Pri­vat­de­tek­tiv auf Her­bergs­su­che

66-Jäh­ri­ger wünscht sich nach Ehestrei­tig­kei­ten nichts sehn­li­cher als ein Weih­nachts­fest in Herz­lich­keit

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Ignaz Stösser

66-Jäh­ri­ger wünscht sich nach Ehestrei­tig­kei­ten weih­nacht­li­che Har­mo­nie.

RE­GI­ON - Ehestrei­tig­kei­ten ha­ben ei­nen 66-jäh­ri­gen Rent­ner in ei­ner Ge­mein­de im Lau­chert­tal ob­dach­los ge­macht. Jetzt vor Weih­nach­ten sucht er ei­ne Her­ber­ge, da­mit er die Fei­er­ta­ge so­zu­sa­gen nicht un­ter frei­em Him­mel ver­brin­gen muss. Es wä­re et­was ge­wagt, sei­ne Su­che mit der Her­bergs­su­che der hei­li­gen Fa­mi­lie zu ver­glei­chen, doch an ei­nem Tag wie die­sem tun sich Par­al­le­len auf.

Mat­thi­as Ne­u­mann (Na­me ge­än­dert) ist in ei­ne Not­si­tua­ti­on ge­ra­ten, aus der er nicht so schnell her­aus­kommt, wie ur­sprüng­lich er­hofft. Trotz in­ten­si­ver Su­che nach ei­ner neu­en Blei­be, hat sich noch kei­ne an­de­re Woh­nung fin­den las­sen. Er lebt seit meh­re­ren Wo­chen bei Ver­wand­ten, mal hier mal da, oder über­nach­tet hin und wie­der auch in sei­nem Au­to. „Kön­nen Sie sich vor­stel­len, wie das ist, bei die­sen Tem­pe­ra­tu­ren im Au­to zu schla­fen?“, frag­te er bei sei­nem Be­such in der Re­dak­ti­on.

Dass er je­mals in ei­ne sol­che Si­tua­ti­on kom­men wird, hat sich der frü­he­re Pri­vat­de­tek­tiv bis Mit­te die­ses Jah­res nicht vor­stel­len kön­nen. „Ein Groß­teil mei­ner Ar­beit in den ver­gan­ge­nen 25 Jah­ren be­stand da­rin, un­treue Frau­en oder Män­ner zu über­füh­ren“, sagt er. Nun sei er selbst hin­ter­gan­gen wor­den.

Ein Bei­spiel aus jüngs­ter Zeit fällt ihm ein. „Ein Mann um die 50 be­auf­trag­te mich, sei­ne Frau zu be­schat­ten“, er­zählt er. Der Mann ha­be den drin­gen­den Ver­dacht ge­habt, dass sei­ne Frau ei­nen Lieb­ha­ber hat. Ei­ni­ge Ta­ge spä­ter sei er der Frau mit dem Au­to in ei­ne an­de­re Stadt ge­folgt, wo sie an­geb­lich bei Freun­den über­nach­ten woll­te“, so Mat­thi­as Ne­u­mann. Sie sei di­rekt in ein Park­haus ge­fah­ren, wo der Lieb­ha­ber schon auf sie ge­war­tet ha­be. „Sie um­arm­ten und küss­ten sich“, er­zählt der Pri­vat­de­tek­tiv mit ver­schmitz­tem Lä­cheln. Für ihn sei das ein Er­folg ge­we­sen. „Ich ha­be gleich gu­te Bil­der ma­chen kön­nen“, be­rich­tet er wei­ter. Am nächs­ten Mor­gen konn­te er das Pär­chen beim Früh­stück noch­mals fo­to­gra­fie­ren. Zwei, drei Wo­chen spä­ter sei er der Frau dann mit dem Zug in ei­ne an­de­re Stadt ge­folgt, wo der Lieb­ha­ber eben­falls schon war­te­te. „Mei­ne Ar­beit war auch hier er­folg­reich, ich ha­be gu­te Be­wei­se für die Un­treue der Frau lie­fern kön­nen“, so Ne­u­mann.

Doch dann wen­de­te sich das Schick­sal of­fen­bar auch ge­gen ihn. We­ni­ge Mo­na­te spä­ter ha­be er Ähn­li­ches er­le­ben müs­sen wie der be­tro­ge­ne Ehe­mann. Ne­u­mann ist der An­sicht, dass sei­ne Frau bei ei­nem Kur­auf­ent­halt ei­nen an­de­ren Mann ken­nen­lern­te, mit dem sie auch heu­te noch zu­sam­men sein soll. Nach der Kur sei sie meh­re­re Wo­chen mit dem an­de­ren in ei­nem Wohn­mo­bil un­ter­wegs ge­we­sen, will der Pri­vat­de­tek­tiv be­ob­ach­tet ha­ben. Dann ha­be er Herz­pro­ble­me be­kom­men und ins Kran­ken­haus müs­sen. Die­se Zeit soll sei­ne Frau ge­nutzt ha­ben, um sei­ne Sa­chen zu pa­cken, um ihn dann aus der Woh­nung zu wei­sen. Weil es da­bei zu ei­nem Ger­an­gel zwi­schen ih­nen ge­kom­men sei, ha­be er den Schlüs­sel ab­ge­ben müs­sen und dür­fe sich nun we­der der Woh­nung noch der Frau nä­hern. Kei­ne ein­deu­ti­gen Be­wei­se „Ich ha­be mei­ne Frau ge­liebt, ha­be ihr blind ver­traut und bin selbst nie auf die Idee ge­kom­men, sie zu hin­ter­ge­hen“, sagt Mat­thi­as Ne­u­mann. Zwar hat er das an­geb­li­che Trei­ben sei­ner Frau be­ob­ach­tet, doch ein­deu­ti­ge Be­wei­se hat er nicht in der Hand. Ver­sagt der Pri­vat­de­tek­tiv, wenn es um sei­ne ei­ge­ne Ge­schich­te geht? „Ich ha­be kei­ne Lust, Be­wei­se zu sam­meln“, sagt er zur Er­klä­rung. „Ich ha­be ihr ge­sagt: Du weißt doch, was du ge­macht hast.“Sie wür­de es je­den­falls be­strei­ten, ei­nen Lieb­ha­ber zu ha­ben. Trotz al­lem hat Ne­u­mann per SMS ge­bet­telt, wie­der zu­rück­keh­ren zu dür­fen. Doch die Frau sei hart ge­blie­ben. Nicht ein­mal sei­nen Sohn und die En­kel­kin­der dür­fe er se­hen.

Jetzt will Mat­thi­as Ne­u­mann so schnell wie mög­lich die Schei­dung und vor al­lem sei­ne Ru­he ha­ben. Er sucht an­ders­wo Ge­bor­gen­heit und Men­schen, mit de­nen er an Weih­nach­ten oder auch die Ta­ge da­nach ein paar an­ge­neh­me St­un­den ver­brin­gen kann. Wer Mat­thi­as Ne­u­mann an die­sen Ta­gen spon­tan ein­la­den will, kann die Han­dy­num­mer 0160423 56 84 an­ru­fen.

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FO­TO: IGNAZ STÖSSER

Auf der Su­che: 66-Jäh­ri­ger ist in ei­ne Not­la­ge ge­ra­ten.

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