im hei­mi­schen Pful­len­dorf en­ga­giert er sich für den VIKZ, den Ver­band der is­la­mi­schen Kul­tur­zen­tren, und ist dort eh­ren­amt­lich als Flücht­lings­be­auf­trag­ter tä­tig. Das Kul­tur­zen­trum wie­der­um ist Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner des bun­des­wei­ten Pro­jekts „Mo­sche­en för­dern Flücht­lin­ge“, das von mus­li­mi­schen Dach­ver­bän­den durch­ge­führt und von ver­schie­de­nen Bun­des­mi­nis­te­ri­en ge­för­dert wird. Ziel der Ak­ti­on „Struk­tur­auf­bau und Un­ter­stüt­zung von Eh­ren­amt­li­chen in den Mo­schee­ge­mein­den für die Flücht­lings­hil­fe durch die Ver­bän­de der Deut­schen Is­lam Kon­fe­renz (SUEM-DIK)“ist es, mus­li­mi­sche Flücht­lings­be­auf­trag­te aus­zu­bil­den. In ei­nem ers­ten Er­geb­nis gibt es nun in ver­schie­de­nen Ge­mein­den ins­ge­samt 500 Mi­ni­pro­jek­te un­ter­schied­lichs­ter Art, die bun­des­weit durch­ge­führt wer­den. Un­ter­rich­tet wur­den die Flücht­lings­be­auf­trag­ten in den Be­rei­chen Kon­zep­ti­on, Netz­werk und Pro­fes­sio­na­li­sie­rung. Da­durch soll die Flücht­lings­hil­fe auch in den Mo­schee­ge­mein­den ge­si­chert wer­den.

Für den 19-jäh­ri­gen Enes Açık­göz war da­bei klar, dass es für ihn ein Pro­jekt mit Fuß­ball wird: „Mei­ne Freun­de und ich spie­len oft und ger­ne Fuß­ball und ich ging da­von aus, dass das auch den Flücht­lin­gen ge­fällt.“Er frag­te im Gel­ben Haus in Laiz nach, ob bei den Asyl­be­wer­bern In­ter­es­se be­steht. Von dort ka­men sie­ben fuß­ball­be­geis­ter­te jun­ge Män­ner aus den un­ter­schied­lichs­ten Län­dern. Un­ter sei­nen Schul­ka­me­ra­den fand er zu­dem ge­nü­gend wei­te­re Mit­spie­ler. Er or­ga­ni­sier­te die Hal­le in Krau­chen­wies und ent­warf ei­nen Spiel­plan. Die Mann­schaf­ten wur­den ge­mischt und spiel­ten ge­gen­ein­an­der. Al­le Spra­chen wa­ren am Abend in der Hal­le zu hö­ren. Die Ein­hei­mi­schen ver­stän­dig­ten sich auch mal auf Deutsch oder Tür­kisch, dann wie­der war bei den ge­misch­ten Grup­pen Kör­per­spra­che ge­fragt. Auf die Tri­kots konn­ten sich die Spie­ler nicht ver­las­sen, denn die­se wa­ren bunt ge­mischt. Enes fin­det dies nicht schwie­rig: „Man muss sich ein­fach ins Ge­sicht schau­en.“Im Wech­sel von je­weils acht Mi­nu­ten wur­de fast zwei St­un­den lang be­geis­tert und pro­fes­sio­nell um den Ball ge­kämpft. Fai­ren Ap­plaus und freund­schaft­li­ches Ab­klat­schen gab es bei je­dem Tor.

Als Or­ga­ni­sa­tor ist Enes mit sei­nen Mann­schaf­ten sehr zu­frie­den: „Es macht al­len Spaß und für die Flücht­lin­ge ist es ei­ne Mög­lich­keit, von den Schwie­rig­kei­ten ab­zu­len­ken.“Man wis­se ja nicht, so der Abitu­ri­ent, was sie er­lebt hät­ten und au­ßer­dem könn­ten sie den All­tag mit sei­ner Bü­ro­kra­tie für kur­ze Zeit hin­ter sich las­sen. Zwi­schen den Spie­len sind sich Ni­co, Fur­kan, Aa­ron vom Wirt­schafts­gym­na­si­um so­wie Mo­ham­med und Mi­ran aus dem Gel­ben Haus ei­nig: „Es ist klas­se, al­le sind rich­tig nett.“„Es fühlt sich ganz an­ders an“, er­gänzt Aa­ron Stark, „wenn man kon­kret Kon­takt hat und sich nicht auf Vor­ur­tei­le ver­lässt“.

FOTO: GA­B­RIE­LE LO­GES

Bei ei­nem „Mi­ni­pro­jekt“kom­men sich Flücht­lin­ge und Ein­hei­mi­sche über das Fuß­ball­spiel nä­her.

FOTO: GA­B­RIE­LE LO­GES

Ha­ben Spaß in der Hal­le: (von links) Ni­co, Fur­kan, Mi­ran, Aa­ron und Mo­ham­med.

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