Wie ent­fes­selt

Beim 3:0 ge­gen Leip­zig sind Bay­erns Mit­tel­feld­spie­ler so do­mi­nant wie lan­ge nicht mehr

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Fil­ip­po Ca­tal­do

MÜN­CHEN - Karl-Heinz Rum­me­nig­ge sprach es noch ein­mal aus. Es hät­te ja ei­ner in den Ka­ta­kom­ben der Al­li­anz Are­na nicht mit­be­kom­men ha­ben kön­nen, wie Bay­erns Vor­stands­chef nach die­ser „De­mons­tra­ti­on der Klas­se“der Münch­ner über „Ra­sen­ball­sport, wie die sich ja be­zeich­nen“(bei­des Rum­me­nig­ge) erst mit ei­nem Glas in der Hand in die Ka­bi­ne der Bay­ern ge­trot­tet war und er spä­ter, als er sich in Fest­stim­mung vor die Re­por­ter stell­te, noch im­mer die­ses recht gut ge­füll­te Glas in der Hand hat­te. „Wir trin­ken heu­te Cham­pa­gner“, sag­te Rum­me­nig­ge al­so, „heu­te ma­chen wir es ganz no­bel.“

Mit dem 3:0 (3:0) hat­ten die Münch­ner an die­sem denk­wür­di­gen Abend ja nicht nur die Leip­zi­ger Him­mels­stür­mer zu­recht­ge­stutzt und die Macht­ver­hält­nis­se in der Bun­des­li­ga wie­der her­ge­stellt; die ers­ten 30 Mi­nu­ten wa­ren mit Ab­stand die bes­ten, seit Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti im Som­mer sein Amt an­ge­tre­ten hat. Die Bay­ern spiel­ten mit der Gal­lig­keit je­ner, die was klar­stel­len wol­len. „Wenn wir so ge­reizt wer­den, ist es schwie­rig, un­se­re Mann­schaft zu stop­pen“, sag­te Rum­me­nig­ge. Aber da war noch mehr. Die mit der fast äl­test­mög­li­chen Mann­schaft an­ge­tre­te­nen Münch­ner rann­ten, press­ten, kom­bi­nier­ten und tra­fen, als ob sie vor­her in ei­nen Jung­brun­nen ge­fal­len wä­ren. Zum ers­ten Mal un­ter An­ce­lot­ti spiel­ten sie wie ent­fes­selt. Da darf es schon ein­mal Scham­pus sein. „Es hat sehr, sehr gut ge­schmeckt“, be­rich­te­te Flü­gel­d­ribb­ler Ar­jen Rob­ben, „wenn man so ein Spiel so klar ge­winnt, darf man das ge­nie­ßen.“ Chir­urg der Päs­se Rob­ben hat­te durch ei­nen sehr klu­gen Pass auf Flan­ken­ge­ber Phil­ipp Lahm das 1:0 durch Thia­go ein­ge­lei­tet. Im Ja­nu­ar wird Rob­ben 33, doch spä­tes­tens seit Mitt­woch ist klar, dass er auch als 34-Jäh­ri­ger noch ein Bay­er sein wird. „Er will bei Bay­ern Mün­chen blei­ben, wir wol­len, dass er bei Bay­ern Mün­chen bleibt, das ist ja im­mer ei­ne gu­te Vor­aus­set­zung“, sag­te Rum­me­nig­ge, der glaubt, „dass man da viel­leicht schon im Ja­nu­ar spä­tes­tens Voll­zug mel­den kann, da bin ich sehr op­ti­mis­tisch.“Ob Xa­bi Alon­so, der das 2:0 er­ziel­te, auch mit 36 Jah­ren noch bei Bay­ern spie­len darf, ist of­fen. Laut „ki­cker“wür­den die Club­ver­ant­wort­li­chen da­zu ten­die­ren, den aus­lau­fen­den Ver­trag des nicht mehr all­zu schnel­len, aber noch im­mer mit Rönt­ge­nau­gen ge­seg­ne­ten Alon­so nicht zu ver­län­gern. Das letz­te Wort dürf­te aber noch nicht ge­spro­chen sein, vor al­lem nicht nach ei­ner Leis­tung wie am Mitt­woch. Alon­so, die­ser Chir­urg der Päs­se, nahm mit sei­nen Zu­spie­len die Leip­zi­ger Pres­sing­mons­ter bei­na­he kom­plett aus dem Spiel. Frei­lich im Ver­bund mit sei­nem ag­gres­si­ven Be­schüt­zer Ar­turo Vi­dal und mit Thia­go, der als ei­ne Art hal­ber Zeh­ner vor den bei­den agier­te. Die­ser ei­gent­lich recht sim­ple tak­ti­sche Kniff An­ce­lot­tis – Vi­dal ließ sich oft auf die halb­lin­ke Sei­te oder in die Ab­wehr fal­len, Thia­go und Alon­so agier­ten meist in den Zwi­schen­räu­men, ver­schaff­te Bay­ern ei­ne lang nicht mehr ge­se­he­ne Do­mi­nanz im Mit­tel­feld. „Die Idee war, zwi­schen den Li­ni­en bes­ser zu spie­len“, sag­te An­ce­lot­ti, von dem es auch ein Son­der­lob für Thia­go gab: „Er hat das sehr gut ge­macht, hat­te im­mer die rich­ti­ge Po­si­ti­on.“

Tat­säch­lich mach­te der Spa­nier ein über­ra­gen­des Spiel, hat­te die meis­ten Ball­kon­tak­te (122), spul­te die meis­ten Ki­lo­me­ter ab (11,5), führ­te die meis­ten Zwei­kämp­fe (30, da­von 21 ge­won­nen) und spiel­te die meis­ten Päs­se in der geg­ne­ri­schen Hälf­te (65, von de­nen 54 ihr Ziel fan­den). Thia­go krön­te am Mitt­woch sei­ne bes­te Halb­se­rie beim FC Bay­ern. Noch im Früh­som­mer hat­ten vie­le er­war­tet, dass Thia­go sei­nem För­de­rer Pep Guar­dio­la nach En­g­land fol­gen wür­de, doch un­ter An­ce­lot­ti hat er sich nicht nur eman­zi­piert von Guar­dio­la, son­dern macht im­mer deut­li­cher, wie­so je­ner einst für ihn den Pep’schen Im­pe­ra­tiv er­fand („Thia­go – oder nix!“). Leid­tra­gen­der ist mo­men­tan Tho­mas Mül­ler, für den der van Gaal’sche Im­pe­ra­tiv („Mül­ler spielt im­mer“) im­mer öf­ter nur noch ein­ge­schränkt gilt. Oder gar nicht, ge­gen Leip­zig saß Mül­ler 90 Mi­nu­ten auf der Bank.

FOTO: AFP

Über­ra­gen­der Ak­teur bei Bay­erns 3:0-Sieg ge­gen Leip­zig: Thia­go.

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