Vier Me­ter ho­her Weih­nachts­baum stürzt auf ei­ne Su­per­markt­kun­din

„Weih­nachts­mann beißt Hund“trägt skur­ri­le, aber wah­re Be­ge­ben­hei­ten vor

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PFULLENDORF - Von Cäci­lia Krö­nert

PFUL­LEN­DORF - Frie­de, Freu­de, Weih­nachts­baum – aber nicht bei Jörg Me­tes, ei­nem Sa­ti­ri­ker par ex­cel­lence. „Weih­nachts­mann beißt Hund“– so au­ßer­ge­wöhn­lich wie der Na­me des Tri­os, so be­son­ders und er­fri­schend an­ders war auch das Pro­gramm, das am Mitt­woch­abend im Ca­fé Moc­caf­loor zu er­le­ben war. Rund 120 Gäs­te staun­ten, stutz­ten und lausch­ten den un­er­hör­ten, aber wah­ren Be­ge­ben­hei­ten des Au­tors. Be­sänf­tigt wur­den die un­glaub­li­chen Ge­schich­ten durch tra­di­tio­nel­le Weih­nachts­klän­ge, prä­sen­tiert mit Swing und Soul von Pe­tra Woi­set­schlä­ger am Kla­vier und Udo Betz am Kon­tra­bass.

„Jörg Me­tes hat die schöns­ten Weih­nachts­ka­ta­stro­phen aus al­ler Welt ge­sam­melt“, sag­te An­dré Heygs­ter, Kul­tur­be­auf­trag­ter der Stadt Pful­len­dorf, zur Be­grü­ßung des Pu­bli­kums. Zehn von 22 Ver­an­stal­tun­gen der Rei­he „Kultur in Pful­len­dorf“sei­en in Ali­ne Wit­schels Ca­fé Moc­caf­loor in im­mer wie­der ver­än­der­ten und auf im­mer wie­der schö­nen Kunst­büh­nen auf­ge­führt wor­den, sag­te Heygs­ter. Gleich­zei­tig nutz­te er die Ge­le­gen­heit da­zu, sich bei der Gast­ge­be­rin zu be­dan­ken.

Das Ca­fé war bis auf den letz­ten Platz be­legt. Mit der Weih­nachts­zeit hat sich der in Düs­sel­dorf ge­bo­re­ne und in Fil­der­stadt auf­ge­wach­se­ne Au­tor Jörg Me­tes ei­ne be­son­de­re Zeit zu Her­zen ge­nom­men. In sei­nen schier un­glaub­li­chen Ge­schich­ten, die al­le­samt auf Tat­sa­chen be­ru­hen, ging es wahr­lich nicht um Be­sinn­lich­keit, Ru­he und das Fest der Freu­de – und wenn es um Weih­nachts­ge­bäck ging, dann in ei­ner recht fa­ta­len Wei­se. Die Kek­se sind auf dem Ver­sand­weg von Stutt­gart nach Frank­furt näm­lich schlicht in Ber­lin ge­lan­det und ha­ben als ver­meint­li­cher Da­ten­klau für ei­nen lan­des­wei­ten Su­per­gau ge­sorgt.

Das Büh­nen­bild er­zähl­te ei­ne an­de­re Ge­schich­te: Auf der Büh­ne stand ein Oh­ren­ses­sel mit ei­ner Steh­lam­pe da­hin­ter, ein bunt ge­schmück­ter Tan­nen­baum zier­te den Raum, ein Kla­vier und ein Kon­tra­bass er­füll­ten das ty­pi­sche Bild der Vor­stel­lung ei­ner stim­mungs­vol­len Weih­nachts­idyl­le, bei der ein Mär­chen­er­zäh­ler weih­nacht­li­che Wei­sen zum Bes­ten ge­ben will. Die Mu­sik war weih­nacht­lich. Lie­der wie Frank Si­na­tras „Ha­ve yours­elf a mer­ry litt­le Christ­mas“, das ös­ter­rei­chi­sche Weih­nachts­lied „Es wird scho glei dum­pa“, „Ma­ria durch den Dorn­wald ging“und das Ad­vents­lied „Es ist ein Ros’ ent­sprun­gen“in­ter­pre­tier­ten die Vir­tuo­sen Pe­tra Woi­set­schlä­ger und Udo Betz auf ih­re ganz ei­ge­ne Wei­se – sou­lig und swin­gend. Ex-Chef­re­dak­teur der „Ti­ta­nic“„Si­lent Night“hauch­te Pe­tra Woi­set­schlä­ger mit ih­rer wun­der­ba­ren Stim­me, Udo Betz er­gänz­te zup­fend, strei­chend oder klop­fend die ro­man­ti­schen Weih­nachts­klän­ge. Doch dann las Me­tes sei­ne Weih­nachts­ge­schich­ten vor: Der Au­tor, von 1983 bis 1987 Chef­re­dak­teur des Sa­ti­re­ma­ga­zins „Ti­ta­nic“, trug Tat­sa­chen­be­rich­te aus Deutsch­land, Ös­ter­reich, Pe­ru, Schwe­den und Ame­ri­ka vor.

Das Pu­bli­kum staun­te nicht schlecht. So be­rich­te­te Me­tes von ei­nem vier Me­ter ho­hen und 180 Ki­lo­gramm schwe­ren Weih­nachts­baum, der sich aus der Ver­an­ke­rung lös­te und im Kauf­haus ei­ne Kun­din un­ter sich be­grub. Der Au­tor er­zähl­te Ge­schich­ten von Kauf­haus­mit­ar­bei­tern, die sich über stän­dig du­deln­de Weih­nachts­mu­sik be­schwer­ten, und von Bau­ern aus ei­nem klei­nen Dorf in den An­den, die sich an den bei­den Weih­nachts­fei­er­ta­gen zu Schlä­ge­rei­en ver­ab­re­de­ten – nur um sich an­schlie­ßend ver­söh­nen zu kön­nen.

Un­term Strich fal­le die Weih­nachts­bi­lanz al­les an­de­re als po­si­tiv aus, bi­lan­zier­te Jörg Me­tes. Weih­nachts­de­ko­ra­tio­nen be­schäf­ti­gen Ge­rich­te, Po­li­zis­ten ver­haf­te­ten Po­li­zis­ten. „Ist Weih­nach­ten noch zu ret­ten?“, frag­te sich da der stu­dier­te Ma­the­ma­ti­ker. Rund zwei St­un­den un­ter­hiel­ten die Ak­teu­re ihr Pu­bli­kum zum Fest der Lie­be auf nach­denk­li­che und doch weih­nacht­li­che Wei­se.

FOTO: CÄCI­LIA KRÖ­NERT

Pe­tra Woi­set­schlä­ger und ih­re Kol­le­gen wid­men sich auf et­was an­de­re Art dem The­ma Weih­nach­ten.

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