Kin­der er­le­ben den Ad­vent mit al­len Sin­nen

Wäh­rend der Ad­vents­zeit brin­gen 20 Kin­der und Ju­gend­li­che Lich­ter in die Häu­ser – Be­ten ge­hört da­zu

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MENGEN - Von Ve­ra Ro­meu

BEUREN - Seit zehn Jah­ren gibt es in Beuren den Lich­ter­lauf. Die­se Tra­di­ti­on ist von jun­gen Müt­tern ent­wi­ckelt wor­den, um den Kin­dern den Ad­vent auf sinn­li­che Wei­se na­he­zu­brin­gen. „Da­heim, im All­tag geht der Ad­vent im­mer ein biss­chen un­ter“, er­klä­ren die Müt­ter aus dem Or­ga­ni­sa­ti­ons­team. Der Ad­vent soll­te ei­ne ru­hi­ge Zeit sein, aber Schu­le und Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten sind bis kurz vor Hei­lig­abend ge­plant. „Dann wird das Fest ge­fei­ert, und schon geht es auf die Fas­net zu. So rich­tig Ru­he kehrt nicht ein“, sa­gen sie.

Je­des Jahr lau­fen wäh­rend der Ad­vents­zeit, frei­tags-sams­tags-sonn­tags, rund 20 Kin­der und Ju­gend­li­che mit ih­ren Fa­mi­li­en und brin­gen an ein Haus im Dorf das Licht, da­mit die dunk­le Zeit ein we­nig er­hellt wird. Das Or­ga­ni­sa­ti­ons­team bas­telt je­des Jahr Auf­be­wah­rungs­ge­fä­ße für das Licht. Es soll sym­bo­lisch für Se­gen und wohl­wol­len­de Ge­dan­ken leuch­ten.

Im Vor­feld des Ad­vents geht ein Brief an al­le Haus­hal­te des Dorfs, mit der Fra­ge, wer gern be­sucht wer­den möch­te. „Die Leu­te mel­den es an und stel­len die Ga­ra­ge, die Ter­ras­se oder ei­nen Raum zur Ver­fü­gung, da­mit für die Kin­der ein ad­vent­li­ches Pro­gramm ge­macht wer­den kann“, er­klärt ei­ne Mut­ter. Die Gast­ge­ber bie­ten Plätz­chen, Leb­ku­chen und war­men Punsch an. Das Or­ga­ni­sa­ti­ons­team be­rei­tet das Pro­gramm vor.

Der Abend be­ginnt im­mer um 18 Uhr an der St.-Wen­de­li­nus-Ka­pel­le. Die Kin­der dür­fen ent­schei­den, für wen an die­sem Abend ge­be­tet und ge­lau­fen wird. Der Lich­ter­lauf soll den Kin­dern ver­mit­teln, dass man für Men­schen be­ten kann. „Kin­der ha­ben die Bil­der aus den Me­di­en im Kopf und wis­sen ziem­lich ge­nau, wen sie in das Ge­bet ein­schlie­ßen möch­ten“, be­rich­tet Pe­tra Selb­herr aus dem Team. Es wird für die Kin­der, die ar­bei­ten müs­sen, für krebs­kran­ke Kin­der oder für Kin­der auf der Flucht ge­be­tet. Aber auch für Opa und Oma, für die Ge­schwis­ter, für je­man­den im Ort, der vor Kur­zem ge­stor­ben ist, aber auch für das gu­te Ge­lin­gen in der Schu­le. Un­ter­wegs mit dem Stern Dann wird ent­schie­den, wer an die­sem Abend den leuch­ten­den Stern und wer das Licht­glas tra­gen darf, wer das Se­gens­ge­bet vor dem Haus liest. Je­den Abend kom­men an­de­re Kin­der dran. Dann setzt sich der Zug in Be­we­gung und al­le ge­hen dem Stern hin­ter­her. Neu­lich sei der Stern nicht auf­find­bar ge­we­sen: „Dann sind wir oh­ne den Stern los­ge­lau­fen. Das war ganz an­ders: Es fehl­te der Ori­en­tie­rungs­punkt, es fehl­te das war­me Licht, dem man folgt“, be­rich­tet Selb­herr.

Wenn die vie­len Kin­der und ih­re Fa­mi­li­en vor dem Haus ste­hen, das an dem Abend be­sucht wird, dann wird ge­klin­gelt. Die Be­woh­ner ma­chen auf und ste­hen vor der gro­ßen Schar. Nach dem ad­vent­li­chen Be­grü­ßungs­lied wer­den die Se­gens­wün­sche vor­ge­tra­gen und das Licht über­reicht. „Für Kin­der ist es wich­tig, die Dun­kel­heit, das Licht, die Wär­me sinn­lich zu er­le­ben“, er­klä­ren die Müt­ter. So er­fah­ren sie, dass es im Le­ben auch dunk­le Zei­ten ge­ben kann, dass es aber Men­schen gibt, die Trost brin­gen kön­nen.

„Die Kin­der freu­en sich ganz be­son­ders, wenn das Licht in ih­re Häu­ser ge­bracht wird und dass sie auch ein­mal Gast­ge­ber sein dür­fen“, er­zäh­len die Müt­ter. Es sei ei­ne gu­te Er­fah­rung, den Abend vor­zu­be­rei­ten. Nach­dem das Licht über­ge­ben wor­den ist, ge­nie­ßen die Kin­der ein viel­fäl­ti­ges Pro­gramm. Es reicht von ei­ner weih­nacht­li­chen Ge­schich­te, Be­we­gungs­spiel, Plätz­chen­ver­zie­ren, Bas­teln von lie­be­vol­len Klei­nig­kei­ten bis zum Krip­pen­spiel am La­ger­feu­er. Da­nach gibt es Le­cke­rei­en zu es­sen und zu trin­ken.

Das Or­ga­ni­sa­ti­ons­team fin­det bei dem Dorf­ge­mein­schafts­ver­ein und der Kir­chen­ge­mein­de Hun­der­sin­gen tat­kräf­ti­ge und fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung. „Da­für sind wir sehr dank­bar“, sa­gen die Müt­ter. Mor­gen, am 24. De­zem­ber, ist um 13.30 Uhr der letz­te Lich­ter­lauf in die­sem Jahr. Dann tref­fen sich al­le in der Wen­de­lin Ka­pel­le. Dort wird noch ein­mal Rück­blick ge­hal­ten. Die Kin­der er­in­nern sich sehr gut, wo sie übe­r­all wa­ren und was sie er­lebt ha­ben. Es wird ge­sun­gen und ge­be­tet. Drau­ßen spielt dann die Ju­gend­ka­pel­le stim­mungs­vol­le Weih­nachts­lie­der und der Ort­schafts­rat be­wir­tet die vie­len Fa­mi­li­en und Bür­ger. Al­le Kin­der be­kom­men zur Er­in­ne­rung ein klei­nes Weih­nachts­ge­schenk, das lie­be­voll aus­ge­wählt wur­de und sie be­glei­ten soll.

FOTO: VE­RA RO­MEU

Die Beu­rener Kin­der brin­gen das Licht des Ad­vents am Don­ners­tag zu Andre­as, Chris­ti­na und Erik Selb­herr.

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