Bahn ver­klagt Stutt­gart-21-Part­ner

Im Streit um Kos­ten für Stutt­gart 21 ver­klagt die Bahn ih­re Mit­fi­nan­ziers

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Ju­lia Giertz

STUTT­GART (lsw) - Der seit Lan­gem schwe­len­de Streit zwi­schen der Deut­schen Bahn und ih­ren Pro­jekt­part­nern über Mehr­kos­ten beim Mil­li­ar­den­pro­jekt Stutt­gart 21 be­schäf­tigt jetzt ein Ge­richt.

Der Kon­zern reich­te am Frei­tag Kla­ge ge­gen sei­ne Mit­fi­nan­ziers der Neu­ord­nung des Stutt­gar­ter Bahn­kno­tens beim Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart ein. Ei­ne Ge­richts­spre­che­rin be­stä­tig­te den Ein­gang der 209sei­ti­gen Kla­ge­schrift. Die Deut­sche Bahn, die Bau­her­rin des Mil­li­ar­den­vor­ha­bens ist, will das Land Ba­denWürt­tem­berg, die Stadt Stutt­gart und den Ver­band Re­gi­on Stutt­gart so­wie den Lan­des­flug­ha­fen ver­pflich­ten, sich an den Mehr­kos­ten für das Pro­jekt zu be­tei­li­gen. Die Part­ner der Bahn leh­nen über die zu­ge­sag­ten Be­trä­ge hin­aus jeg­li­ches wei­te­re fi­nan­zi­el­le En­ga­ge­ment ab.

STUTT­GART (lsw) - Es ist ei­ne neue Pha­se im Zwist zwi­schen der Deut­schen Bahn und ih­ren Pro­jekt­part­nern bei Stutt­gart 21: Der Kon­zern hat am Frei­tag sei­ne Dro­hung wahr­ge­macht, die Mit­fi­nan­ziers bei dem Mil­li­ar­den­vor­ha­ben per Kla­ge zu ei­ner Be­tei­li­gung an den Mehr­kos­ten zu ver­pflich­ten. In un­zäh­li­gen of­fi­zi­el­len und in­for­mel­len Tref­fen hat die Bahn beim Land Ba­den-Würt­tem­berg, der Stadt Stutt­gart, dem Ver­band Re­gi­on Stutt­gart und dem Flug­ha­fen kei­nen Kon­sens da­zu er­reicht. Die schwä­bi­schen Part­ner wur­den ih­rem Ruf ge­recht und wie­der­hol­ten ihr Man­tra: „Mir ge­bet nix.“

Es geht um Mil­li­ar­den­be­trä­ge. Seit März 2013 ist klar, dass der neue Tief­bahn­hof samt An­bin­dung an die Neu­bahn­stre­cke nach Ulm bis zu zwei Mil­li­ar­den Eu­ro teu­rer wer­den kann, ins­ge­samt wä­ren es dann 6,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. Für die zwei Mil­li­ar­den Eu­ro Mehr­kos­ten strebt die Bahn ei­nen Ver­tei­lungs­schlüs­sel von 35 Pro­zent für sie selbst und 65 Pro­zent für die Pro­jekt­part­ner an. Das wä­ren 1,3 Mil­li­ar­den Eu­ro, die auf Land, Stadt und Re­gi­on Stutt­gart und den Air­port zu­kä­men.

Im ju­ris­ti­schen Streit dürf­te die Sprech­klau­sel im Fi­nan­zie­rungs­ver­trag von 2009 ei­ne Schlüs­sel­rol­le spie­len (sie­he un­ten). Die Bahn zog im Fe­bru­ar 2013 erst­mals die Klau­sel. Da­mals war Bahn-Vor­stand Vol­ker Ke­fer in schwie­ri­ger Mis­si­on un­ter­wegs. Als der Bitt­stel­ler bei den Pro­jekt­part­nern auf tau­be Oh­ren stieß, droh­te Bahn­chef Rü­di­ger Gru­be be­reits of­fen mit ei­ner Kla­ge. Im No­vem­ber die­ses Jah­res ließ Ke­fer er­neut durch­bli­cken, dass der Kon­zern vor dem Gang zum Ka­di nicht zu­rück­schreckt: „Die­se zwei Mil­li­ar­den sind so viel Geld, dass man ei­ne ge­wis­se Wahr­schein­lich­keit hat, dass man da­mit vor Ge­richt lan­det.“ Frist bis Jah­res­en­de Der Kon­zern muss­te we­gen Ver­jäh­rungs­fris­ten noch in die­sem Jahr han­deln. Bis zu ei­nem letzt­in­stanz­li­chen Ur­teil ver­ge­hen meh­re­re Jah­re – und in drei Jah­ren wer­den die Fi­nan­zie­rungs­bei­trä­ge der Ver­trags­part­ner er­schöpft sein.

Wie wird sich die neue Es­ka­la­ti­ons­stu­fe auf das Ver­hält­nis von Bau­her­rin Bahn und ih­ren Part­nern aus­wir­ken? Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne) hat­te die Bahn An­fang No­vem­ber vor ei­ner Kla­ge ge­warnt: „Das wä­re das En­de ei­ner Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Län­dern, Kom­mu­nen und Bahn.“We­ni­ge Wo­chen spä­ter hat­te sich die Ton­la­ge Her­manns schon ge­än­dert: „Wir sind mit der Bahn ei­nig, dass die Kla­ge die Zu­sam­men­ar­beit mit der Deut­schen Bahn bei Bahn­pro­jek­ten ge­ne­rell und bei Stutt­gart 21 nicht stö­ren darf.“Der Bahn-Vor­stand ver­si­cher­te sei­ner­seits, dass das An­ru­fen des Ge­richts „kei­nen Ein­fluss auf die gu­te Zu­sam­men­ar­beit un­ter den Part­nern“ha­ben wer­de.

Das Vor­ge­hen der Bahn treibt auch ei­nen Keil in die Front der Fi­nan­ziers aus Ba­den-Würt­tem­berg. Das Land über­legt, vor­sorg­lich ei­ne Kla­ge ge­gen die Stadt ein­zu­rei­chen, da­mit es im Ernst­fall nicht al­lein auf den Mehr­kos­ten sit­zen bleibt. Um in die­ser Fra­ge Zeit zu ge­win­nen, ha­ben am Frei­tag Ge­sprä­che der Pro­jekt­part­ner be­gon­nen, die ein Aus­set­zen von Ver­jäh­rungs­fris­ten mög­li­cher An­sprü­che auch in ih­rem Bin­nen­ver­hält­nis be­wir­ken. Her­mann un­ter­streicht, die Pro­jekt­part­ner lie­ßen sich nicht aus­ein­an­der­di­vi­die­ren. Dass sein Par­tei­freund, Stutt­garts Ober­bür­ger­meis­ter Fritz Kuhn, bei der Durch­schlags­fei­er für den ers­ten Stutt­gart-21-Tun­nel jetzt sag­te, das Pro­jekt tue der bau­stel­len- und fein­staub­ge­plag­ten Lan­des­haupt­stadt gut, dürf­te ihm nicht ge­fal­len ha­ben. Er will sich bei sol­chen Ze­re­mo­ni­en nicht bli­cken las­sen.

Die Geg­ner von Stutt­gart 21 hof­fen dar­auf, dass durch die In­ter­es­sen­kol­li­si­on vor Ge­richt bei den Pro­jekt­be­tei­lig­ten ei­ne kri­ti­sche­re Hal­tung ge­gen­über der Bahn ent­steht. Die­ter Rei­cher­ter von den „Ju­ris­ten zu Stutt­gart 21“meint aber auch: „Egal wie der Pro­zess aus­geht, letzt­end­lich be­zahlt der Steu­er­zah­ler und der Bahn­kun­de die Mehr­kos­ten – der Bür­ger ist oh­ne­hin im­mer der Dum­me.“

FO­TO: DPA

Die Bahn zieht die Kon­se­quenz aus jah­re­lan­gen er­geb­nis­lo­sen Ge­sprä­chen mit ih­ren Pro­jekt­part­nern über die Mehr­kos­ten beim Mil­li­ar­den­vor­ha­ben Stutt­gart 21. Sie hat Kla­ge ein­ge­reicht.

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